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22. Oktober 2017 | 23:57 Uhr

Der VfL zieht einen Schlussstrich

vom

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Durchatmen, es ist geschafft. Alle Nachholspiele, die die Konsequenz des langen Winters waren, sind absolviert, alle Entscheidungen gefallen. Die Fußball-Oberligasaison 2012/13 ist beendet. Mit unterschiedlichen Gefühlen blicken die drei Teams aus dem Kreis auf die Spielzeit zurück: Während man sich in Halstenbek-Rellingen in der Spitzengruppe der Oberliga etablieren und in Rugenbergen einen Achtungserfolg feiern konnte, schnauft man in Pinneberg mächtig durch.

VfL Pinneberg

Erst floss die eine oder andere Träne, später das Bier. Nach dem 1:1 am letzten Spieltag beim Meister FC Elmshorn, das den Fußballern des VfL Pinneberg zum Erhalt der Klasse reichte, lagen sich Trainer Michael Fischer und Manager Manfred Kirsch in den Armen. An beiden gestandenen Amateurfußballern ging diese nervenaufreibende Rückserie nicht spurlos vorüber. Interne Unruhen, unvorhergesehene Spielerabgänge (etwa Keeper Stefan Steen, Dennis Lünstäden, Can Ünlü), geplatzte Transfers (Onur Bektas), die meisten Nachholspiele aller Oberligisten, Pech und eine Niederlagenserie sorgten für Aufregung.

"Nach dem 1:2 im drittletzten Spiel der Saison zuhause gegen Norderstedt ging mir der Arsch mächtig auf Grundeis", gibt Kirsch rückblickend unumwunden zu. Vor dem vorletzten Spiel beim Mitkonkurrenten um den Oberligaverbleib, dem USC Paloma (1:0), hatte er sich deshalb mit Konrad Kosmalla (Vize des Fußballvorstandes) zusammengesetzt, um das Horrorszenario zumindest durchzuspielen: Was wäre wenn die Erste in die Landesliga absteigt, in die die VfL-Zweite (Bezirksliga-Meister) einige Tage zuvor gerade aufgestiegen war? Ein Team abmelden? "Das wurde zumindest diskutiert, wir wären auf jeden Fall nicht mit zwei Mannschaften in der Landesliga angetreten", so Kirsch heute.

Auch über den Trainer wurde zu Beginn der Rückrunde diskutiert. Einige Spieler hatten sich im Winter an den Fußballvorstand gewandt und offen die Entlassnung Fischers gefordert. Nicht alle kamen mit der emotionalen, zum Teil aufbrausenden Art des Coaches klar, der dafür bekannt ist, Dinge, die ihm nicht passen, unverblümt anzusprechen. "Der Mannschaftsrat wollte, dass Fischer geht, wir haben uns dann zusammengesetzt und nach zweieinhalb Stunden Diskussionszeit dafür entschieden, dem Trainer den Rücken zu stärken - mit allen Konsequenzen", erklärt Kirsch. Das Vertrauen zahlte sich am Ende aus, auch wenn der VfL dem Abstieg nur knapp entging (der Sieg bei Paloma war entscheidend) und die finale Rettung nicht über eine zum Teil desolate Rückrunde hinwegtäuschen kann.

Bereits nach dem emotionalen Saisonfinale in Elmshorn gab Fischer zu: "Rückblickend muss ich sagen, dass auch ich Fehler im Umgang mit den Spielern gemacht und nicht alles, was ich entschieden habe, heute genau so wieder entscheiden würde. Ich habe meine Lehren gezogen." Doch nicht nur das, Fischer zieht nun auch einen Schlussstrich: "Die Saison ist abgehakt. Einige gehen mit uns den Weg weiter, andere nicht."

Den Weg des VfL nicht mehr mit gehen bekanntlich die Spieler Jan Eggers, Nikola Maksimovic (beide zu HR), Serge Haag (Union Tornesch), Gianluca DAgata (SV Blankenese), Jannik Swennosen (Blau-Weiß 96 Schenefeld), Tugay Hayran (TBS Pinneberg) sowie Ömür Kaplan (vermutlich HEBC), Sascha Dittrich, Sonay Hayran, Pablo Moreira und Diego Ballester Martinez (Ziele unbekannt).

Dafür kommen Tim Vollmer, Artur Frost, Christian Dirksen und Daniel Brehmer (alle SV Rugenbergen), Benjamin Brameier (Niendorfer TSV), Torwart Tim Brüggemann (Bramfeld), Steffen Maaß (FC Elmshorn), Mikail Pekdemir (vereinslos, zuletzt TSV Uetersen), Sascha Richert (HR) sowie Daniel Zass (Blankenese), Martin Staegemann und Christian Koster (beide eigene Zweite).

Ein Komplett-Umbruch, an dem Kirsch im Hintergrund fleißig arbeitete - parallel zu all dem Abstiegsstress.

SV Halstenb.-Rellingen

Mit Abstiegsstress hatte HR-Trainer Thomas Bliemeister aufgrund einer starken Hinserie seines Teams nichts am Hut. Wer hätte das nach dem Saisonauftakt (0:4 gegen Elmshorn und 1:4 in Rugenbergen in den ersten beiden Partien) gedacht? Nach anfänglichen Unruhen (Co-Trainer Stefan Dähling ging nach Meinungsverschiedenheiten, Torhüter Maximilian Rohrbach sprang kurzfristig ab), brauchte das neu zusammengestellte Team ein paar Wochen Anlauf, um richtig durchzustarten.

Plötzlich waren nicht nur beachtliche Ergebnisse da (3:2 gegen Curslack-Neuengamme, 4:3 im Derby über Pinneberg), sondern auch die Art und Weise des Fußballs, den HR spielte, überzeugte. Die zuvor zumeist als reine "Kampftruppe vom Lütten Hall" verschriene Elf, ließ Ball und Gegner gekonnt laufen - zum einen ein Verdienst von Bliemeister und Manager Kebbe, die spielstarke Neuzugänge wie Mladen Tunjic und Jaques Rodrigues ins Team integrierten, zum anderen von Ex-Profi Vahid Hashemian, der als Mitglied des Trainerteams seine Taktikkenntnisse aus zahlreichen DFB-Lehrgängen an die Spieler weitergab. Routinier Claus Reitmaier im Tor (hielt so manchen Sieg fest) und alteingesessene Akteure wie Robert Hermanowicz rundeten das Bild ab - Platz sieben, HR hat sich in der Spitzengruppe der Liga etabliert.

SV Rugenbergen

"Wir haben während der gesamten Saison nicht einmal auf einem Abstiegsplatz gestanden", lobt SVR-Trainer Ralf Palapies sein Team zu Recht nach einer respektablen Saisonleistung. Platz zehn, Rugenbergen überzeugte mit einer gesunden Mischung aus jungen Wilden (Diaz-Brüder, Pascal Haase, Worthmann) und gestandenen Oberliga-Routiniers (Jurkschat, von Bastian, Melich). Auch die zwischenzeitige Unruhe, hervorgerufen durch den Abgang des Quartetts Vollmer, Dirksen, Brehmer, Frost, das Differenzen mit Palapies hatte, konnte den souveränen Klassenerhalt ebenso wenig gefährden, wie der zwischenzeitige Abgang von Teammanager Frank Ockens. Rugenbergen hat ein schlüssiges Konzept, einen guten Junioren-Unterbau und ist im dritten Jahr nach dem Aufstieg im Hamburger Oberhaus endgültig angekommen.

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