16 210 Kilometer für den Handball

Vier Mal nach Baden-Württemberg, drei Mal nach Sachsen – die Zweitliga-Frauen des TSV Nord Harrislee legen weite Wege zurück

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13. Oktober 2020, 18:20 Uhr

Harrislee | Am Sonnabend geht’s wieder los. Um kurz nach 9 Uhr besteigen Spielerinnen und Trainerteam den Bus, der sie zum Auswärtsspiel bringt. Unterwegs werden noch die Spielerinnen, die in Rendsburg oder Kiel wohnen, eingesammelt. Ziel ist die Sporthalle Langerfeld-Buschenburg in Wuppertal, wo die Handball-Frauen des TSV Nord Harrislee um 18.45 Uhr in der 2. Bundesliga beim TVB Wuppertal antreten.

Von der Holmberghalle bis zum Spielort sind es 523 Kilometer über die A 7 und die A 1. Diese Bustour gehört noch zu den harmloseren für die Mannschaft um Trainer Olaf Rogge. Sportlich ist die 2. Bundesliga eine Herausforderung, geografisch um so mehr. Nach der Liga-Reduzierung gibt es zwar nur noch 13 statt zuvor 15 Auswärtsspiele, doch auch die haben es in sich für eine reine Amateurmannschaft. Insgesamt 16 210 Kilometer müssen die Nord-Frauen in der Saison 2020/21 zurücklegen. Nach dem Bundesliga-Aufstieg der HL Buchholz-Rosengarten (südlich von Hamburg) ist die kürzeste Tour weggefallen. „Spitzenreiter“ nach Kilometern ist Freiburg im Breisgau (1836 Kilometer hin und zurück, Spiel am 27. Februar 2021), gefolgt von Nürtingen (1702/16. Januar) und Herrenberg (1692/27. März).

Geradezu ein „Kurztrip“ wird das Auswärtsspiel am 13. März beim SV Werder Bremen (536 Kilometer). Bis auf Bremen gibt es keinen weiteren Gegner im Norden. Alleine vier Kontrahenten kommen aus Baden-Württemberg, drei aus Sachsen. Im Schnitt legt Nord pro Auswärtstour 1247 Kilometer zurück. Übernachtet wird nur bei den ganz weiten Touren – geplant sind aktuell Zwischenstopps vor den Partien in Nürtingen, Waiblingen, Herrenberg und eventuell Rödertal (Spielort Großröhrsdorf in Sachsen). Bei den Fahrten nach Baden-Württemberg wird in Fulda, beim Trip nach Sachsen in Berlin Station gemacht.

Mannschaftsintern laufen die Auswärtstouren unter „Klassenfahrt“ und sind bei den Spielerinnen gar nicht mal unbeliebt. „Die Fahrten habe ich in der Corona-Pause wirklich vermisst“, sagt „Klassensprecherin“ und Spielführerin Lotta Woch. Sie sieht die Reisezeit auch positiv: „Da rückt die Mannschaft noch enger zusammen.“ Spezielle Auswärts-Rituale gibt es kaum, abgesehen davon, dass ungefähr eine Stunde vor Erreichen des Ziels die Musikanlage im Bus voll aufgedreht wird. „Und nach dem Spiel kümmert sich immer jemand um die Essensbestellung“, sagt Lotta Woch.

Die Fahrten werden mit dem Schafflunder Omnibus-Unternehmen Stielow angetreten. „Ein langjähriger Partner, der uns gut fährt und bei dem wir uns sehr wohlfühlen“, sagt Handball-Obmann Andreas Lemke. Die Reisekosten sind im Gesamt-Etat enthalten, die Gemeinde zahlt einen Zuschuss für ihre Werbeträgerinnen.

Langes Sitzen im Bus – bestimmt nicht die optimale Vorbereitung in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, doch Trainer und Spielerinnen sind bestrebt, das Beste daraus zu machen. „Während der Fahrt schauen wir uns in Kleingruppen Videos an“, berichtet Trainer Olaf Rogge. Zudem sind die Fahrten so geplant, dass der Nord-Tross mindestens zwei Stunden vorher am Spielort eintrifft, damit Zeit für das Aufwärmprogramm bleibt. Das klappt nicht immer – ein Stau kann die ganze Planung über den Haufen werfen.

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