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SG-Spieler Lars Kaufmann : Vom Invaliden zurück aufs Spielfeld

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach anderthalb Jahren und drei Knie-OPs feierte SG Flensburg-Handewitt-Spieler Lars Kaufmann sein Comeback – dank eines Personaltrainers und einer Strom-Therapie.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 08:22 Uhr

Flensburg | Lang ragt an einem milden Herbsttag die Glücksburger Seebrücke hinter Lars Kaufmann in die Flensburger Förde. Lang war auch der Weg des Modell-Athleten vom Invaliden zurück aufs Spielfeld – zurück zu seinem Team. Gepflastert mit Schmerzen, hartem Training und Rückschlägen. „Öffentlich habe ich immer gute Laune gemacht, doch in mir drin sah es manchmal ganz bitter aus“, erinnert sich der Rückraumspieler, der nach drei Operationen am linken Knie die komplette vergangene Saison zum Zuschauen verdammt war. „Es war furchtbar, auf dem Spielfeld nicht helfen zu können“, sagt der Zwei-Meter-Mann.

Besonders schlimm war die Phase vom Saisonstart im vorigen Jahr bis zum Jahresende. „Es ging nicht voran. Immer wieder Schmerzen – an einen Muskelaufbau für das operierte Knie, der extremen Belastungen standhält, war nicht zu denken“, erinnert sich Kaufmann. Es gibt Momente der Hoffnungslosigkeit, „doch dann habe ich mir immer wieder gesagt, so willst du als Profi nicht abtreten. Ohne meine Frau und meine kleine Tochter hätte ich die Kraft dazu aber wohl nicht aufgebracht“, sagt der 32-Jährige, der in der vergangenen Saison weit mehr trainiert hat als seine Mannschaftskollegen. Dabei legt er Arzt- und Trainingstermine so, dass die Fahrt zu möglichst vielen Auswärtsspielen drin ist.

Das neue Jahr bringt die Wende. Ein Personal-Trainer wird zum täglichen Begleiter von Lars Kaufmann. „Zudem hat mir eine EMS-Therapie sehr geholfen“, sagt Lars Kaufmann. Bei der elektrischen Muskel-Stimulation werden über Elektroden, die an einer Körperweste sowie an Manschetten an Armen und Beinen stecken, immer wieder für ein paar Sekunden Stromschläge bis in die Tiefenmuskulatur gelenkt. An sich dauert die Prozedur 20 Minuten. „Ich bin immer über 30 Minuten gegangen, diese Therapie wirkt bis in die kleinste Faser, das ist sehr effektiv – und sorgt für kräftigen Muskelkater“, sagt Lars Kaufmann. Doch das ist dem Langzeit-Verletzten egal, auch im Kraftraum gibt er Vollgas. Die Fortschritte sind so groß, dass er die komplette Vorbereitung beschwerdefrei mitmachen kann.

Und dann ist er wieder da. Wohl alle Zuschauer in der Flens-Arena haben Gänsehaut, als Lars Kaufmann zum ersten Heimspiel gegen Friesenheim erstmals wieder mit aufläuft. „Ein tolles Gefühl, wieder seinen Namen zu hören. Schon dafür hat es sich gelohnt, zu kämpfen“, erinnert sich Lars Kaufmann. Eine weitere Begeisterungswelle geht durch die Halle, als der so lange Vermisste eingewechselt wird. Er sieht gut aus, topfit, gut orientiert, kampfbereit, geht ohne Angst in die Zweikämpfe und trifft – einmal, noch einmal, schließlich sechs Mal ins gegnerische Tor, dazu noch einige sehr gute Anspiele. „Das erste Spiel ist schon optimal gelaufen“, sagt Lars Kaufmann und strahlt dabei so, wie es die SG-Familie vor der Verletzungs-Odyssee von ihm kannte, vielleicht sogar noch ein wenig intensiver. „Nach so einer schweren Zeit lebt man ein Stück bewusster. Ich weiß nun, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, gesund zu sein“, sagt der einzige SG-Spieler, der in Glücksburg lebt.

Ein Umzug ins Handballdorf Handewitt kommt für die Familie nicht in Frage. „Wir haben uns hier einen guten Freundeskreis aufgebaut. Es ist schön, so dicht am Meer zu leben“, sagt der Profi, der in Görlitz geboren wurde. Die Nähe zur Natur wird bei Spaziergängen mit Freunden oder Besuch aus den Familien genossen – und sie tat auch gut in der Verletzungszeit.

Wenige Tage vor dem Comeback wird Kaufmanns zweite Tochter geboren. „Perfekter geht es nicht“, sagt der passionierte Angler. Die Freude auf das zweite Kind sei eine zusätzliche Motivation für den Kampf zurück aufs Spielfeld gewesen. Im Team fällt Lars Kaufmann sofort eine besondere Funktion zu. „Ich bin der Drittälteste und leiste gerne meinen Beitrag zur Integration der neuen jungen Spieler.“ Wie weh tat es, beim Champions-League-Sieg auf der Tribüne zu sitzen? „Der Erfolg ist das Ergebnis Jahre langer Arbeit, also habe auch ich einen kleinen Beitrag geleistet.“

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