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Weltweites Echo : Kniefall-Protest: «Hertha fordert Trump heraus»

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Hertha BSC kniet und trägt den Protest amerikanischer Sportler als erstes Team in die Bundesliga. Die Spieler wollen «Nachhilfe» im Kampf gegen Rassismus geben. Das weltweite Echo ist groß.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2017 | 17:43 Uhr

Nach ihrem Kniefall-Protest erhalten die Spieler von Hertha BSC ein weltweites Echo für ihre bemerkenswerte Aktion. Als erstes Bundesliga-Team schlossen sich die Berliner kollektiv dem Protest amerikanischer Athleten an und legten mit starken Worten gegen Rassismus nach.

«Auf Knien gegen den Rassismus, auch Hertha fordert Trump heraus», titelte die italienische Zeitung «La Stampa». «Die "Take a knee"-Bewegung hat den Atlantik überquert», schrieb die «Washington Post».

Vor dem Anpfiff beim 0:2 gegen den FC Schalke 04 knieten nicht nur die Profis auf dem Platz, sondern auch die Ersatzspieler, das Trainer-Team um Coach Pal Dardai und auch Geschäftsführer Michael Preetz. Die Idee habe das komplette Team gehabt, sagte Salomon Kalou anschließend. «Als Hertha kämpfen wir immer gegen Rassismus», betonte der Ivorer. «Dass wir uns hinknien, ist für uns ein Weg, dieses Verhalten zu bekämpfen. Es sollte nicht im Sport existieren. Nicht in der NFL und nicht im Fußball, in keinem Sport - Punkt. Wir können dabei ein gutes Beispiel abgeben.»

Vor gut einem Jahr hatte sich der Football-Profi Colin Kaepernick erstmals während der amerikanischen Hymne hingekniet, um so gegen Polizeigewalt und die Unterdrückung von Minderheiten in den USA zu protestieren. Zahlreiche US-Sportler folgten diesem Vorbild - und wurden dafür zuletzt mehrfach wüst von US-Präsident Donald Trump beschimpft.

«Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert, sondern im 21. Jahrhundert. Es gibt aber einige Leute, die ideologisch noch nicht so weit sind», erklärte der verletzte Innenverteidiger Sebastian Langkamp bei Sky ohne Bezug auf konkrete Personen. «Wenn wir da etwas Nachhilfe geben können, ist das doch gut.» Die Aktion komme vom Verein, sagte Dardai. Pressesprecher Marcus Jung erklärte, dass «die Mannschaft das so selbstverständlich umgesetzt hat, weil sie sagen: Wir sind eine große Sportgemeinschaft weltweit und wir wollen uns solidarisch zeigen.»

Als «großartige und wichtige Geste» bewertete die Deutsche Fußball Liga die Aktion über ihren Bundesliga-Twitteraccount. Auf die Frage, ob eine derartige Aktion auch vor einem WM-Spiel möglich sei, verwies der Weltverband FIFA lediglich auf seine Statuten, die Diskriminierung verurteilen und unter Strafe stellen.

Die Geste der Hertha-Profis sei angesichts der Trump-Politik sinnvoll, erklärte der Medienwissenschaftler Jo Groebel der «Heilbronner Stimme»: «Hier darf niemand schweigen, hier müssen auch deutsche Sportler ihre Solidarität mit den massiv denunzierten Athleten aus den USA zeigen.»

«Wir leben in Zeiten, in denen es wichtig ist, dass Fußballvereine, die extrem im Fokus stehen, sich positionieren», betonte Preetz nach Schlusspfiff die Vorbildrolle des Clubs. «Wir sind seit jeher gegen Diskriminierung jeder Art, gegen Rassismus. Wir sind Berlin, wir sind eine weltoffene Stadt und wir stehen für Vielfalt. Das wollte die Mannschaft, das wollten wir heute dokumentieren.»

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