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Lokaler Sport

17. August 2017 | 10:18 Uhr

"Haben ein anderes Gesicht gezeigt"

vom

Pinneberg | Gut eineinhalb Stunden vor dem Spiel gegen den VfL Pinneberg brauchte er noch einmal ein paar ruhige Minuten für sich. Abseits des Platzes an der Fahltsweide hatte sich Ex-Profi Achim Hollerieth, Trainer des Hamburger Meisters FC Elmshorn, gemütlich auf einer Parkbank niedergelassen, um genüsslich eine Zigarette zu rauchen. Weit weg von den eigenen Spielern, den Zuschauern, der Öffentlichkeit.

Durchpusten war angesagt. Die Zigarette davor, sie half dem 39-Jährigen noch einmal die Gedanken zu ordnen. Habe ich zum ersten Oberliga-Spiel der Saison die richtige Taktik gewählt? Ist mein Team noch so dominant wie in der zurückliegenden Spielzeit? - das waren die Fragen, die Hollerieth durch den Kopf gingen. Oder war es vielmehr eine böse Vorahnung, die ihn vor dem Derby beschäftigte? Die Erwartungen vor dem Saisonstart waren groß, aber ist der FCE noch auf dem Level, um sie erfüllen?

Schließlich hatten Torschützenkönig Jan Lüneburg, Spielmacher Patrick Ziller und Abwehrchef Dennis Gersdorf das Meisterteam im Juli verlassen, zudem suspendierte der Klub kurzerhand den abwanderungswilligen Tim Jeske (will wie Lüneburg zum Regionalligisten Norderstedt wechseln, wir berichteten).

Aber: Nachdem der Anpfiff in Pinneberg vor 410 Zuschauern ertönte, war vom Umbruch in Hollerieths Team zunächst nicht viel zu sehen. Wie erwartet dominierten die in giftgrün gekleideten Krückaustädter die Partie von Beginn an. Bereits nach 13 Spielminuten musste VfL-Keeper und Ex-Elmshorner Tim Brüggemann einen Kaetow-Freistoß aus dem Kreuzeck fischen, zehn Minuten später war er dann jedoch machtlos: Ein scharf getretener Freistoß Patrick Scheidts blieb zunächst in der VfL-Mauer hängen, um dann genau vor die Füße Thorben Reibes zu fallen (von 2010 bis 2012 beim VfL) - der staubte ab, 0:1 (23.). Trotz seines Tores wurde Reibe später auch von den VfL-Fans im Stadion I gefeiert, seine 21 Saisontreffer, die ihm 2012 im VfL-Dress die Torjägerkanone einbrachten, hatten sie nicht vergessen. Reibes Führungstor konnten sie auch insofern verschmerzen, als dass dem spiel- und laufstarken Sascha Richert nur sieben Minuten später der Ausgleich für die Pinneberger per Handelfmeter gelang (30.). Richerts Flankenversuch von links hatte Scheidt zuvor unglücklich an den Arm bekommen - Schiri Paul Jennerjahn hatte gute Sicht, zeigte sofort auf den Punkt. Zum Ärgernis des FCE und Hollerieths.

Der Elmshorner Coach ärgerte sich aber noch vielmehr darüber, dass seinem Team in der zweiten Halbzeit kaum etwas Kreatives vor des Gegners Tor einfiel und der VfL (in Unterzahl und mit Libero) sich mehr und mehr in die Partie hineinkämpfte. Steffen Maaß gelang nach einem Sololauf um ein Haar sogar noch der Pinneberger Siegtreffer, der aber den Spielverlauf auf den Kopf gestellt hätte. "Wir können mit dem Remis sehr gut leben und was noch viel wichtiger ist: Die Mannschaft hat ein komplett anderes Gesicht gezeigt, als noch in der vergangenen Spielzeit", freute sich VfL-Manager Manfred Kirsch, während Hollerieth eingestehen musste, dass sein Team "erst bei 60 Prozent sei, noch viel Arbeit vor sich habe und personell nachrüsten müsse."

Bei einer genüsslichen Zigarette nach dem Spiel ging er seine Pläne für die nächsten Wochen gedanklich schon einmal durch. Ganz in Ruhe und für sich allein.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

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