Trainerstreit : Hoeneß kontert Bobic: Große Bayern-Eintracht gegen Eintracht

Was für ein Nachspiel: Hoeneß und Rummenigge verteidigen gemeinsam das «sehr professionelle» Bayern-Vorgehen bei der vermeintlichen Blitz-Verpflichtung von Niko Kovac. Trainer und Mannschaft sind total auf die Gegenwart fixiert. «Wir wollen das Maximum dieses Jahr.»

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15. April 2018, 11:29 Uhr

Beschwingt vom nächsten Heimschützenfest ihres ebenfalls meisterlichen B-Teams traten Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zum großen Nachspiel an.

In demonstrativer Eintracht formierten sich die Bayern-Bosse nach dem 5:1 (2:1) gegen Borussia Mönchengladbach gegen die Eintracht aus Frankfurt - und speziell gegen Fredi Bobic. Nach einem entspannten Fußballabend auf ihren Tribünenplätzen ging es den Münchner Wortführern beim einzigartigen Auftritt Seite an Seite in der Interviewzone der Allianz Arena auch noch darum, die Deutungshoheit über die Umstände der Verpflichtung von Niko Kovac als Nachfolger von Jupp Heynckes zurückzugewinnen.

Die verbale Schelte von Eintracht-Sportvorstand Bobic, der die Vorgehensweise der Bayern bei der Trainerkür als «extrem bedenklich und respektlos» gegeißelt hatte, wies Hoeneß als Abteilung Attacke scharf zurück. Das habe man «als ziemlich unverschämt empfunden». Das eigene Handeln belobigte der Bayern-Präsident vielmehr als «sehr professionell». Man habe einfach eine Lücke im Eintracht-Vertrag von Kovac - sprich Ausstiegsklausel - ausgenutzt. Liebe Grüße an Bobic!

Zudem habe die Eintracht nach der frühen Münchner Verkündung der Personalie nun genügend Zeit zur Trainersuche. Das verkaufte Hoeneß als «großzügige Geste» aus München. An die «Bild»-Zeitung habe auch niemand vom FC Bayern die Kovac-Verpflichtung durchgestochen, wie die Bosse beteuerten. «Wir haben uns überhaupt keinen Vorwurf zu machen. Wir waren fair und seriös und in der ganzen Geschichte sauber», sagte Vorstandschef Rummenigge, der gelassen feststellte: «Wir haben keinen respektlosen Auftritt oder sonst was gehabt.»

Von der Version einer «kurzfristigen Entscheidung und Einigung» auf Kovac und mit Kovac am Donnerstag rückten das Bayern-Duo nicht ab. Dass die nun neuen Partner Hoeneß, Rummenigge, Niko Kovac sowie dessen Bruder und Co-Trainer Robert schon ein paar Wochen zuvor gemeinsam am Tisch saßen, klärte Hoeneß so auf: «Wie es der Zufall will, hatte mein Fahrer Bruno Kovacevic seinen 60. Geburtstag. Er ist Kroate, die zwei Frankfurter sind Kroaten, und an dem Abend waren die beiden auch eingeladen, ebenso Karl-Heinz mit seiner Frau und ich mit meiner Frau.» Das führte zum netten Plausch. «Wir kommen dahin und sagen, was ist da los, und dann saßen die bei uns am Tisch», schilderte Hoeneß die Szenerie in einem Lokal außerhalb Münchens - aber: «Vor 60 Leuten hat der FC Bayern noch selten Vertragsgespräche geführt».

Sei's drum. Kovac wurde spätestens nach dem Ausscheiden von Thomas Tuchel aus dem Kandidatenkreis der Heynckes-Nachfolger (Hoeneß: «Das war schade, aber das war kein Schock») zur sinnvoll(st)en Lösung hochgestuft. «Er weiß, wie die DNA von Bayern München funktioniert. Wir sind sehr glücklich, wir trauen ihm das zu», sagte Rummenigge.

Die fehlende internationale Erfahrung von Kovac als Vereinstrainer wischte Hoeneß mit einem Seitenhieb auf die Promi-Trainer Pep Guardiola und Carlo Ancelotti vom Tisch. «Sie haben ja erlebt, dass auch Champions-League-Sieger scheitern können. Und deswegen haben wir es jetzt mal anders gemacht. Wir haben einen genommen, der noch nichts gewonnen hat. Vielleicht macht der genau das Gegenteil.»

Noch schwingt aber Heynckes das Zepter - und wie. Auch nach dem Gewinn des 28. Meistertitels liefern die Bayern in der Bundesliga Wertarbeit ab. Sie lassen nicht nach und schenken schon gar nicht ab. Gegen ein Gladbacher Team, das nach dem Führungstor von Josip Drmic «beschämend» einbrach, wie Sportchef Max Eberl schimpfte, sorgten Doppelpacker Sandro Wagner, Thiago, David Alaba und Robert Lewandowski für das nächste Heimschützenfest in der Liga nach den 6:0-Siegen gegen den HSV und Dortmund.

Heynckes' Rotation zwischen A- und B-Besetzung stört den Spielfluss kaum. «Wir haben nicht mit der Topelf gespielt und Gladbach ab der 20. Minute an die Wand gespielt», schwärmte Hoeneß. Heynckes kann seine 1a-Besetzung exklusiv für die großen K.o.-Spiele am Dienstag im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen sowie danach in der Champions League gegen Real Madrid reservieren.

«Ich empfinde es als großen Vorteil, dass wir viele Spieler heute schonen konnten und auch in den letzten Wochen. Die sind total fit jetzt gegen Leverkusen und strotzen vor Selbstbewusstsein. Gegen Hannover können wir dann auch wieder die Jungs in Watte packen - und dann sind sie gegen Real beim Heimspiel wieder da. Es ist super, wie der Trainer das macht», sagte Wagner.

Alle sind beseelt vom Einzug in beide Endspiele und vom Triple. «Wir haben eine brutale Mentalität in der Mannschaft. Es kommen brutal schwere Spiele, die wollen wir alle gewinnen. Wir wollen das Maximum dieses Jahr erreichen», sagte Nationalstürmer Wagner. Zu Kovac mochten die Bayern-Profis nur wenig sagen. «Er ist schon ein guter Trainer, sonst würde ihn ja Bayern München nicht holen», meinte Wagner.

Noch ist Heynckes der Chef. Und dem traut Rummenigge vor der Rückkehr in den Ruhestand nochmals Historisches zu: «Ich wünsche Jupp idealerweise, er wiederholt das, was ihm 2013 schon gelungen ist. Das ist nämlich noch gar keinem gelungen, das Triple zu wiederholen.»

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