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Jetzt kommt die Klatsche schon vor dem Spiel

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Gedanken zur neuen Begrüßungs-Regel des Hamburger Fußball-Verbandes / Wie das auszuschauen hat und was beim Regelverstoß passiert

Die Fantasie mancher Funktionäre treibt bekanntlich immer neue Blüten. Stichwort FIFA und deren Abseits-Dröhnung. Jammern hin, jammern her - am Ende zählt nur eins: Abseits ist, wenn der Schiri pfeift. Das zu aktuellen FIFA-Denkspielen. Aber nicht nur die Weltfußballregeln-Expertenrunde glänzt mit Entscheidungen am Grünen Tisch. Auch die reservierten Hanseaten vom Hamburger Fußball-Verband (HFV) stehen dem in nichts nach. Sie sprühen förmlich vor Fantasie. Ihre neue Spielordnung ist etwas aus der Kategorie: "Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb".

Statt erst während der 90 Minuten ihrer Gier nach Grätschen zu fröhnen, gibt es jetzt schon vor dem Spiel die Klatsche. Jawohl, eine Klatsche vor der Schlacht statt danach. Ab sofort Pflicht: Beide Teams inklusive Schiris laufen gemeinsam auf den Platz. So weit so gut. Jetzt kommts aber dicke vom HFV: Mit Beginn der neuen Spielzeit muss die Heimmannschaft nach dem Gemeinschaftsauflauf durch die Reihen in der Spielfeldmitte tänzeln und jeden gegnerischen Spieler und jeden Referee persönlich abklatschen. Wer will, kann die softe Variante des Handschlags anwenden. Wie gesagt: Absolute Pflicht - kein Witz.

Die Fantasie der Spieler treibt nun ihrerseits Blüten. Abklatschen? Klar, aber wie? Das muss im Training geübt werden. Techniken etwa aus dem Boxen, Kickboxen, Karate, Muay Thai, Judo, Jiu-Jitsu und Ringen können verwandt werden. Verboten sollen laut Gerüchten händische Angriffe auf die Augen, den Kehlkopf und die Genitalien sowie Schläge oder Würfe auf Nacken oder Hinterkopf sein.

Auch die Fans brauchen etwas Training. Denn, da sind Fußballer nun wirklich Experten, es braucht ein wenig Schulung, um zu erkennen und zu bewerten, wie und ob regelkonform abgeklatscht wird.

Wie auch immer. Was aussieht wie eine Kumpelei, schlägt womöglich andere Wellen. Denn mit dem Abklatsch soll, so vermuten Fans, schon im Vorfeld der Rasen-Konferenz Stimmung gemacht werden. Stichwort: Entertainment. Klar! Man will für seine Kohle ja auch was sehen. Clever die HFV-Regisseure. Weiter im Abklatsch: Die scheinbar ausgelassenen Begrüßungsszenen enden entweder - im unwahrscheinlichen Fall - in friedlicher Freundschaftsbekundung, oder - und damit wohl der wahrscheinliche Regelfall - durch Punktrichterentscheidung. Wobei das Wertungssystem dem des Boxen ähnelt, durch K.o..

Einen vorzeitigen Spielabbruch vor der Partie entscheidet so der Ringrichter im Mittelkreis. Cool. Endlich wieder was los auf dem Platz. Hand drauf. Schlagt ein. Das wird lustig.

Die Begrüßungszeremonie könnte beim Bundesgesundheitsministerium allerdings auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Amtsschimmelreiter könnten in der neuen Spielordnung eine große Gefahr für die Spieler sehen. Denn: Zur Begrüßung die Hand geben, ist unhygienisch. Die Spieler müssen also fortan Handschuhe tragen. Gesetz ist Gesetz. Schutzhandschuhe gehören ab sofort zur Standardausstattung der Sporttasche. Die Farbe der Überzieher ist frei wählbar.

Bleibt noch eine Frage offen: Die der Strafen beim Regelverstoß. Mit welchen Sanktionen müssen Gastgeber rechnen, wenn sie die Spielordnung missachten? Oder den Abklatsch aus moralisch-ethischen oder privaten Gründen verweigern? Was passiert, wenn das angereiste Team klassisch auf Ignoranz macht und einfach den Abklatsch der Heim-Elf nicht erwidert? Mmhhh? Gelbe Karte, Punktabzug, kollektives Nachsitzen, Trainer entlassen?

Zu möglichen Strafen schweigt der HFV noch. Ein Präzedenzfall könnte Abhilfe schaffen. Möglich wäre folgende Sofortstrafe: Ein Zungenkuss - das ist wahre Freundschaft. Das schweißt zusammen. Das haucht dem Spiel mehr Pep ein. In diesem Sinne: Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb. Auch auf dem Platz.

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erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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