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SG Flensburg-Handewitt : Vranjes: „Wir können um Platz drei spielen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SG-Trainer Ljubomir Vranjes spricht im Interview über die Saison-Vorbereitung und seine Erwartungen für die neue Spielzeit.

Flensburg | Am Sonnabend geht es endlich los. Nach sechs Wochen Vorbereitung erwartet Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt zum Saisonstart der Handball-Bundesliga in der Flens-Arena den Aufsteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim (19 Uhr). Bis auf die Verletzung von Jim Gottfridsson war Trainer Ljubomir Vranjes mit dem Verlauf zufrieden und hofft mit seiner neu formierten Mannschaft „um Platz drei spielen zu können, wenn wir von Verletzungen verschont bleiben“.

Herr Vranjes, am Sonnabend beginnt die neue Saison. Kribbelt es schon im Bauch?

Ein bisschen schon. Ich spüre es auch bei den Spielern. Sie sind sehr konzentriert, sie werden frischer und frischer.

Sechs Wochen harte Vorbereitung liegen hinter Ihnen. Wie sind Sie mit dem Verlauf zufrieden?

Ich bin ganz zufrieden. Es gibt ja immer ein paar Dinge, die wir verbessern müssen. Aber das ist alles eine Zeitfrage. Man kann es nicht hinzaubern, die neuen Spieler brauchen Zeit. Man muss Geduld haben. Es wird noch nicht zu 100 Prozent stimmen im ganzen Spiel, aber wir sind schon sehr weit. Ich bin ein bisschen überrascht.

Welchen Eindruck haben die Neuzugänge bei Ihnen in der Vorbereitung hinterlassen?

Am Anfang haben sie eine andere Welt erlebt. Sie haben gespürt, um was es bei uns geht. Und in der vergangenen Woche nach dem Erima-Cup in Bremen haben sie es auch verstanden. Die Neuen sind sehr ehrgeizig, aber sie wissen, dass sie Zeit brauchen. So einfach ist es nicht auf diesem Level, auf dem wir spielen.

Wie ist der Leistungsstand von Lars Kaufmann, der nach langer Verletzungspause ins Team zurückgekehrt ist?

Bei Lars geht es auf und ab. Er ist ja praktisch ein neuer Spieler für mich. Er braucht Zeit mit dem Training und dem Timing. Er hat Vorteile gegenüber den Neuen, weil er die Spielzüge kennt. Aber wir haben viel geändert – auch in der Abwehr. Das ist auch für ihn ganz neu. Lars muss sich wieder selbst beweisen – auch mir gegenüber.

Stichwort Änderungen im Konzept – sind vornehmlich die Abgänge von Michael Knudsen und Steffen Weinhold der Grund dafür?

Natürlich – aber auch die Zugänge, die wir bekommen haben.

Was haben Sie denn geändert?

Mir ist es wichtig, dass wir uns entwickeln – die Alten ebenso wie die Neuen. Deshalb haben wir einiges verändert, damit alle davon profitieren. Und das haben wir ganz gut hinbekommen. Verschiedene neue Spielzüge, in der Abwehr verschiedene 6:0-Varianten und verschiedene 5:1-Varianten. Das sieht schon gut aus.

Wie stark schätzen Sie Ihre Mannschaft augenblicklich ein?

Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, können wir schon um Platz drei spielen. Wir haben eine sehr gute erste Sieben, die anderen werden aber Zeit brauchen, um sich in diese Mannschaft zu spielen. Bei Verletzungen werden wir allerdings Probleme bekommen. Wir können das nicht mehr so einfach kompensieren wie früher. Wir haben acht Spieler, die erst ein Jahr Bundesliga spielen oder erst im Sommer zu uns gestoßen sind. Da braucht man Kontinuität in der Mannschaft, wenn man das schaffen will. Aber wir arbeiten jeden Tag daran, das wird schon kommen.

Sie sprechen von Platz drei, aber steigt durch den Sieg in der Champions League nicht der Erwartungsdruck im Umfeld und bei den Fans?

Absolut. Natürlich steigen die Erwartungen. Aber es ist sehr einfach für Fans und Umfeld, Erwartungen zu formulieren, Vielleicht kann man unsere Situation mit einem großen Unternehmen vergleichen, das in einem Jahr acht Leistungsträger auswechselt. Dann kann man verstehen, worum es für uns jetzt geht. Es ist sehr kompliziert, was wir hier machen. Da ist ja nicht nur ein Ball und dann prellen und laufen. Das ist ein ganz anderes Niveau. Wir haben eine gute erste Sieben, aber wir müssen auch fair sein zu den Neuzugängen und den anderen, die erst ein Jahr hier sind. Das Publikum kann nicht erwarten, dass alles ohne Probleme läuft. Wir brauchen auch Unterstützung, wenn es nicht läuft – gerade jetzt.

