WM-Debüt für EM-Sensation : Island will größten Erfolg noch größer machen

Die Isländer um Aron Gunnarsson (vorne) wollen bei der WM, wie schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren, für Furore sorgen.
Die Isländer um Aron Gunnarsson (vorne) wollen bei der WM, wie schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren, für Furore sorgen.

Bei der EM 2016 war Islands Geschichte ein Fußball-Märchen. Zwei Jahre später gibt das Land sein WM-Debüt.

shz.de von
15. Juni 2018, 12:24 Uhr

Glendschik | Das ärmellose Trainingsshirt erlaubt einen Blick auf den tätowierten muskulösen Oberarm. Mit Zopf und entschlossener Miene steht Rurík Gíslason am Trainingsplatz und erklärt das Selbstverständnis seines Landes: „Isländer sind Gewinner. Sie erwarten immer von uns, dass wir gewinnen. Die Erwartungen sind da. Und ich hoffe, dass wir die Wünsche erfüllen können." Das seit der EM 2016 bewunderte rhythmische „Huh" soll auch in Russland mit Enthusiasmus und möglichst oft vor der Fankurve geklatscht werden.

Keine Ausreden

Der Status als WM-Neuling zählt nicht als Ausrede bei Gíslasons stolzen Landsleuten. Seit dem sensationell guten EM-Debüt mit dem Sieg gegen England im Achtelfinale und dem Aus erst eine Runde später gegen Gastgeber Frankreich vor zwei Jahren sind die Erwartungen an das Team um die Deutschland-Profis Gíslason und Alfred Finnbogason massiv gestiegen. Dass es im ersten Spiel für Island bei einer Fußball-Weltmeisterschaft am Samstag (15 Uhr) gleich gegen Argentinien mit Lionel Messi geht und die Gruppe D mit Kroatien und Nigeria als weiteren Gegner eine der schwersten dieser WM ist? Geschenkt.

„Auf dem Papier haben sie das bessere Team. Aber wir haben schon gezeigt, dass wir gegen bessere Teams Ergebnisse erzielen können", sagte Flügelspieler Gíslason, der erst zu Wochenbeginn seinen Vertrag beim Zweitligisten SV Sandhausen bis 2020 verlängerte. Für ihn sind Spiele mit dem SVS und seinem Heimatland vergleichbar. „Wir sind jeweils eine kleine Mannschaft. Aber wenn wir 110 Prozent geben, dann können wir etwas erreichen."

Ziel: Gruppenphase überstehen

So wie bei der EM, als schon das Überstehen der Gruppenphase mit den Gegnern Ungarn, Portugal und Österreich eine große Überraschung war. Arnór Ingvi Traustason erzielte damals in der Nachspielzeit das 2:1 gegen die Österreicher und sorgte für einen Hit im Netz, weil Islands Kommentator völlig aus dem Häuschen geriet. Nie zuvor hatte das Land ein Spiel bei einer Endrunde im Fußball gewonnen. Ob er daran glaube wieder so ein historisches Tor schießen zu können? „Ja, klar", antwortete Traustason auf dem Trainingsplatz vor der letzten Einheit in Gelendschik und lachte.

Wie Augsburgs Finnbogason („Wir haben nichts zu verlieren. Die Südamerikaner aber haben immer viel Druck. Da ist sicher was möglich") denkt auch Traustason an einen Coup gleich zu Beginn. „Die wollen vermutlich einfach nur gewinnen und dann ans nächste Spiel denken", meinte er in Richtung Argentinien. „Es ist okay, wenn uns andere Länder unterschätzen. Das ist ein Vorteil für uns."

Das soll es nicht gewesen sein

Die goldene Generation um den Ex-Hoffenheimer Gylfi Thór Sigurdsson und Kapitän Aron Einar Gunnarsson, den bärtigen Anführer beim „Huh", hat schon mit der WM-Qualifikation als Gruppensieger vor Kroatien, der Türkei und der Ukraine Historisches erreicht. Gewesen sein soll es das aber nicht. „Das ist der größte Erfolg in der Fußball-Geschichte von Island. Wir wollen ihn noch größer machen", sagte Traustason.

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