Relegation zur Dritten Liga : „Lohnt sich, nach Cottbus zu fahren“

Die Flensburger Fans in Kiel hielten trotz stimmlicher und personeller „Unterzahl“ lautstark dagegen.
Die Flensburger Fans in Kiel hielten trotz stimmlicher und personeller „Unterzahl“ lautstark dagegen.

Der SC Weiche Flensburg 08 macht sich nach der starken zweiten Halbzeit gegen Energie Cottbus Mut für das Rückspiel.

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27. Mai 2018, 11:00 Uhr

Cottbus | Die ganze Bank sprang auf. Trainer, Betreuer und Spieler jubelten und ballten die Fäuste als Zeichen der Entschlossenheit. Dabei hatte René Guder mit seinem Tor in der 89. Minute zum 2:3 eine Niederlage nur erträglicher gestaltet. Doch wie die Regionalliga-Fußballer des SC Weiche Flensburg 08 nach 0:3-Rückstand im Drittliga-Aufstiegsspiel gegen den FC Energie Cottbus zurückgekommen waren, machte Mut für das Rückspiel am Sonntag (14 Uhr, Liveticker shz.de) im ausverkauften Stadion der Freundschaft. Zuvor hatte Christian Jürgensen mit seinem Tor zum 1:3 (68.) wieder für etwas Hoffnung gesorgt.

„Nach dem 0:3 mussten wir einmal Luft holen und haben uns in der Halbzeit gesagt, dass wir zeigen müssen, ob wir Männer sind oder nicht. Respekt vor der Mannschaft, wie sie das umgesetzt hat. Nach den zwei späten Toren fahren wir trotz der Niederlage mit einem besseren Gefühl nach Hause als der Gegner. Jetzt lohnt es sich auch, nach Cottbus zu fahren. Dort 2:0 zu gewinnen, ist schwer, aber nicht unmöglich. Es wird da richtig Alarm sein, aber es liegt jetzt an uns, die Zuschauer noch einmal nervös zu machen.“

Die ersten 45 Minuten im Kieler Holstein-Stadion gegen den Meister der Regionalliga Nordost waren katastrophal, das wollte (und konnte) auch niemand beschönigen. „Ein absolut verdienter Sieg für Cottbus. Man hat gemerkt, dass wir Neulinge in solchen Spielen sind. Wir waren nervös, unsicher und haben den Ball nicht gut laufen lassen“, sagte Trainer Daniel Jurgeleit.

Trainer Daniel Jurgeleit war in der ersten Halbzeit einige Male der Verzweiflung nahe.
Marcus Dewanger
Trainer Daniel Jurgeleit war in der ersten Halbzeit einige Male der Verzweiflung nahe.
 

Die Marschroute für die zweiten 45 Minuten war klar. „Wir hatten nichts mehr zu verlieren und wollten zeigen, dass man es besser machen kann. Und wir haben es besser gemacht“, lobte der Flensburger Coach. „Fußballerisch müssen wir uns nicht verstecken“, befand Liga-Geschäftsführer Harald Uhr. Und René Guder feuerte sich und seine Mitspieler gleich nach dem Schlusspfiff an: „Das ist unser letztes Saisonspiel, da hauen wir noch mal alles raus. Natürlich brauchen wir ein Quäntchen Glück – aber wir fahren mit breiter Brust nach Cottbus.“

Das wird auch nötig sein. „Dort werden uns 20.000 Zuschauer nach vorne peitschen“, sagte Maximilian Zimmer, der für Cottbus in der 29. und 38. Minute die Tore zum 0:2 und 0:3 erzielt hatte. „Ein perfekter Tag, oder?“, fragte ein Journalist und bekam zur Antwort: „Für einen perfekten Tag waren das zu viele Gegentore. Kompliment an Flensburg, wie sie zurückgekommen sind.“

Knapp 6000 Zuschauer waren nach Kiel angereist – etwa 2500 drückten dem SC die Daumen, etwa 3500 dem Gegner. Das Sicherheitskonzept mit umfangreichen Ausweis- und Zugangskontrollen hatte sich bewährt. Bis auf ein paar Rauchschwaden und zum Schluss einige Bengalische Feuer aus dem Energie-Block ereignete sich nichts Nennenswertes. „Die Cottbuser Fans waren doch toll“, stellte Harald Uhr fest.

Patrick Thomsen (li.) wirft sich Streli Mamba entgegen.
Marcus Dewanger
Patrick Thomsen (li.) wirft sich Streli Mamba entgegen.
 

Dass Energie ein stimmliches und zahlenmäßiges Übergewicht im Auswärtsspiel hatte, wurmte SC-Kapitän Jürgensen etwas: „Blöd, wenn in unserem Heimspiel der Gegner gefeiert wird“, sagte der Ex-Kieler, dessen Erfahrung im Rückspiel gefragt ist – vor einer derart großen Kulisse haben noch nicht viele Flensburger gespielt. „Die werden Vollalarm machen. Aber es liegt an uns, die ruhig zu bekommen“, so Jürgensen. Dem Vernehmen nach werden 400 bis 500 Flensburger ihr Team in die Lausitz begleiten.

Sie können sich auf ein motiviertes und entschlossenes Team einstellen, das die kleine Chance beim Schopfe packen will. Der SC muss mit zwei Toren Differenz gewinnen, um das „Wunder Aufstieg“ noch zu schaffen. Bei allem Mut und aller Entschlossenheit mahnte Trainer Jurgeleit, ohne den Funken Hoffnung austreten zu wollen, zu Realitätssinn: „Ob wir noch alle Möglichkeiten haben, lasse ich mal dahingestellt. Wir sind nicht so vermessen zu sagen, dass wir in Cottbus 3:0 oder 4:0 gewinnen.“

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