Bundesliga-Auftakt : Liga-Freude nach WM-Kater: Bayern-Rivalen werden mutig

Den Bayern mal zeigen wo der Hammer hängt: Trainer Julian Nagelsmann will mit 1899 Hoffenheim um den Titel mitspielen.  
Den Bayern mal zeigen wo der Hammer hängt: Trainer Julian Nagelsmann will mit 1899 Hoffenheim um den Titel mitspielen.  

Am Freitag beginnt die 56. Saison in der Fußball-Bundesliga. Bayern München ist wieder der große Favorit. Doch Rivalen wie Hoffenheim oder Leverkusen geben sich forsch. Ausgerechnet der vermeintlich größte Bayern-Rivale, Borussia Dortmund, hält sich derweil zurück.

shz.de von
22. August 2018, 15:10 Uhr

 Bundesliga-Fieber trotz WM-Katers: Mitten in der Aufarbeitung des DFB-Debakels beginnt am Freitag die 56. Saison in der Fußball-Bundesliga - und damit auch eine überraschend forsche Jagd auf Serienmeister FC Bayern München.

«Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel», sagte zum Beispiel Julian Nagelsmann, der mit dem Vorjahres-Dritten Hoffenheim Gegner der Bayern im Auftaktspiel ist. «Wir sind nicht der einzige Verein, der sich ambitionierte Ziele steckt. Am interessantesten ist die Liga, wenn es 17 Bayern-Jäger gibt», fügte der Coach hinzu.

Nachdem sie sich in den vergangenen sechs Jahren meist demütig hinter den Münchnern hergehechelt sind, machen drei Gründe den Rivalen neue Hoffnung: Die blamable WM von Weltmeister Deutschland mit großem Bayern-Kern, die Umstellung nach dem Trainerwechsel zu Niko Kovac und die Zurückhaltung der Münchner auf dem Transfermarkt - sie gaben nicht einen Cent für Ablöse aus.

Der Hunger des Rekordmeisters bleibt freilich groß. Auf die Frage, ob er nun zehn Meistertitel in Serie anstrebe, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic dem Magazin «Socrates»: «Ich will jedes Jahr Meister werden, strebe auch 20 oder 30 Meistertitel in Serie an.»

Aus München ist man solche markanten Sprüche gewohnt. Doch nun kommen sie auch aus anderen Ecken. Und Nagelsmann hat seinen Optimismus offenbar auf die Spieler übertragen. «Du musst hoffen, dass die Bayern mal schwächeln und dann da sein - das ist die große Kunst», sagte Neuzugang Leonardo Bittencourt der «Sport Bild».

Nagelsmanns Meister-Tipp lautet derweil Bayer Leverkusen. «Das geht runter wie Bier», sagte Bayer-Torhüter Lukas Hradecky bei Sport1 schmunzelnd: «Der Mann hat Ahnung.» Neuzugang Paulinho, der letztjährige Shootingstar Leon Bailey oder Nationalspieler Julian Brandt sprechen derweil offen von einem Titel. «Du musst nicht durch Leverkusen laufen und erzählen: "Ich werde Meister, hole Pokal und Europa League"», sagte Brandt im «Bild»-Interview: «Aber du kannst ruhig mal sagen dürfen: "Ich will das."»

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich wiederum setzt auf Borussia Dortmund als Meister: «Wer Witsel holt und einen Matthias Sammer in den Reihen hat, der intern den Spruch geprägt hat, "lieber tot als Zweiter", der hat sicher nicht die Absicht, Zweiter zu werden.»

Doch ausgerechnet der BVB, als Double-Sieger 2012 und Champions-League-Finalist 2013 eigentlich der potenzielle Bayern-Herausforderer Nummer eins, ist demütig geworden. Trotz des neuen Trainers Lucien Favre und den mit 73 Millionen höchsten Transferausgaben aller Clubs ist der Titel offiziell kein Thema. «Man lernt aus der Vergangenheit», erklärte Kapitän Marco Reus im «Kicker»: «Es bringt nach der hinter uns liegenden Up-and-down-Saison einfach nichts, Parolen zu schwingen und die Bayern herauszufordern.»

Auch Vizemeister Schalke bläst offiziell nicht zum Angriff auf die Bayern. RB Leipzig, im Vorjahr Sechster, will laut Geschäftsführer Oliver Mintzlaff mit ihnen «irgendwann einmal auf Tuchfühlung sein». Von einem Duell in diesem Jahr, in dem Sportchef Ralf Rangnick in Doppelfunktion als Trainer fungiert, spricht er nicht. Doch 2019 kommt Nagelsmann. Der mit den maximalen Zielen.

Der erste Krisenclub ist schon vor dem Saisonstart Eintracht Frankfurt. Nach dem 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern und dem Erstrunden-Aus des Pokal-Titelverteidigers steht auch der neue Trainer Adi Hütter schon unter Druck. Für die Aufsteiger 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf, beides Traditionsvereine, geht es nur um den Klassenerhalt.

Nach rund 600 Millionen im Vorjahr gaben die 18 Clubs auf dem Transfermarkt bisher nur 413 Millionen Euro für neue Spieler aus. Das Transferfenster ist aber noch bis zum 31. August offen. Angespannt bleibt das Verhältnis vieler Vereine sowie des DFB und der DFL zu den Fans. Der Zusammenschluss der Fanszenen in Deutschland kündigte den Dialog mit den Verbänden am Dienstag offiziell auf.

Weniger Diskussionsstoff soll der reformierte und bei der WM insgesamt gut funktionierende Videobeweis bieten. So sollen die Fans künftig auf den Leinwänden über Entscheidungen informiert werden. Als Ball-Lieferant feiert Derbystar ein Comeback nach 39 Jahren.

Die Vorfreude der Fans auf die Liga ist trotz des peinlichen Vorrunden-Aus des Weltmeisters bei der WM ungebrochen. Der Dauerkarten-Absatz blieb konstant hoch, die meisten Vereine mussten sogar Verkaufsstopps setzen.

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