Überraschung : THW-Kiel-Handballer Zeitz will nach Ungarn

Den MKB Veszprem im Visier: Christian Zeitz will den THW Kiel verlassen und mit seiner Freundin nach Ungarn ziehen. Foto: Hobke
Den MKB Veszprem im Visier: Christian Zeitz will den THW Kiel verlassen und mit seiner Freundin nach Ungarn ziehen. Foto: Hobke

Beim THW Kiel hat es niemand gewusst: Rückraumspieler Christian Zeitz will zum MKB Veszprem wechseln. Am Sonntag erfuhr der THW über die Homepage der Ungarn davon.

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02. Juli 2013, 07:39 Uhr

Kiel | Er ist der Liebling: Die Fans des THW Kiel huldigen der großen Handballkunst des Christian Zeitz, seiner sagenhaften Intuition in der Defensive wie seinen unorthodoxen Aktionen im Angriff, dem unfassbaren, katapultartigen Zug im Arm. Seit 2003 spielt der Linkshänder beim Rekordmeister. Und er sollte, das war vereinbart, nach seiner aktiven Karriere die "Zebras" auch weiter repräsentieren. Doch das alles löste sich am Sonntag in Schall und Rauch auf, als der MKB Veszprem auf seiner Homepage vermeldete: Zeitz hat beim ungarischen Meister einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben.
Die Nachricht löste bei den Anhängern ein mittleres Erdbeben aus. "Ich fass es nicht", schrieb der Fan, der als Erster die Meldung im Internet-Forum des THW kommentierte. "Wir sind genauso überrascht", sagte THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt Sonntagnachmittag. Zumal er mit Zeitz kürzlich vereinbart habe, in naher Zukunft über eine Vertragsverlängerung zu sprechen. Alles schien präpariert für ein Ende der großen Zeitzschen Karriere bei den "Zebras". "Er hatte ja noch andere Dinge im Vertrag stehen, deshalb wundert mich das auch", sagte Elwardt. Die Pläne, Zeitz später im Club zu beschäftigen, so der THW-Sportchef, "haben sich damit erledigt".

Elwardt dementiert Transferverhandlungen

Zeitz will so schnell wie möglich an den Balaton-See. "Ich hoffe, dass ich schon in diesem Sommer in meiner neuen Mannschaft anfangen kann", wird der 32-Jährige Linkshänder, dessen Vertrag beim THW bis 2014 läuft, auf der Homepage des ungarischen Serienmeisters zitiert. Man stehe bereits, so die MKB-Verantwortlichen, in Verhandlungen mit dem THW über einen Transfer schon für die aktuelle Saison. "Das stimmt nicht", dementierte Elwardt. "Wir hören heute das erste Mal davon."
Unberechenbar wie sein Spiel, galt Zeitz auch außerhalb des Feldes lange als das Enfant terrible des deutschen Handballs. Die Art und Weise, wie Zeitz seinen langjährigen Arbeitgeber nun überrumpelt hat, wirft große Rätsel auf. Schließlich hat der 32-Jährige, der vor zehn Jahren aus Kronau-Östringen an die Förde kam, große Erfolge mit den "Zebras" gefeiert: acht Deutsche Meisterschaften, sechs Pokalsiege, drei Titel in der Champions League. In vielen kritischen Lagen wurde Zeitz vom Club beschützt. Und was zieht ihn nach Veszprem, wo mit Laszlo Nagy einen der besten Rückraum-Linkshänder der Welt spielt?

Ärger hinter den Kulissen

Womöglich spielt die letzte Verletzung des Rückraumstars, der im Frühjahr erlittene Mittelhandbruch, eine Rolle. Zeitz soll den Gips an seinem Arm zu früh entfernt und damit die Hand belastet haben, weil er unbedingt schon im entscheidenden Spiel gegen die Löwen dabei sein wollte. Am Ende verpasste er sogar das Champions-League-Final-Four in Köln, was den THW speziell in der Abwehr entscheidend schwächte. Es soll deshalb viel Ärger hinter den Kulissen gegeben haben.
Für den deutschen Meister tut sich jedenfalls unerwartet eine große Baustelle auf. "Das ist für uns jetzt schwierig", räumt Elwardt freimütig ein. Zeitz jetzt ziehen zu lassen, kommt eigentlich nicht in Frage. "Wir brauchen Spieler, die in unserem System stecken", sagt Elwardt. Andererseits weiß auch er: "Reisende soll man nicht aufhalten." Es werde jetzt viel Arbeit auf ihn zukommen.

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