Neuer AC-Mailand-Besitzer : Leipzig, Leverkusen und Co.: Wem gehören eigentlich die Bundesliga-Klubs?

Über die Beteiligung von Red Bull am Fußballverein RB Leipzig wird häufig diskutiert.
Über die Beteiligung von Red Bull am Fußballverein RB Leipzig wird häufig diskutiert.

Beim AC Mailand wechselt erneut der Besitzer. In Deutschland ist die Übernahme eines Clubs nicht ganz so einfach.

shz.de von
11. Juli 2018, 16:15 Uhr

Hamburg | Nach Italiens Ex-Präsident Silvio Berlusconi und dem chinesischen Geschäftsmann Li Yonghong hat der AC Mailand einen neuen Besitzer: Wie die staatliche italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch unter Berufung auf das Unternehmen des Milliardärs Paul Singer berichtete, löste der Hedgefonds Elliott Management den chinesischen Unternehmer Li Yonghong als Hauptaktionär ab. Li ließ nach Angaben von Elliott eine Frist zur Rückzahlung eines Darlehens verstreichen, das er bei dem US-Fonds für den Kauf der Milan-Aktien aufgenommen hatte. Elliott kündigte an, 50 Millionen Euro in den AC Mailand zu investieren, um die Finanzen des Clubs zu stabilisieren.

Diskussionen um 50+1

Auch in Deutschland wird immer wieder darüber diskutiert, ob und in welchem Ausmaß Investoren bei Fußball-Clubs einsteigen dürfen. Die sogenannte 50+1-Regel verhindert derzeit Komplettübernahmen von Vereinen durch externe Geldgeber. Das bedeutet, dass auch wenn Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert worden sind, die Stammvereine noch die Mehrheit der Stimmanteile besitzen müssen. Dadurch sollen die Vereine vor rein gewinnorientierten Investoren geschützt werden und ihre eigenen Interessen wahren. Der deutsche Fußball ist zwar der einzige, in dem es eine 50+1-Regel gibt, aber auch hier gibt es Ausnahmen: Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim und der VfL Wolfsburg.

Diese Ausnahmen können nur bewilligt werden, wenn derjenige, der mehr als 51 Prozent der Anteile übernehmen will, mehr als 20 Jahre den Fußballsport des Vereins ununterbrochen gefördert hat. Ob eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird, entscheidet das DFL-Präsidium. In ausländischen Ligen gibt es Beschränkungen wie die 50+1-Regel nicht. Vor allem in der englischen Liga ist durch ausländische Investoren viel mehr Geld im Umlauf.

Clubs stimmen für Beihaltung der 50+1-Regel

Noch im März stimmten die deutschen Proficlubs darüber ab, ob die 50+1-Regel weiter Bestand haben sollte. Von den 34 Vereinsvertretern stimmten 18 dafür, die Regel beizubehalten. Drei Vertreter beteiligten sich nicht an der Abstimmung, vier Vereine waren dagegen, neun Clubs enthielten sich.

Investoren sind aber trotzdem an anderen Bundesliga-Clubs, als den drei genannten, beteiligt. So sind bei der FC Bayern München AG die Adidas AG, die Audi AG sowie die Allianz SE zu je 8,33 Prozent beteiligt und auch stimmberechtigt. Bei Borussia Dortmund liegt die Stimmverteilung zu 100 Prozent beim Verein. Allerdings sind beispielsweise die Evonik AG mit 14,78 Prozent sowie Signal Iduna mit 5,43 Prozent an den Kapitalanteilen beteiligt.

Deutsche Vereine mit Ausnahmeregel

VfL Wolfsburg

 
dpa/Peter Steffen
 

2001 wurde die Lizenzspielerabteilung des VfL Wolfsburg ausgegliedert. Da die Volkswagen AG bereits seit mehr als 20 Jahren finanziell unterstützend agierte, konnte die Ausnahmeregelung angewendet werden. Zunächst hielt die Volkswagen AG 90 Prozent der Anteile, seit Dezember 2007 ist sie alleinige Gesellschafterin.

