zur Navigation springen

Handball-EM 2016 : So gut läuft die EM für Flensburgs Dänen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünf SG-Spieler feiern mit der Nationalmannschaft Auftakterfolge bei der EM. Ein starkes Debüt zeigte Kevin Möller.

Danzig | Das Kabinettstückchen, das sogar auf der Internet-Seite der Handball-Europameisterschaft in Polen auftauchte, kam Fans der SG Flensburg-Handewitt sehr bekannt vor. Anders Eggert und Lasse Svan, die beim Bundesligisten wie in der dänischen Nationalmannschaft die Flügelzange bilden, setzten mit ihren Kempatrick gegen Auftaktgegner Russland einen Nadelstich. Svan sprang von rechts in den Kreis, passte parallel zum Tor. Eggert kam aus der anderen Ecke angeflogen, nahm den Ball auf und versenkte ihn. „Wir haben vor der Abreise darüber gesprochen, ob wir das nochmal üben sollten“, verrieten die Protagonisten. „Im Training haben wir es von beiden Seiten jeweils drei Mal probiert. Es hat jedes Mal funktioniert, sodass wir es riskieren konnten.“

Das gab noch mehr Schwung für eine Begeisterungswelle, die die Spieler überraschte. „Alles war rot-weiß. Ich dachte erst, das wären alles Polen“, erzählte Eggert, wie er sich von der Gemeinsamkeit der Landesfarben kurz täuschen ließ. Tatsächlich sorgten rund 3000 Dänen in der Arena von Danzig für Tivoli-Stimmung, natürlich in den Danebrog-Farben Rot und Weiß.

Diese Resonanz bestätigte die polnischen Organisatoren darin, die Dänen als Kopf der nördlichsten EM-Gruppe gesetzt zu haben. Geleitet von der etwas antiquierten Vorstellung, die Schlachtenbummler aus dem Königreich könnten wie einst die Wikinger an der Ostseeküste anlanden. Tatsächlich kamen sie im Flugzeug, andere fuhren 16 Stunden im Bus. Die Fans waren bislang deutlich besser in Form als die gefeierten Sportler. Gegen die Außenseiter aus Russland (31:25) und Montenegro (30:28) taten sich die Dänen schwer. „Mit dem Einzug in die Hauptrunde haben wir erst das erste Etappenziel erreicht, leistungsmäßig ist bei uns das Potenzial aber noch längst nicht ausgeschöpft“, bilanzierte Spielmacher Rasmus Lauge.

Er ist einer von insgesamt fünf Spielern, die im Alltag für Flensburg auflaufen. Als Aufsteiger entpuppte sich bislang Kevin Möller. Der 26 Jahre alte Torwart empfahl sich mit guten Leistungen im SG-Dress und bildet bei seinem ersten Großturnier ein Gespann mit der Nummer eins Niklas Landin (THW Kiel/27). Beide kennen sich seit der Jugend, besuchten gemeinsam ein Sportinternat im kleinen Oure auf Fünen. Als Möller drei Partien für die dänische Junioren-Auswahl bestritt, war der sechs Monate ältere Landin schon einmal sein Gespannpartner. „Ich nehme es, wie es kommt“, hatte der Flensburger vor er EM gesagt, ohne allzu große Hoffnungen auf viele Einsatzzeiten.

Doch Nationaltrainer Gudmundur Gudmundsson scheint große Stücke auf ihn zu halten. Gegen Montenegro wechselte er in beiden Halbzeiten nach rund 20 Minuten seinen Stammkeeper aus. „Beim ersten Mal habe ich zwei Mal von außen nicht gut ausgesehen, da war es berechtigt, dass ich wieder raus musste“, analysierte Möller später. „Doch beim zweiten Mal habe ich es genossen, der Mannschaft zu helfen.“

In der Schlussphase leuchtete auch der Stern eines zweiten SG-Akteurs. Kreisläufer Henrik Toft Hansen stibitzte im Abwehrzentrum den Ball, lochte den Gegenstoß zum 28:30-Endstand ein und rannte mit triumphalen Jubel zurück. „Nachdem ich vorher zwei Mal verworfen hatte, tat das richtig gut“, strahlte der 29-Jährige.

Damit sind die hohen Erwartungen der dänischen Öffentlichkeit aber längst nicht erfüllt. Alles außerhalb der Medaillenränge wäre eine herbe Enttäuschung. „Im Angriff haben wir noch nicht das Gefühl für das Tempo, und in der Abwehr müssen wir kämpfen, um noch kompakter zu stehen“, wusste Anders Eggert, der gegen Montenegro dank seiner sechs Treffer zum besten Spieler der Partie ausgezeichnet wurde. „Wir dürfen nicht nervös werden, wenn es einmal nicht so gut läuft“, mahnte Rasmus Lauge. „Da wir einen breiten Kader haben, können wir immer wieder neue Formation ins Rennen schicken und den Gegner mit neuen Aufgaben konfrontieren.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen