Transfergerüchte im Check : Hazard, Kane, Neymar, Mbappé – wen holt Real Madrid als Ronaldo-Ersatz?

Cristiano Ronaldo wechselt nach neun Jahren bei Real Madrid zu Juventus Turin.
Cristiano Ronaldo wechselt nach neun Jahren bei Real Madrid zu Juventus Turin.

Cristiano Ronaldo verlässt Real Madrid. Die "Königlichen" müssen Ersatz verpflichten – es gibt einige Kandidaten.

shz.de von
11. Juli 2018, 17:46 Uhr

Hamburg | "Es wird nie wieder so einen geben", "Das Ende einer Ära", "Ein trauriger Tag für Real Madrid" – schwermütige Titelzeilen bestimmten die Tageszeitungen und Online-Portale in der spanischen Hauptstadt am Mittwoch. Einen Tag nach der offiziellen Bekanntgabe des Abschieds von Superstar Cristiano Ronaldo nach neun Jahren herrschte bei vielen Medien und Fans Fassungslosigkeit darüber, dass ihr geliebter CR7 seine vielen Tore künftig nicht mehr in königlichem Weiß erzielen, sondern ein neues sportliches und finanzielles Abenteuer bei Juventus Turin beginnen wird.

Nicht viel später war aber auch zu lesen und zu vernehmen, dass der Verein Real Madrid noch viel größer und bedeutender sei, als jeder Spieler – auch als Cristiano Ronaldo. Also wird der Blick nach vorne gerichtet und die Frage aufgeworfen: Wen soll und wird der spanische Rekordmeister nun verpflichten, um Tormaschine Ronaldo zu ersetzen?

Ronaldo: 450 Tore in 438 Spielen

Real Madrid steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, den Verlust des gegenwärtig wohl besten Fußballers der Welt zu kompensieren und einen würdigen Nachfolger zu verpflichten. Einen, der dem Verein tatsächlich pro Saison etwa 50 Tore garantiert – Cristiano Ronaldo erzielte in neun Jahren bei den "Königlichen" in 438 Spielen schier unglaubliche 450 Treffer.

Da für den selbsternannten wichtigsten und größten Fußballverein der Welt das Beste gerade gut genug ist, kommen nur wenige Spieler in Frage, denen zugetraut wird, Ronaldos fußballerisches Erbe anzutreten. In den spanischen Medien kursieren vier Namen, von denen mindestens einer in der kommenden Saison das weiße Trikot der Madrilenen tragen soll:

Neymar (Paris. St Germain, Vertrag bis 2022)  

Für Neymar und Brasilien ist die WM seit Freitagabend beendet.  Foto: imago/PA Images
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Neymar.

Der Brasilianer ist die Wunschlösung von Präsident Florentino Pérez und auch ein Grund, warum sich Real jetzt überhaupt mit der Suche nach einem CR7-Nachfolger beschäftigen muss. Pérez hatte in den vergangenen Monaten immer wieder seine Bewunderung für Neymar geäußert. "Seine Chancen, Weltfußballer zu werden, wären bei Real Madrid größer", säuselte der Real-Boss verlockende Worte in Richtung des Brasilianers. Und kränkte damit gleichzeitig das große Ego des portugiesischen Superstars aus den eigenen Reihen, der von seinem Präsidenten viel lieber eine Aufstockung seines Gehalts gesehen hätte.

Neymar wäre sportlich und aus Marketinggründen der perfekte Ersatz für Ronaldo. Glamourfaktor und fußballerisches Talent sind bei ihm gleichermaßen so ausgeprägt, dass eigentlich nur ein Verein wie Real Madrid als "natürlicher Lebensraum" für ihn in Frage kommt. Dass der 26-Jährige erst im vergangenen Jahr unter viel Getöse für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain gewechselt war, macht einen Transfer aber schwierig. Doch unter Florentino Pérez ist es Real Madrid in der Vergangenheit schon häufiger gelungen, vermeintlich undurchführbare Verpflichtungen zu realisieren. Anfang der 2000er Jahre lotste der Bauunternehmer nacheinander Luis Figo, Zinedine Zidane und Ronaldo (den Brasilianer) in die spanische Hauptstadt – damals entstand der Begriff der "Galaktischen".

