zur Navigation springen
Lokaler Sport

22. Oktober 2017 | 14:50 Uhr

Fischer-Elf im freien Fall?

vom

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Vor einer Woche noch übte sich Michael Fischer in Optimismus. "Ich habe noch einiges im Köcher", sagte der Trainer der akut abstiegsbedrohten Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg vor dem Spiel gegen den Kreisnachbarn SV Rugenbergen.

War es blinder Optimismus? 1:4 verlor sein Team deutlich, es folgten eine 1:3 Niederlage nur zwei Tage später gegen Halstenbek-Rellingen sowie eine 1:2-Pleite am Pfingstmontag gegen Norderstedt.

Ausgerechnet jetzt, zwei Spiele vor dem Ende der Saison, scheinen Fischer die Pfeile auszugehen. Was soll er noch tun? Vor dem Spiel gegen Rugenbergen redete er seinen Kickern ins Gewissen - vergeblich. Gegen HR veränderte er seine Startelf auf fünf Positionen - vergeblich. Gegen Norderstedt wirkten mit Keeper David Poerschke und Torsten Jung zwei Akteure aus der Zweiten des Klubs (Bezirksliga-Meister) mit, um dem Team Selbstvertrauen zu verleihen - vergeblich.

Und dann auch noch das: Die Konkurrenz um den Klassenerhalt, Bramfeld und Paloma, punktete am Montagabend jeweils dreifach, der BSV ist nun punktgleich (schlechteres Torverhältnis), die Uhlenhorster zogen sogar am VfL vorbei und empfangen ihn heute (19.30 Uhr) zum Abstiegs-Endspiel auf roter Asche. Bekommen die Pinneberger heute Grand ins Getriebe und verlieren Freitag am letzten Spieltag hoch beim Meister FC Elmshorn (bei gleichzeitigem hohen Sieg Bramfelds in Curslack) hätte das schwerwiegende Folgen: Steigen dann nämlich die ersten Herren ab, müsste der VfL aufgrund des Aufstiegs der Zweiten zwei Teams in der Landesliga melden. Eines in der Hammonia-, ein anderes in der Hansa-Staffel. Da die Gegner der letztgenannten Staffel vorwiegend im Süd-Osten Hamburgs beheimatet sind (etwa Hamm United, SC Concordia oder BSV Buxtehude), kämen auf die Pinneberger ähnlich hohe Fahrtkosten wie im Oberliga-Bereich zu.

Ein weiteres Problem: Neuzugänge wie die Rugenbergener Tim Vollmer, Christian Dirksen, Daniel Brehmer und Artur Frost wollen in der Oberliga spielen. Springen sie ab, stünde der VfL vor der Problematik, zwei wettbewerbsfähige Kader zusammenstellen zu können. "Da müsste dann gegebenenfalls nachverhandelt werden", gibt Konrad Kosmalla, Vize des VfL-Fußballvorstandes, zu.

Die bittere Alternative: Die VfL-Zweite verzichtet auf den Aufstieg, müsste dann aber laut Regularien des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) in der Kreisklasse neu starten.

Joachim Dipner, Spielausschussvorsitzender des HFV, bestätigt gegenüber unserer Zeitung: "Der VfL hat sich bereits bei uns über die Abstiegsregularien erkundigt und plant offenbar, im Falle eines Abstiegs der Oberliga-Mannschaft zwei Landesliga-Teams zu melden." Heute Nachmittag wollen sich Kosmalla und Manager Manfred Kirsch, der von einer dreiwöchigen Kur zurückkehrt, zusammensetzen und den schlimmsten Fall diskutieren.

"Zunächst einmal hoffen wir natürlich auf den Ligaverbleib der Ersten und wir werden offiziell nichts bekanntgeben, bevor die Saison nicht gelaufen ist", stellt Kosmalla klar und ergänzt: "Ich habe das Gefühl, dass unser Trainer die Spieler immer noch erreicht, sie sind nur verunsichert und aufgrund der vielen Nachholspiele physisch am Ende. Sollte es zum Abstieg kommen, haben wir aber einen Plan."

Ein Sieg heute dürfte dem entgegenwirken, sogar ein Remis könnte in der Endabrechnung helfen - so oder so, die Entscheidung fällt am Freitag.

Nur: Was hat Fischer noch in seinem Köcher? Der 45-Jährige wird zum Psychologen: "Ich habe mit jedem Spieler gesprochen, ihn gefragt, ob er weiß, worum es für den Verein geht. Ich werde ein Team aufbieten, das nach der Partie die dreckigsten Trikots der Vereinsgeschichte tragen wird. Es geht ums sportliche Überleben" - also darum, den freien Fall in die Landesliga zu verhindern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen