Sport-Kolumne : Image-Verlust, Riesen-Verlust, Verlust-Ausgleich

Die Zeiten, als das deutsche Fußball-Volk von „unserer Nationalmannschaft“ gesprochen und geschwärmt hat, sind vorbei.
Die Zeiten, als das deutsche Fußball-Volk von „unserer Nationalmannschaft“ gesprochen und geschwärmt hat, sind vorbei.

In seiner Kolumne schreibt der stellvertretende Chefredakteur Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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11. Oktober 2020, 18:29 Uhr

Niedergang: Der Deutsche Fußball-Bund, der größte und einst wohl auch reichste Verband der Sportwelt, hat derzeit mehr Probleme als Trophäen im Schrank. Die Zeiten, als das deutsche Fußball-Volk von „unserer Nationalmannschaft“ gesprochen und geschwärmt hat, sind vorbei. Daran ändert auch der 2:1-Sieg der Löw-Elf in der unbedeutenden Nations League gegen die Ukraine nichts.

Die Gastgeber mussten in Kiew coronabedingt mit einer B-Mannschaft antreten und hätten der deutschen Auswahl, die wieder alle Stammakteure dabei hatte, fast ein Remis abgerungen. Es besteht also kein Grund zum Übermut, schon gar nicht zur Arroganz.

Was den Bundestrainer nicht anficht. Eine für die Steuerzahler wichtige Feststellung traf Jogi Löw nach dem Abpfiff: Er wisse, was er tue, sagte Löw und fügte hinzu, er stehe über den Dingen. Sein Arbeitgeber, der DFB, soll fast fünf Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Löw ist allerdings ausschließlich für das Sportliche zuständig und nicht für die Kassenführung. Auf beiden Gebieten gehört der DFB nicht mehr zu den führenden Nationen. Auf dem Spielfeld nicht – und in der Funktion als ordentlicher Kaufmann erst recht nicht. Aus Sicht des DFB ist zu befürchten, dass die steuerlichen Ermittlungen noch andere Mauscheleien zu Tage bringen könnten.

Währenddessen soll ein Teil der Nationalspieler am Montagabend in Günther Jauchs RTL-Quizsendung „Wer wird Millionär?“ Fragen beantworten. Zur Image-Verbesserung des DFB-Apparats, zu dem die Nationalelf gehört. Nationalspieler sind ja in der Regel vielfache Millionäre und kennen sich in diesem Glücksspiel gut aus. Allerdings kommt es auf die Schwere der Fragen an, ob die Shownummer gelingt.

Weiterlesen: DFB-Stars als Kandidaten bei Jauchs „Wer wird Millionär?“

Gejammer: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bittet um Mitleid. Der FC Bayern verzeichne bereits einen Verlust von 100 Millionen Euro, klagt der frühere Nationalspieler und heutige Nobel-Clubmanager. Verursacht durch Corona und die erforderlichen politischen Maßnahmen. Die Freundschaft mit Markus Söder scheint zum Erliegen gekommen zu sein, seitdem der bayerische Landeschef keine Fans mehr in die Arena lässt. Dafür zeigt Rummenigge nur wenig Verständnis. Als verdiene der Fußball noch eine weitaus größere Sonderbehandlung als es ohnehin schon praktiziert wird.

Auch befürchtet Rummenigge, dass die Fußball-Kultur den Bach hinuntergeht. Was heißt, dass irgendwann – wenn wieder Normalität einziehen sollte – die Stadien nicht mehr voll werden. Das ist gut möglich. Doch Schuld daran hat der Fußball selbst mit seiner abgehobenen Philosophie. Und: Wenn Wirtschaftsunternehmen Verluste machen, drehen sie an der Kostenschraube. Der Profifußball macht es bislang nicht oder kaum, wie die jüngste Einkaufspolitik zeigt.

Geld zurück: Beim HSV sind drei Millionen Euro mit drei Jahren Verspätung eingegangen. Ablöse für Verteidiger Cleber Reis, der von 2014 bis 2016 in Hamburg versagt hatte. Einer der vielen HSV-Fehleinkäufe. Cleber kehrte an der Mittellinie immer um. Was auch gut war, der Brasilianer verstand weder vorne noch hinten etwas von seinem Fach. Cleber wurde von Santos zum vierten Mal in drei Jahren verliehen. Er versagte auch bei Coritiba FC, bei Parana Clube und bei Oeste Futebol. Jetzt kickt er für Ponte Preta. Wohl auch nicht lange.

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