Bayer Leverkusen

 
dpa/Rolf Vennenbernd
 

Die Lizenspielerabteilung von Bayer 04 Leverkusen wurde 1999 ausgegliedert. Seit Beginn ist die Bayer AG die alleinige Gesellschafterin. Der Verein selbst entstand aus dem Betriebssportverein des Bayer-Konzerns und wurde 1904 gegründet.

TSG Hoffenheim

 
dpa/Uwe Anspach
 

Durch die finanziellen Unterstützungen von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp schaffte der Verein zwischen 1990 und 2008 den Aufstieg aus der Kreisliga A bis in die Bundesliga. Hopp hält derzeit rund 96 Prozent der Anteile. Der Milliardär spielte in seiner Jugend selbst für die TSG.

Unruhen um 50+1

RB Leipzig

Für einige Fußball-Fans ist RB Leipzig ein Retorten-Club, der durch massive Geldspritzen aufgebaut wurde und deswegen für Fußball-Romantiker nicht ins traditionelle Bild passt. Doch der Verein Leipzig hält aufgrund der 50+1-Regel mehr als 51 Prozent der Stimmanteile. Der Red Bull GmbH gehören 99 Prozent der Kapitalanteile.

Hannover 96

Hannover-96-Präsident Martin Kind.
dpa/Peter Steffen
Hannover-96-Präsident Martin Kind.

Der deutsche Unternehmer Martin Kind ist mit einjähriger Unterbrechung seit 1997 Präsident von Hannover 96. Er hatte im August 2017 einen Antrag an die DFL gestellt, die 50+1-Regel beim niedersächsischen Verein außer Kraft zu setzen. Er selbst wollte bei der Ausgliederung der Profi-Abteilung ebenfalls die Stimmenmehrheit übernehmen, da er den Verein mehr als 20 Jahre finanziell unterstützt habe. Kurz vor der Abstimmung legte er den Antrag allerdings vorerst auf Eis.

Hamburger SV

Spricht man von den Finanzen des Hamburger SV fällt häufig auch der Name Klaus-Michael Kühne. Der Unternehmer hat dem Verein seit Jahren Darlehen gegeben, unter anderem, um Spielerkäufe zu finanzieren. Derzeit hält er 20,57 Prozent der Anteile. Im Juni verkündete Kühne in einem Interview mit der "Sport Bild", dass er den HSV künftig nicht mehr finanziell unterstützen wolle.

Investoren außerhalb der Bundesliga

KFC Uerdingen

Seit 2015 ist der Russe Mikhail Ponomarev als Investor beim KFC Uerdingen eingestiegen. Mit ihm beschloss der Verein 2017 unter anderem die Ausgliederung in die KFC Uerdingen 05 GmbH. Ponomarev besitzt zwar jetzt als Gesellschafter 97,5 Prozent der Kapitalanteile, die mehrheitlichen Stimmanteile liegen allerdings aufgrund der 50+1-Regel weiterhin beim Verein.

Viktoria 1899 Berlin

Im Sommer 2018 schloss der Regionalligist Viktoria Köln eine langfristige Kooperation mit dem russischen Sportvermarkter ASU aus China ab. Dabei soll es angeblich um eine hohe zweistellige Millionensumme als Investition gehen. Damit die neue Partnerschaft umgesetzt werden kann, wurde Ende Juni auch die Ausgliederung des Spielbetriebs der 1. Herrenmannschaft in eine Kapitalgesellschaft beschlossen. "Zweck der Vereinbarung soll eine langfristige Kooperation sein, die die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins, insbesondere der 1. Herrenmannschaft, sicherstellt und dabei auch die Verfolgung höherer sportlicher Ziele ermöglicht", teilte der Verein mit.

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