Sie sprachen gerade Verletzungen an. Mit Jim Gottfridsson gibt es bereits den ersten. Wann rechnen Sie wieder mit ihm und was bedeutet das in den ersten Spielen für Thomas Mogensen?

Mitte September rechne ich wieder mit Jim. Thomas wird dadurch zum Beginn eine ganz hohe Belastung haben als einziger Spielmacher. Ich habe in der Vorbereitung versucht, Alternativen zu finden. Die haben wir zwar, aber Thomas ist unser einziger gelernter Mittelmann. Die Alternativen sind keine. Dann habe ich noch junge Spieler wie Michael Nicolaisen oder Stefan Wilhelm aus der A-Jugend, die diese Position spielen können. Aber wir reden von einem sehr hohen Niveau, das sie noch nicht haben.

Stichwort junge Spieler – Sie haben gerade von Nicolaisen und Wilhelm gesprochen. Dazu gehört auch Lukas Blohme. Welchen Eindruck haben in der Vorbereitung von diesem Trio gewonnen?

Die drei Youngster machen einen guten Eindruck, sie sind jedoch ein ganzes Stück weit von den anderen entfernt. Es ist nicht einfach für sie, weil das Niveau sehr hoch ist. Man kann nicht nur davon reden, dass junge Spieler in einer Bundesliga-Mannschaft wie Flensburg spielen sollen. Sie müssen auch die Qualität haben, sie müssen ihr Selbstbewusstsein bewahren und weiter stärken. Das ist für sie ein Riesenschritt.

Werden die Zuschauer sie dennoch in einigen Spielen sehen?

Natürlich – aber Freundschaftsspiele in der Vorbereitung und Punktspiele in der Bundesliga sind Riesenunterschiede. Wenn es eine Möglichkeit gibt, werde ich meinen jungen Spielern eine Chance geben. Das habe ich bis jetzt immer gemacht – aber nichts ist gratis.

Sie hatten sich nach dem Erfolg in der Champions League ein oder zwei neue Spieler gewünscht. Aber es ist nichts passiert. Woran lag es?

Mein Wunsch war es, die Mannschaft so gut wie möglich zu verstärken. Wir haben hier eine Truppe von Spielern zusammen, die Verträge haben. Ich möchte diese Verträge auch einhalten. Und ich möchte keinen Spieler neu verpflichten, der kein Riesenniveau hat. Er muss mehrere Jahre Bundesliga-Erfahrung haben und auf einem sehr hohen Level sein. Wir können nicht immer nur junge Spieler holen, wie müssen ab und zu auch Erfahrung reinbringen, so dass wir unser Niveau halten.

Was erwarten Sie zur Saisonpremiere gegen Friesenheim?

Ich erwarte, dass wir Vollgas geben, und es genießen, zu Hause zu spielen. Wir wollen ein Zeichen setzen, worum es in dieser Saison geht. Ich freue mich sehr auf unsere Fans. Wir haben sechs Wochen lang hart gearbeitet, damit wir mit einem guten Gefühl in die Flens-Arena einlaufen können.

Friesenheim ist ein Aufsteiger. Werden es die Neulinge wie immer sehr schwer haben?

Ich kenne die Aufsteiger nicht so gut, dass ich etwas darüber sagen kann. Wir werden uns in diesem Spiel nur auf uns konzentrieren.

Schauen wir in der Tabelle nach oben. Alle Trainer – sogar Alfred Gislason selbst – haben auf den THW Kiel als neuen Meister getippt. Sind die Kieler wirklich so weit weg von den andern oder sind sie doch noch schlagbar?

Ich werde immer versuchen, den THW zu schlagen. Ich hoffe, die anderen Mannschaften auch. Aber Kiel hat die beste Mannschaft seit Jahren, auf dem Papier ist es ein Dream-Team. Wir werden trotzdem versuchen, sie zu stoppen. Wir spielen ja schon am zweiten Spieltag in Kiel. Es ist eine sehr, sehr gefährliche Mannschaft, und sie hat eine so große individuelle Qualität, dass sie auch Spiele für sich entscheiden kann, ohne eingespielt zu sein.

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erstellt am 22.Aug.2014 | 18:10 Uhr

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