"Die Jungs sind für mich wie meine Kinder"

Alles im Blick: Ketterer ist immer dicht am Team, kümmert sich  um das Wohl der Spieler.
Alles im Blick: Ketterer ist immer dicht am Team, kümmert sich um das Wohl der Spieler.

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02. Januar 2013, 01:14 Uhr

Pinneberg | Sie sind mittendrin, statt nur dabei, sind in ihren Vereinen die vielzitierten "Mädchen für alles" - Ansprechpartner, Freunde der Spieler, Berater, Helfer, Medizinmänner. Die ehrenamtlichen Betreuer der drei hiesigen Oberligisten VfL Pinneberg, SV Halstenbek-Rellingen und SV Rugenbergen begleiten ihre Mannschaften über das ganze Jahr, stehen unmittelbar am Spielfeldrand, lauschen in der Kabine den Ansprachen der Trainer. Kurzum: Ihnen entgeht nichts. Grund genug für unsere Zeitung, die Betreuer in einer dreiteiligen Serie auf die Hinrunde der Saison 2012/13 zurückblicken zu lassen. Heute der erste Teil: Willy Ketterer vom VfL Pinneberg.

Herr Ketterer, Sie kümmern sich beim VfL um die Reinigung der Trikots, um die Sauberkeit in der Kabine, um die Schiedsrichter, die Bälle, die Spieler und um deren Fußballschuhe. Ist der Begriff Betreuer da überhaupt angebracht oder greift er bei Ihrem vielseitigen Aufgabengebiet einfach zu kurz? Willy Ketterer: Ehrlich gesagt ist mir meine Bezeichnung nicht so wichtig. Man kann mich Betreuer, Berater oder meinetwegen auch "Mädchen für alles" nennen. Nur der Begriff "Zeugwart" passt mir nicht so recht, da ich mehr mache, als nur die Trikots in der Kabine aufzuhängen. Aber am liebsten ist es mir, wenn man mich einfach nur Willy nennt (lacht). Umschreiben Sie doch bitte einmal selbst Ihre Tätigkeit beim VfL Pinneberg. Ketterer: Ich mache eigentlich alles. Ich sorge dafür, dass die Kabine sauber ist und vor dem Spiel die Trikots der Spieler gewaschen an ihrem Platz hängen. Ich bereite für die Spieler ihre isotonischen Getränke vor, jeder bekommt seine ganz spezielle Mischung mit Mineralien und jeweiliger Geschmacksrichtung. Darüber hinaus repariere ich ihre Schuhe und bin auch mal Ansprechpartner und Berater der Spieler, wenn sie einen Ratschlag brauchen. Gab es in der zurückliegenden Hinserie einen Fall, bei dem ein VfL-Akteur Ihren Rat brauchte und wenn ja, welcher war das? Ketterer: Solche Fälle gab es in der Hinserie des Öfteren. Die VfL-Jungs sind fast wie Kinder für mich. Tugay Hayran zum Beispiel kommt nach jedem seiner Tore zu mir gelaufen und ich umarme ihn dann. Er ist unser Spielmacher und muss hin und wieder mal "bemuttert" werden, er braucht seine Streicheleinheiten, dafür bin ich dann zuständig (lacht). Manchmal musste ich unsere jungen Spieler in der Hinserie aber auch ermahnen. Thomas Koster etwa. Als der in einem Hinrundenspiel einmal von unserem Trainer Michael Fischer von der Seitenlinie aus lautstark zurechtgewiesen wurde, da schnauzte er zurück. Da habe ich Thomas in der Halbzeitpause zur Seite genommen und ihm gesagt, dass er das nicht machen kann. Denn: Wenn der Trainer etwas sagt, hat er Recht, das muss man als junger Spieler dann einfach mal akzeptieren. Punkt. Das war schon zu meiner aktiven Zeit beim SC Victoria oder bei Weiß-Blau 63 so. Und dann gab es in der Hinrunde natürlich auch Momente, in denen die Spieler aufgemuntert werden mussten. Dann haben die Spieler nach der 3:4-Derbyniederlage am 16. Spieltag bei der SV Halstenbek-Rellingen doch sicher besonders viel Aufmunterung gebraucht, oder? Ketterer: Natürlich. Wir waren vor allem deshalb so enttäuscht, weil wir nach einer schlechten ersten Halbzeit in Durchgang zwei ja richtig gut waren und fast noch den Ausgleich erzielt hätten. Ich habe mich an der Seitenlinie furchtbar darüber geärgert. Sie wirken äußerlich immer ruhig und ausgeglichen. Man traut es Ihnen gar nicht zu, dass Sie bei einer Derby-Niederlage mal so richtig aus der Haut fahren können. Ketterer (lacht): Meine Frau sorgt schon dafür, dass ich mich benehme. Aber mal im Ernst: Äußerlich wirke ich vielleicht ruhig, aber innerlich brodelt es dann schon in mir. Ich muss aber zu den Derbys gegen HR sagen, dass ich die Rivalität nicht so hochschaukeln möchte. Klar ist im Spiel Feuer drin, aber mal gewinnen wir und mal HR. Und in der Hinrunde war HR eben insgesamt besser als wir. Das muss man auch mal neidlos anerkennen können. HR-Manager Detlef Kebbe, der mich vor 18 Jahren als Manager des VfL von der zweiten in die erste Mannschaft hochzog, macht dort wirklich eine gute Arbeit, ebenso wie das Trainerteam. Der VfL ist nach der Hinserie Elfter, liegt hinter den Erwartungen zurück. Es gab fünf Siege und sechs Niederlagen. Was waren aus Ihrer Sicht die schönsten und auch die bittersten Momente? Ketterer: Schön waren natürlich die Siege, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte, wie etwa das 2:1 am 12. Spieltag zuhause gegen Schnelsen, wo wir Außenseiter waren. Oder auch das 1:0 beim SC Condor, wo unser Torwart "Steeni" (Stefan Steen, d. Red.) über sich hinauswuchs. Bitter waren hingegen Niederlagen gegen Teams, die in der Tabelle unter uns standen, wie etwa das 1:2 zuhause gegen den SC Vier- und Marschlande (18. Spieltag, d. Red.). Besonders geärgert hat mich auch das 2:2 im Oktober beim Tabellenletzten Bergedorf. Da hatten wir bereits mit 2:0 geführt und dann waren wir zu überheblich und unkonzentriert. Das hatten wir uns selbst zuzuschreiben. Anders als etwa das 0:1 in Norderstedt am 3. Spieltag. Dort hatten wir richtig gut gespielt, in der 90. Minute das Siegtor auf dem Fuß und in der 94. Minute das 0:1 kassiert. Da dachte ich, ich falle noch vom Glauben ab. Woran liegt es, dass es beim VfL in der Hinrunde durchwachsen lief? Ketterer: Unser Hauptproblem ist der Torabschluss gewesen. Wir wollten es oft zu schön machen. Mir kam es so vor, als ob die Spieler den Ball so manches Mal gern ins Tor getragen hätten. Dann wurde nochmal quer gespielt und nochmal - bis die Chance vertan war. Auch wenn viele es nicht mehr hören können, sage ich es nochmal: Ein echter Knipser wie Thorben Reibe (wechselte vor der Saison nach Elmshorn, d. Red.) fehlt uns derzeit und ich selber werde bestimmt nicht mehr die Schuhe schnüren, zumal ich in meiner aktiven Zeit als Libero spielte und in der Jugend gegen Stürmer wie den späteren HSV-Star Uwe Seeler antrat - also mehr fürs Tore verhindern, denn fürs Tore schießen verantwortlich war (lacht). Welcher VfL-Spieler hat in der Hinrunde die positivste Entwicklung genommen? Ketterer: Aus meiner Sicht waren das zwei Spieler: Jan Eggers und Can Ünlü. Can ist ja vor der Saison zu uns gekommen und wir hatten von Beginn an einen guten Draht zueinander. Leider ist er jetzt schon wieder weg, da er in Bremen studiert. Jan ist ein anderer Typ, einer, der manchmal einen Tritt in den Hintern braucht, aber ein guter Fußballer. Er ist auf dem Platz positiv verrückt, macht auch schon mal das Unerwartete wie etwa der legendäre VfL-Stürmer Frank Rückert vor zehn Jahren. Wenn Jan diszipliniert bleibt, kann er ein guter Oberligaspieler werden. Was wünschen Sie sich für die Rückrunde? Ketterer: Dass ich so oft wie möglich eine Tüte Haribos für die Truppe spendieren kann (lacht). Das müssen Sie uns jetzt einmal genauer erklären . . . Ketterer: Es ist bei uns Tradition, dass ich nach einem Sieg der Mannschaft für alle Süßigkeiten parat halte. Die gibt es aber nur, wenn wir gewinnen. Es liegen von der Hinrunde also noch einige Packungen bereit, die ich leider nicht verteilen konnte. Aber die werden ja Gott sei Dank nicht so schnell schlecht . . .

Im nächsten Teil unserer Serie lesen Sie: Den Hinrunden-Rückblick von Thomas Berg (SV HR).

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