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SO sehen die Handballer im Norden das EM-Duell : Deutschland oder Dänemark – wer drückt wem die Daumen ?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor dem entscheidenden Spiel bei der Handball-Europameisterschaft am Mittwoch haben wir uns bei den Vereinen der dänischen Minderheit und bei in Deutschland spielenden Dänen umgehört.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Das große Spiel steht bevor. Am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) stehen sich die Handballer von Deutschland und Dänemark im letzten Hauptrundenspiel der Europameisterschaft in Polen gegenüber. Die Spannung ist groß – wer schafft es ins Halbfinale? Vor dem Duell haben wir uns bei den Vereinen der dänischen Minderheit im Norden umgehört.

„Mein Herz schlägt ganz klar für die Deutschen. Die junge Mannschaft hat bisher ein ganz tolles Turnier gespielt“, sagt Thomas Staack, 2. Vorsitzender von Schleswig IF – ein Verein mit Aktiven, denen man eine gewisse Affinität zum Handball im Land nördlich der Grenze nicht absprechen kann.

Da ist zum Beispiel Michelle Lübker, Spielmacherin beim SH-Ligisten. „Also bisher hab’ ich immer den Dänen die Daumen gedrückt, weil die die stärkere Mannschaft sind. Aber mittlerweile würde ich es den Deutschen gönnen“, sagt die 21-Jährige, die in Hadersleben auf Lehramt Dänisch und Sport studiert. „Also, wenn Dänemark gewinnt, ist das okay, aber ich bin auch nicht traurig, wenn Dänemark verliert“, sagt Lübker, die die Spiele der dänischen Mannschaft im Internet verfolgt hat.

Als größeren Dänemark-Fan vermutet die Tochter des SIF-Vorsitzenden Jan Lübker ihre Mitspielerin Ulrike Barten. Die Torhüterin arbeitet an der Uni in Odense. „Die ist ganz klar für Dänemark, davon sollte man ausgehen“, sagt Lübker.

Bei ihrem Trainer Timo Piontek hat die deutsche Nationalmannschaft mit ihrer Spielweise viele Sympathien gewonnen. „Früher hat mich der deutsche Handball nicht so überzeugt. Jetzt ist er mehr taktischer und variantenreicher, so wie früher die Dänen gespielt haben“, erklärt Piontek, der von dem Spiel der Dänen bisher nicht gerade angetan war. Aber der Tipp von Piontek, der sich selbst als „Nicht-Ur-Dänen“ bezeichnet, geht dann doch in Richtung der Mannschaft mit dem dänischen Quintett (Lauge, Eggert, Möller, Svan, Toft Hansen) der SG Flensburg-Handewitt. „Nachdem Weinhold und Dissinger ausfallen und weil Dänemark Spanien geschlagen hat, wird Dänemark gewinnen. Ohne die beiden Verletzten würde mein Tipp anders lauten.“

Als „50:50“ schätzt Thomas Möller, Trainer der Landesliga-Frauen von Stern Flensburg, die Sympathie-Verteilung in seiner Mannschaft ein. „Ich hab’ einige dänische Lehrerinnen im Team, die werden für Dänemark sein“, sagt er. Möller selbst drückt eher der deutschen Mannschaft die Daumen, schätzt die Chance auf ein Weiterkommen aber als ziemlich gering ein. „Die Ausfälle treffen die Deutschen richtig hart, das Weiterkommen ist wohl nicht machbar“, prophezeit er.

Eine salomonische Lösung wünscht sich Kay Alexander Jessen, Trainer der zweiten Herren von HKUF Harrislee: „Wir sind alle dafür, dass beide Mannschaften weiterkommen. Ein „echter“ Däne steht im 17 Mann umfassenden Kader, die anderen Spieler zählen sich zur dänischen Minderheit. Die Sympathien sind verteilt, schätzt der Coach der „Unabsteigbaren“ – unter der Kreisklasse gibt’s nichts mehr... Jessen selbst drückt der deutschen Mannschaft die Daumen, tippt aber auf ein 31:28 für Dänemark.

„Ich rechne mit einem Sieg mit vier Toren. Die individuelle Klasse wird das Spiel entscheiden“, sagt Lasse Johannsen, Mittelmann beim Drittligisten DHK Flensburg, mit Handball-Sachverstand, möglicherweise auch mit Insider-Wissen – Vater Kai ist als Betreuer der dänischen Mannschaft in Polen. Jesper Nøddesbo ist für ihn die Überraschung im Turnier. „Er hat vorher nie Abwehr gespielt und ist nun eine feste Bank im Abwehrzentrum.“

Das gesamte DHK-Team wird sich heute vor dem Training das Spiel ansehen. „Die Mehrheit drückt der deutschen Mannschaft die Daumen“, sagt Marc Blockus, der sich von der Begeisterung um die deutsche Mannschaft hat anstecken lassen. „Das Team ist zu einer richtigen Turniermannschaft gereift und nach anfänglicher Pleite immer stärker geworden. Die gute Arbeit von Trainer Sigurdsson wird sichtbar“, sagt der DHK-Rückraumspieler, für den Torwart Andreas Wolff und Rechtsaußen Tobias Reichmann zu den großen Überraschungen des Turniers zählen. „Deutschland hat das Team der Zukunft. Die Durststrecke scheint nach vielen erfolglosen Jahren beendet, hoffentlich schon bei dieser EM.“

Martin Boyschau ist Däne, spielt für die HSG Nord-NF in der Landesliga. „Mein Herz schlägt für Dänemark, und ich hoffe, dass wir den Titel holen können“, sagt der 18-Jährige. Aber er hat einen guten Vorschlag: „Ich hoffe, dass Deutsche und Dänen unentschieden spielen, so dass beide ins Halbfinale kommen – und im Finale wieder gegeneinander spielen.“ Dann ist es allerdings vorbei mit der Ausgewogenheit: „Da sollte Dänemark natürlich gewinnen, so dass wir Dänen glücklich zum Training gehen können.

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