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Handball : „100 Mal besser als vor zwei Monaten“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die SG Flensburg-Handewitt spielt gegen Hannover-Burgdorf 30 Minuten lang wie im Rausch und gewinnt mit 37:21. Viel Lob gab es für Neuzugang Kresimir Kozina.

Eigentlich stehen die Chancen gut, auf der Fahrt Richtung Flensburg in eine der vielen Baustellen auf der A7 in einen Stau zu geraten. Aber nicht einmal das klappte für Benjamin Chatton. Was sich sonst kein Autofahrer wünscht, erschien dem Manager des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf am Mittwoch als willkommene Alternative. „Wäre ich erst so um acht eingetroffen, hätte ich nur noch ein schlechtes Spiel meiner Mannschaft gesehen“, meinte Chatton, der so nicht nur die „schlechte“ zweite Halbzeit erlebte, sondern auch die erste, für die er keine direkte Beschreibung mehr fand, sondern nur die Folgen schilderte: „Ich fühle mich heute ein bisschen als Knock-Out-Patient.“

Selten hat die SG Flensburg-Handewitt einen Bundesligisten derart beherrscht wie die Hannoveraner bei diesem 37:21-Sieg. Schon nach 28 Minuten lagen 15 Treffer (20:5) zwischen den Mannschaften. „Wir waren perfekt heute“, strahlte Rechtsaußen Lasse Svan, „sehr fokussiert in Angriff und Abwehr, gute Torhüter, schnelle Gegenstöße.“ Das traf weitgehend auch die Analyse seines Trainers: „Das war eine von unseren besten Halbzeiten überhaupt. Ich bin mit dieser Leistung unglaublich zufrieden“, sagte Ljubomir Vranjes.

Immerhin hatte er auf fünf Spieler (Heinl, Zachariassen, Gottfridsson, Karlsson, Radivojevic) verzichten müssen. Vor allem der Ausfall von Abwehrchef Karlsson hätte zu Bedenken Anlass geben können, da Vranjes einen starken Gäste-Angriff prophezeit hatte. Anstelle des Kapitäns stand Kresimir Kozina im Abwehrzentrum und sah dabei aus, als würde er schon Jahre und nicht erst einen Monat zum SG-Kader gehören. „Er hat das sehr, sehr, sehr gut gemacht. Wir haben uns in der Abwehr auf ihn eingestellt, damit er sich sicherer fühlt“, lobte Vranjes und hob hervor, wie schnell sich der Kroate integriert hat.

Bei den Kollegen kommt der bullige Kreisläufer bestens an, wie Rasmus Lauge bestätigte: „Guck dir an, wie er kämpft und rackert, wie er sich in jeden Ball reinschmeißt. Der gibt alles für uns und wir geben alles für ihn“, sagte der dänische Spielmacher, der selbst kaum zu bremsen war. Die große Harmonie nennt Lauge als Hauptgrund für den anhaltenden Lauf der Flensburger mit nun elf Siegen in Folge. „Wir kennen uns jetzt untereinander. Laufwege, Timing – das war heute 100 Mal besser als vor zwei Monaten.“

Mit zehn Toren Vorsprung nach 19 Minuten war längst alles gelaufen, doch die SG ließ nicht locker, wofür es einen weiteren Grund gab. Hannover hatte den Münzwurf vor dem Spiel gewonnen und dann den Fehler gemacht, die Seite und nicht den Ball zu wählen. Die SG musste in ungewohnter Reihenfolge spielen, also nicht wie sonst Richtung Stehtribüne in der zweiten Halbzeit. „Das macht man nicht“, wies SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke auf eine allseits geübte Gepflogenheit in der Liga hin, „da wird die Heimmannschaft noch einen Tick aggressiver.“

In der zweiten Hälfte entwickelte ein „normales“ Handballspiel. Hannover rappelte sich etwas auf. Die SG tauschte den Rückraum aus und übte mit Kentin Mahé in der Mitte, flankiert von Petar Djordjic und Holger Glandorf nicht mehr ganz so viel Druck auf die Abwehr der Gäste aus. Torhüter Kevin Möller war inzwischen für den überragenden Mattias Andersson (Quote 65 Prozent) gekommen und brauchte einige Minuten, um ins Spiel zu kommen. Dennoch reichte es für die Flensburger, um auch die zweite Halbzeit zu gewinnen.

Schon morgen (19 Uhr) tritt die SG zum wichtigen Gruppenspiel in der Champions League in Zagreb an – wohl in selber Besetzung. Vranjes war skeptisch, ob Karlsson und Radivojevic bis dahin wieder fit sind.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 18:18 Uhr

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