zur Navigation springen
Lokaler Sport

23. August 2017 | 10:29 Uhr

"Auch ich war von Sabine überrascht"

vom

Halstenbek | Im Juli begeisterte sie eine ganze Nation. Nicht nur ausgewiesene Tennisfans waren von Sabine Lisickis Auftritten in Wimbledon begeistert. Nach ihrem Achtelfinalerfolg gegen Serena Williams und ihrem Einzug ins Finale des berühmtesten Tennis-Turniers der Welt, ist es um Lisicki stiller geworden. Während der aufregenden Wochen Lisickis in Großbritannien war auch ein Kreis-Pinneberger stets an ihrer Seite und erlebte den Finaleinzug mit - der Japaner Takamitsu Hamaura (Spitzname "Taka"), der als Tennistrainer in Pinneberg arbeitet und in Halstenbek wohnt.

"Taka" arbeitet für den Tennisartikelhersteller Yonex, dem Ausrüster von Lisicki, als Headscout und berät die 24-Jährige seit einigen Jahren. Im Interview schildert Hamaura seine Eindrücke an Lisickis Seite, verrät wie der Kontakt mit der Top-Spielerin zustande kam und erzählt von seiner Arbeit mit jungen Tennistalenten in Pinneberg. Herr Hamaura, wie war die Zeit in London und welche Eindrücke konnten Sie gewinnen? Wimbledon ist das wichtigste Turnier des Jahres und eine der größten Sportveranstaltungen der Welt. In der Tenniswelt ist es wichtig, alleine schon wegen seiner Geschichte. Ich erwartete ein gutes Ergebnis von Sabine, da sie vorher schon eine gute Saison gespielt hat. Natürlich war es für mich, ebenso wie für die meisten Tennisfans, eine große Überraschung, als sie dann im Achtelfinale Serena Williams besiegte.

Wo trafen Sie Lisicki das erste Mal und wie kam der Kontakt zustande? Ich traf Sabine das erste Mal als sie noch ein Teenager im Alter von 15 Jahren war. Das Treffen kam über den Yonex-Vertreter für Norddeutschland, Michael Loop, zustande. Nach einiger Zeit begann Sabine dann mit uns zu kooperieren und ging nach Amerika. Sie wechselte ihre Schlägermarke mehrmals, doch seit 2012 spielt sie wieder mit unseren Schlägern und meine Aufgabe ist es seitdem, sie in Fragen der Schlägerwahl zu beraten.

Was macht man als Headscout eines Tennis-Ausrüsters genau? Ich suche junge Tennisspieler, vor allem in Europa und Japan, die das Talent und den Willen haben, zu Topspielern zu werden und versuche, diese Talente von unseren Tennis-Produkten zu überzeugen. Ich bin außerdem für die Entwicklung und Verbesserung von Tennisschlägern zuständig.

Wie alt sind die Talente, wenn sie von Ihnen unter Vertrag genommen werden? Ich versuche die Jungen und Mädchen möglichst jung unter Vertrag zu kriegen. Der jüngste Spieler, der bei uns unter Vertrag steht, ist elf Jahre alt.

Wie unterstützen Sie Sabine Lisicki und die anderen Spieler, die mit ihnen zusammenarbeiten und wie profitiert Ihre Firma von den Spielern? Wir unterstützen die Spieler, indem wir ihnen natürlich das bestmögliche Equipment zur Verfügung stellen. Die Ausrüstung wird an jeden Spieler optimal individuell angepasst. Zudem unterstützen wir die Spieler auch finanziell. Ich persönlich unterstütze die Spieler, indem ich ihnen helfe, Kontakte zu knüpfen. Auf der anderen Seite helfen uns die Spieler, indem sie alles geben und mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen. Die Zuschauer sehen, dass da jemand wie Sabine Lisicki im Finale von Wimbledon steht und denken sich, die Frau spielt mit einem guten Schläger, diese Ausrüstung brauche ich auch, um mich zu verbessern. Insofern verbessern erfolgreiche Spieler auch unser Image.

