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Lokaler Sport

11. Dezember 2017 | 16:47 Uhr

Einmal Auflaufkind sein

vom

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 03:59 Uhr

War es eigentlich je anders? Ich kann mich nämlich überhaupt nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal im Fernsehen ein Fußballspiel sah, bei dem keine Auflaufkinder mit aufs Feld liefen.

Um es vorwegzunehmen und philisterhafte Empörung aller Eltern zumindest ansatzweise abzuwehren: Ja, natürlich ist es eine tolle Sache für so ein Kind an der Hand von einem Bayern-Spieler, Mario Götze (selbst noch fast ein Kind) oder diesem Holländer, dem die Frau weggelaufen ist, auf den Platz zu dackeln und dort für nicht einmal 30 Sekunden zu verweilen, bevor alle hektisch und mit deutlichen Worten wieder von Platz gescheucht werden. Auch ich hätte es toll gefunden, in den frühen 80er-Jahren einen richtigen Fußballer auf den Platz zu begleiten.

Ganz ehrlich gesagt, würde ich auch heute noch an der Hand eines Bundesligaspielers auf den Platz laufen, der dann wahrscheinlich gerade mal halb so alt wie ich wäre und wohl auch noch einen halben Kopf kleiner. Das wäre in dem Moment dann eine einmalige Gelegenheit selbst auf dem Spielfeld zu bleiben und den eigentlichen Spieler mit den anderen Gören vom Platz zu jagen. Aber das sind nur die aberwitzigen Träume eines alternden Kreisklassenfußballers. Wahrscheinlich würde ich eh zur zweiten Halbzeit ausgewechselt werden.

Einmal Auflaufkind sein! Oder heißt es Einlaufkind? Egal, hört sich beides dämlich an. Auffällig ist, dass es pro Kinderteam immer mindestens ein Knirps dazwischen ist, der sich durch seine ihm eigene Physis deutlich von den anderen unterscheidet. Fast immer ist ein Quotenmops mit dabei, der x-beinig und plattfüßig auf den Platz schnauft. Das Trikot stramm über den deutlichen Bauch in die enge Hose geproppt, aus der zwei ferkelrosige Oberschinken herausquellen. Spielt so einer wirklich Fußball und wenn ja, ist das die Renaissance des Vorstoppers?

Ein wirklicher Running Gag ist es schon fast, wenn der kleinste Profi das vermeintlich größte Kind beim Auflaufen an die Hand bekommt. Thomas Häßler, selbst nur etwa knapp eineinhalb Meter groß, soll sich ja angeblich mal beschwert haben, dass er bei der Nationalhymne nichts sehen konnte, weil ein Achtjähriger ihm die Sicht versperrt hat. Nun, sie hätten ja Plätze tauschen können.

Ja, das sind schon niedliche Szenen, wenn so ein kleiner Bubi selig vor Glück an der Hand eines Fußballers hängt und dieser diesen Moment innig mit ihm teilt und erst mal satt auf den Platz rotzt. Ein Traum!

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