Neymar selbst hat seit seinem Wechsel nach Paris mehrfach durchklingen lassen, irgendwann wieder in Spanien spielen zu wollen. Früher oder später wird der polarisierende Superstar vermutlich bei Real Madrid landen - die Frage ist nur wann.

Eden Hazard (FC Chelsea, Vertrag bis 2020):

Eden Hazard.
imago/ZUMA Press
Eden Hazard.

Der Belgier wird bereits seit geraumer Zeit mit Real Madrid in Verbindung gebracht - was vor allem am Spieler selbst liegt. Mehr als ein Mal äußerte der 27-Jährige den Wunsch, irgendwann bei den Königlichen spielen zu wollen. "Real Madrid bringt jeden Spieler zum Träumen", schwärmte Hazard zuletzt vor dem verlorenen WM-Halbfinale der Belgier gegen Frankreich. Bereits kurz nach WM-Start hatte er sich beim Champions-League-Sieger ins Gespräch gebracht: „Real Madrid könnte mich interessieren, jeder weiß das. Wenn sie mich kaufen wollen, wissen sie, was zu tun ist.“

Durch seine überzeugenden Auftritte während der WM hat sich Eden Hazard sicher nicht uninteressanter gemacht. Jedoch wäre er kein Eins-zu-Eins-Ersatz für Ronaldo: Der Belgier ist deutlich weniger torgefährlich als der Portugiese und käme vermutlich eher als ergänzende Verpflichtung zu einem Ronaldo-Nachfolger in Frage.

Kylian Mbappé (Paris St. Germain, Vertrag bis 2022)

Kylian Mbappé.
imago/DeFodi
Kylian Mbappé.

Mit seinen 19 Jahren ist der französische Stürmer das Versprechen schlechthin im Weltfußball. Um im vergangenen Jahr das Financial Fairplay zu umgehen, hatte PSG Mbappé vom AS Monaco ausgeliehen, die Pariser werden in diesem Sommer aber die Kaufoption in Höhe von 180 Millionen Euro ziehen. Dass der Nationalspieler dann gleich zu Real Madrid weiter zieht, scheint unrealistisch. Spanischen und französischen Medienberichten zufolge will der Spieler ohnehin in Paris bleiben, um sich dort in Ruhe weiterentwickeln und zu einem späteren Zeitpunkt zu einem großen Club wie Real Madrid wechseln zu können.

Geht es nach den Fans der Madrilenen, sollte Mbappé am besten sofort kommen: Bei einem Internetvoting der Real nahestehenden Sporttageszeitung "Marca" stimmten von über 200.000 teilnehmenden Usern 63 Prozent dafür, den Franzosen noch in diesem Sommer zu verpflichten. Ob Florentino Pérez es vernommen hat?

Harry Kane (Tottenham Hotspurs, Vertrag bis 2016)

Harry Kane.
imago/Focus Images
Harry Kane.

Alleine der Blick auf die Vertragsdauer des englischen Nationalspielers lässt erahnen, dass eine Verpflichtung selbst für einen Club wie Real Madrid kompliziert werden dürfte. Was allerdings die Torquote angeht, kommt der 24-Jährige aus dem Kreise der Transfer-Kandidaten den Ronaldo-Werten am nächsten: In 213 Spielen für Tottenham erzielte Kane 140 Tore.

Es soll ja aber auch noch Spieler geben, denen ihre Unterschrift unter einen Vertrag noch etwas bedeutet. Kane verlängerte sein Arbeitspapier bei den "Spurs" erst kurz vor der WM langfristig. Zudem heißt der Präsident der Tottenham Hotspurs Daniel Levy, und der gilt als knallharter Verhandlungspartner, an dem sich sogar jemand wie Florentino Pérez die Zähne ausbeißen dürfte.

Fazit: Trotz der über 100 Millionen Euro, die Real Madrid von Juventus Turin für Cristiano Ronaldo erhält, wird die Verpflichtung eines Nachfolgers für Präsident Pérez eine Herausforderung. Bis auf Eden Hazard, dessen Vertrag bei Chelsea vergleichsweise zeitnah ausläuft, stehen die anderen Wechselkandiaten bei ihren Vereinen noch langfristig unter Vertrag. Dennoch ist zu vermuten, dass auch in diesem Transfersommer viele verrückte Dinge passieren werden. Real Madrid wird dazu höchstwahrscheinlich seinen Teil beitragen ...


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