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SG-Inside : Anders Eggert: „Windeln wechseln gehört dazu“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anders Eggert ist verliebt in seine kleine Tochter und ein Verfechter der Gleichberechtigung. Die SG Flensburg-Handewitt bleibt für den Dänen der Traumverein.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 08:43 Uhr

Flensburg | Ein Traumblick bietet sich vom Wohnzimmer in den bunt gefärbten Wald. Eine Brise aus Nordost weht würzige Meeresluft von der Förde übers Twedter Feld. „Es ist wunderbar, hier zu wohnen“, sagt Anders Eggert. Zum Mobiliar des Wohnzimmers im Kubushaus des SG-Linksaußens zählt seit kurzem auch ein Laufstall. Doch der ist leer, das sieben Monate alte Töchterchen ist in der Krippe. „Für Dänen ist es ganz normal, dass Kinder früh in die Krippe kommen, und dass sich Väter genauso um die Babys kümmern wie Mütter“, sagt der Däne, der 2006 zu den Flensburg-Handewittern kam. Warum funktioniert das in Deutschland in so vielen Familien noch immer anders? „Weil hier nicht so viele Frauen Karriere machen wie in Dänemark. Dort sind Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt absolut gleichberechtigt, das finde ich auch gut so“, sagt Anders Eggert, dessen Frau Lisa jeden Tag acht Stunden arbeitet.

Gestresster wirkt der 31-Jährige nicht, seit seine kleine Tochter auf der Welt ist. „Emotional hat sie alles auf den Kopf gestellt. Doch unser Leben hat sich nicht total verändert“, sagt der Torjäger. Training, Spiele, Auswärtstouren – alles läuft weiter. „Nur abends sind wir nicht mehr so oft unterwegs, und wir fahren seltener spontan nach Dänemark. Ein Kind braucht eben Planung und einen gut gefüllen Kühlschrank.“

Kein Spieler musste in Flensburg jemals in so große Fußstapfen treten wie Anders Eggert – und zwar in die von Lars Christiansen, dessen Trikotnummer nie wieder vergeben werden wird, nach dem der Platz vor der Flens-Arena benannt wurde, der 14 Jahre „das“ Gesicht der SG war. „Diese Überhöhung von Lars war nicht fair und für mich oft auch ziemlich hart“, erinnert sich Anders Eggert. So viel besser sei der Kollege nicht gewesen, oder nach Einschätzung der heutigen Nummer eins auf Linksaußen eigentlich gar nicht besser.

„Torschützenkönig“ – dieses ambitionierte Saisonziel nennt der junge Anders Eggert, als er vor sieben Jahren zur SG kommt, obwohl mit Lars Christiansen der Bundesliga-Torschützen-König in Serie auf seiner Position spielt. „Als ich kam, wollte Lars an sich nur noch ein Jahr bleiben“, sagt der Däne. Daraus wurden vier, in denen Eggert oft komplette Spiele zähneknirschend auf der Bank sitzen musste, auch in der dänischen Nationalmannschaft. „Jenseits des Spielfelds war und ist alles super mit uns - aber ich habe mich oft gefragt: Warum nimmt Lars nicht endlich eines der lukrativen Angebote aus Kiel oder Spanien an?“

Die Antwort auf diese Frage schreibt die eigene Lebensgeschichte von Anders Eggert. Auch er bekommt Angebote, auch aus Kiel, auch in dieser Saison. „Doch Kiel käme für mich nie in Frage“, betont der Linksaußen. Vor kurzem hat er aus voller Überzeugung seinen Vertrag bei der SG um drei Jahre verlängert, bleibt Flensburg weiter treu, wie einst Lars Christiansen. „Meine Frau und ich haben überlegt, ob wir nochmal ein Abenteuer, ein anderes Leben, eine andere Kultur kennen lernen wollen – doch die SG bleibt mein sportlicher Traum“, sagt „Eggi“. Sein Anspruch an sich hat sich in all’ den Jahren nicht verändert: „Ich möchte weltweit der beste Spieler auf meiner Position sein.“ Daher nimmt er sich immer den schwierigsten Wurf, sogar einen Heber gegen den Torwart-Riesen Jogi Bitter, auch wenn dabei 6000 Zuschauern der Atem stockt. Doch: „Je anspruchsvoller der Wurf, desto größer die Chance auf ein Tor.“ Desto größer auch der persönliche Spaß für Anders Eggert, der seine Spielweise so mitreißend macht. „Viele denken, dass ich ein toller Clown für Freundschaftsspiele bin – doch das stimmt nicht. Ich habe nur dann Spaß, wenn es um etwas geht – ein großes Ziel, einer der drei Titel muss diese Saison her“, betont Eggert. Richtig ist aber, dass der in Aarhus Geborene fast immer gut drauf ist. „Vielleicht weil ich ganz bewusst dazu stehe, wenn es mal schief läuft. Sonst bin ich ganz und gar positiv, warum auch nicht?“, fragt der Däne mit seinem Spitzbubenlächeln.

Als er zur SG kam, hatte er deutlich mehr Haare auf dem Kopf, stört ihn das? „Das ist ein fiese Frage. Ich habe viel ausprobiert, jedesmal wurden die Haare noch weniger. Zum Glück bin ich hellblond, da fallen die Lücken nicht so sehr auf“, sagt der Publikumsliebling ganz ehrlich. Nun muss er aber los, seine Tochter aus der Krippe abholen. Danach müssen die Windeln gewechselt werden. „Das ist nicht schön, aber für das eigene Kind gehört das einfach dazu, auch für einen Papa“.

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