Mit Lisicki reisen Sie um die Welt, aber Sie wohnen im beschaulichen Halstenbek. Was hat Sie in den Kreis Pinneberg verschlagen? Ich kam als ausgebildeter Tennistrainer nach Deutschland und wollte auch weiterhin als Trainer arbeiten. Dann traf ich Björn Meinecke, den ehemaligen Trainer eines Damenbundesligisten, der aus Pinneberg stammt und mir in Pinneberg erste Posten als Tenniscoach verschaffte. Wir sind noch heute befreundet und im Kontakt.

Was verbinden Sie noch mit dem Kreis Pinneberg? Ich wohne in Halstenbek, dort leben viele Japaner, was es mir einfach machte, mich einzugewöhnen. In all den Jahren, in denen ich eine Wohnung in Halstenbek besitze, war und ist Halstenbek ein schöner Ort gewesen. Pinneberg gefällt mir sehr. Ich habe zwar auch viele Angebote gehabt, in andere Städte zu ziehen, aber inzwischen ist es schwer für mich, diesen Ort zu verlassen.

Sie waren auch schon mit Tennistalenten aus Japan in Pinneberg. Ist dort eine weitere Zusammenarbeit geplant? Nein, im Moment nicht. Allerdings sehe ich, dass zunehmend mehr japanische Tennisspieler sich in ganz Deutschland niederlassen, was natürlich eine sehr positive Entwicklung ist, da Deutschland noch weitere Möglichkeiten für meine Landsleute bietet.

Wie ist es mit jungen Tennisspielern zu arbeiten, worauf muss man besonders achten? Als Scout verfolge ich natürlich die Ergebnisse meiner Schützlinge. Ich kontaktiere Personen, die ihnen weiterhelfen können und teile mit ihnen die Freude über Siege. Wenn sie verlieren, fühle ich mit ihnen. Ich helfe ihnen dann am Ball zu bleiben. Es ist extrem wichtig, den Talenten zu zeigen, dass sie in ihre Stärken vertrauen können. Ich versuche auch den Druck, der oft schon im Jugendalter sehr hoch ist, zu dämpfen und den Spielern zur Seite zu stehen. Insofern leiste ich auch viel emotionale Unterstützung.

Haben Sie selbst Tennis gespielt und wie verlief Ihre eigene Karriere? Ich begann Tennis zu spielen, da war ich zehn. Oft sah ich Tennis im Fernsehen und dachte, so gut sind die gar nicht, die kann ich schlagen, wenn ich härter trainiere, was sich aber im Endeffekt als falsch herausstellte (lacht). Nun helfe ich anderen, den Wunsch, den ich hatte zu verwirklichen und versuche, die besten Spieler zu finden. Meine eigene Karriere war nicht wirklich aufregend. Ich spielte in Japan für das Team meiner Universität, habe also leider nie bei den French Open oder in Wimbledon gespielt. Dies stellte sich als Vorteil in meinem Beruf als Scout und Trainer heraus, da es schwerer ist mit einer großen Karriere und einem großen Namen mit jungen Leuten zu arbeiten, da dann auch viel Druck auf dir lastet, denn jeder schaut auch auf dich.

Was denken Sie, wie geht es mit Sabine Lisicki weiter und was planen Sie für die Zukunft? Wenn Sabine in guter physischer Verfassung bleibt und sich nicht verletzt, wird sie auch in Zukunft gute Leistungen abliefern. Sie sollte konsequent so weiter arbeiten wie bisher. Und ich werde weiter nach neuen Tennistalenten in der ganzen Welt suchen und versuchen, sie unter Vertrag zu nehmen. Und wer weiß, vielleicht begleite ich auch einen von ihnen in ein paar Jahren nach Wimbledon, wie ich es mit Sabine machen durfte.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen