Pokal-Erinnerungen an das Jahr 1978 : Als Harald Uhr einen Elfmeter verschoss

Das Mannschaftsfoto der Saison 1977/78, damals veröffentlicht im Flensburger Tageblatt.
Das Mannschaftsfoto der Saison 1977/78, damals veröffentlicht im Flensburger Tageblatt.

Der Liga-Geschäftsführer des SC Weiche Flensburg 08 scheiterte vor 40 Jahren mit dem TSV Nord Harrislee im DFB-Pokal.

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16. August 2018, 06:30 Uhr

DFB-Pokal in Flensburg: Am Sonntag (15.30) Uhr trifft der SC Weiche 08 auf den VfL Bochum. Ein Pflichtspiel gegen einen Zweitligisten in der Fördestadt, das gab es vor 40 Jahren schon einmal. Harald Uhr hat es nicht vergessen – und erst recht nicht die Szene in der 59. Minute. „Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einen Elfmeter verschossen habe“, erzählt der heutige Liga-Geschäfstführer des SC Weiche 08. „Ich hatte den Torwart Jürgen Muche, der Schwiegersohn des damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger, schon verladen, doch der Ball sprang auf die Latte.“

Zur Ehrenrettung des heute 68-Jährigen: Auch ein Treffer hätte wohl keine Wende mehr herbeigeführt. Zum Zeitpunkt des Missgeschicks stand es bereits 3:0 für Borussia Neunkirchen. Letztlich siegte der Zweitligist aus dem Saarland mit 6:0. Dennoch ging der 5. August 1978 als ein Höhepunkt in die Vereinschronik des TSV Nord Harrislee ein, denn dieses Datum steht für die bislang einzige Teilnahme eines Klubs aus dem Flensburger Raum am DFB-Pokal.

Ein 2:0 im Landespokal gegen den Itzehoer SV hatte den Weg geebnet. Dieser Coup war kein Zufallsprodukt, denn der TSV Nord war in jener Zeit der Komet in der regionalen Fußball-Szene. Motor war Ligaobmann „Willi“ Möller. Er pflegte Kontakte, gründete ein Sportfachgeschäft und zimmerte einen Etat von rund 40 000 D-Mark zusammen. Mit Mini-Prämien, etwas Fahrgeld und viel Gemeinsinn verstärkte er eine Dorftruppe zu einem Regionalteam. Zusammen mit Stammkräften wie Harald Uhr und Walter Markmann spielten nun etliche Akteure mit einer Vergangenheit bei 08, dem führenden Flensburger Klub.

Den lokalen Platzhirschen griff „Willi“ Möller Ende der 70-er Jahre an. Seinen womöglich wichtigsten Schachzug tätigte er im Frühjahr 1974 im 08-Sportheim. Bei einem „Biergespräch“ mit Torwart Jürgen Lück erfuhr er, dass dieser seine Laufbahn beenden wollte. Der Funktionär überlegte nicht lang: „Du willst aufhören? Dann werde doch Trainer bei uns!“ Acht Jahre lang bildeten Jürgen Lück und „Willi“ Möller ein starkes Gespann. Der TSV marschierte bis 1977 von der Kreis- in die viertklassige Verbandsliga, wo sich der TSV als Achter sofort etablierte. Es war noch eine andere Fußballwelt – auf und neben dem Spielfeld. Es gab noch keine Verträge, sondern den Handschlag. „Wir hatten eine sehr gute Kameradschaft“, erinnert sich der quirlige Mittelfeldspieler „Hanni“ Schlott. „Wir saßen viel zusammen, trafen uns zum Essen und machten tolle Mannschaftsfahrten.“ Trainiert wurde während der Saison nur zwei Mal die Woche. „Wir haben damals ganz anders Fußball gespielt“, erklärt der damalige Abwehr-Stratege Volker Herre. „Heutzutage dominiert das Kurzpass-Spiel, bei uns ging es immer lang nach vorne.“

Für die Partie gegen Borussia Neunkirchen zog der TSV Nord in das Flensburger Stadion um und lockte immerhin 1582 Zuschauer an. Die Saarländer reisten mit Respekt an. „Der Gegner soll sehr lauffreudig, abwehrstark sein und sein Spiel aus der Defensive heraus aufziehen“, hatte Borussen-Trainer Dietmar Schwager in Erfahrung gebracht. Gegen Neunkirchen hatten die Gastgeber zwei hochkarätige Chancen. Doch sowohl Goalgetter Walter Markmann, der diesmal das sprichwörtliche Pech am Stiefel kleben hatte, als auch Bernd Dittmann schossen knapp am Tor vorbei. Dann schlief die Abwehr zwei Mal – Borussen-Stürmer Werner Weihs nutzte dies zwei Mal aus. Der TSV Nord musste ohne seinen Regisseur Hans-Jürgen Henningsen auskommen, der wegen Trainingsrückstands außen vor blieb.

Neunkirchen agierte cleverer, überbrückte das Mittelfeld schneller und sorgte mit gefährlichen Doppelpass-Kombinationen immer wieder für Gefahr. Die Platzherren verpassten den verdienten Ehrentreffer, Harald Uhr verschoss den Foulelfmeter. „Dieses 0:6 ist für uns keine Tragödie, wir müssen eben noch viel lernen“, bilanzierte Jürgen Lück.

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