zur Navigation springen
Lokaler Sport

21. Oktober 2017 | 16:43 Uhr

"Der Junge ist echt eine Bombe"

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Borstel-Hohenraden | Nein, ein Leben ohne Sport kann sich Felix Freitag nicht vorstellen. Vor allem der 15-Jährige aus Borstel ist Sportler mit Leib und Seele. Der Handball hat es ihm angetan. Ob als Kreisläufer in der B-Jugend der HSG Pinnau oder als Bestandteil des Betreuerstabs des HSV Hamburg. Felix Freitag gibt immer alles.

Dass ein 15-Jähriger zum Team eines Bundesligisten gehört, ist schon etwas ungewöhnlich. Es klärt sich dann aber schnell auf, wenn man einen Blick auf die Verwandtschaft wirft. Papa Michael ist der offizielle Team-Fotograf des HSV Hamburg und "schuld" am Job seines Sohnes. Handball ist dabei sogar schon die zweite Sportart, zu der Felix Freitag dank seines Vaters intensiven Kontakt hat. Angefangen hat alles mit American Football.

Als im Jahr 2005 das Profi-Team der Hamburg Sea Devils in der Europa-Liga der NFL spielte, war Freitags Patenonkel Thomas Bothstede dort Pressesprecher. "Der hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, als Tee-Boy aufzulaufen", erinnert sich Felix. Der Borsteler hatte und holte fortan das Tee (den Aufsatz, auf dem der Ball zum Anstoß platziert wird) vom Feld, während sein Vater für die besten Bilder des Teams sorgte. Nach der Auflösung der Sea Devils 2007 wechselten Bothstede und Michael Freitag, die sich aus gemeinsamen Fußball-Zeiten kennen, zu den Handballern. Und während der Patenonkel mittlerweile für die Pressearbeit der Eishockey-Spieler der Hamburg Freezers sorgt, blieben die Freitags beim HSV. Die Liebe zum American Football aber ist geblieben. Felix Herz schlägt in erster Linie für die Tampa Bay Buccaneers und dann - mit etwas Abstand - für die Dallas Cowboys.

"Mein Vater hatte mich mit zum Training der Handballer genommen", sagt der Neuntklässler der Quickborner Comenius-Schule. Schnell machte er sich nützlich, erledigte kleine Arbeiten. Mittlerweile geht er Betreuer Mirko Großer und Physiotherapeutin Jenny Köster zur Hand. Der Medizinkoffer wird aufgefüllt, die Getränke für die Spieler abgefüllt. Die Spiele verfolgt er in der Players Box hinter der Auswechselbank. Bei den Heimspielen ist er immer dabei, auswärts nur dann, wenn sich die Termine nicht mit den Pflichten in der Schule überschneiden. Felix feiert bei Siegen, leidet bei Niederlagen wie zuletzt dem 26:31 gegen den TuS N-Lübbecke - und Abschieden. "Es tut schon weh, wenn Spieler den Verein verlassen."

Felix Freitag ist ein fester Bestandteil der Mannschaft hinter der Mannschaft - und bekam vom Team auch schnell seinen Spitznamen. Papa Michael ist wegen des Familiennamens "Friday" und aus Felix wurde "Tuesday", Dienstag. "Daran sind Pascal Hens und Hans Lindberg schuld", sagt Felix. "Die meinten, der Dienstag sei der kleine Freitag."

Auch der eigene Weg zum Handball wurde durch die HSVer geebnet. Als Fußballer klappte es nicht so gut. Also versuchte er sich als Ballwerfer. Die Kreisläufer-Position brachte ihm Dmitri Torgovanov näher, der von 2007 bis 2009 das HSV-Trikot trug. "Von ihm habe ich viel gelernt." Mit der B-Jugend der HSG Pinnau belegte er in der abgelaufenen Saison den achten Platz in der Hamburg-Liga. Überhaupt haben es ihm die Riesen am Kreis angetan. Aus dem aktuellen Kader kommt er sehr gut mit dem Schweden Andreas Nilsson klar. Einen ausgemachten Lieblingsspieler hat "Tuesday" aber nicht.

"Die ganze Mannschaft ist wie eine Familie." Der 15-Jährige wird von den Spielern voll akzeptiert. Er weiß, wie er mit ihnen umgehen muss. Wann sie Zeit für einen Scherz haben oder wann sie ihre Ruhe brauchen. Für HSV-Kapitän Pascal Hens ist klar: "Der Junge ist eine echte Bombe, ein Super-Typ. Felix versucht immer, für uns da zu sein. Wir sind froh, dass wir ihn haben."

Für den Abschluss der Saison hat der 15-Jährige, der später gern Physiotherapeut werden möchte, eine Hoffnung. Den Sieg in der Champions League. Noch ist nicht klar, ob Felix Freitag am ersten Juni-Wochenende in der Köln-Arena mit zum Betreuerstab des HSV gehören kann. Die Anzahl der Akkreditierungen ist beschränkt. Sollte es nicht klappen, wäre es auch egal: "Dann drücke ich eben vor dem Fernseher die Daumen." Ein echter Sportler eben. Mit Leib und Seele.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen