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SG Flensburg-Handewitt : Michael Knudsen: Abschied vom Kämpfer am Kreis

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach neun glücklichen Jahren kehrt Michael Knudsen nach Dänemark zurück und möchte dort mit Silkeborg in die Champions League.

Flensburg | „100 Prozent SG“ steht auf der Bande in der Lounge an der Flens-Arena. Genauso gut könnte dort 100 Prozent Knudsen stehen. Der Einsatz- und Kampfwillen des dänischen Kreisläufers gilt als unerreicht. Nicht nur während der Spiele, bei jedem Training, bei jedem Waldlauf und an den Kraftgeräten gibt der 35-Jährige in jedem Moment alles, schont dabei auch seine Mitspieler nicht. „Ich liebe und lebe für den Handball. Wenn es anders wäre, würde ich keinen Sinn darin sehen, zu spielen“, sagt Knudsen. Der Mann mit der Nummer 77 lässt zum letzten Mal als SG-Profi seinen Blick durch die Lounge streifen, in der er in den vergangenen neun Jahren unzählige Stunden verbracht hat. „Das hier ist mein zweites Wohnzimmer. Ich habe es geliebt, nach den Spielen hier zu sitzen, zu essen, mit Freunden, Fans und Teamkollegen über alles mögliche zu reden.“

Das hat Michael Knudsen nach dem Heimspiel gegen Balingen das letzte Mal getan. Zum letzten Mal genoss er den umjubelten Einlauf zum Triumphmarsch, zum letzten Mal stand der Modellathlet im Scheinwerferlicht der Arena. Alle Blicke richteten sich auf ihn, alle Spieler suchten seine Nähe, alle spielten in der 59. Minute für das letzte von knapp 1100 SG-Toren des Dänen. Knudsens Jubel darüber erzeugt Gänsehaut, viele Augen werden feucht. Mit gelebten Emotionen, kompromisslosem Einsatz, Offenheit und Authentizität hat der sympathische Däne über neun Jahre eine Nähe zu vielen Menschen aus dem SG-Umfeld geschaffen, die an den Mythos Lars Christiansen dicht heran reicht. „Es war wunderbar und schrecklich, dass mir so viele Menschen nach dem letzten Heimspiel gesagt haben, dass sie mich vermissen werden. Das ist eine Bestätigung, dass ich auch als Mensch den richtigen Weg gegangen bin. Das werde ich immer in meinem Herzen behalten“, sagt Knudsen.

Nach bitteren Niederlagen hat sich Michael Knudsen nie gescheut, Tränen zu zeigen. Bei seiner Verabschiedung wirkt der Gefühlsmensch relativ gefasst. „Aber nur äußerlich, und auch nur, weil ich mein Kaugummi immer schneller kauen konnte“, sagt Knudsen. Dass der Moment, vor dem er lange Zeit großen Respekt hatte, hinter ihm liegt, bringt bei aller Melancholie auch Erleichterung mit sich.

Der Spieler, der immer siegen will, hat in seinen SG-Jahren fast immer ganz vorne mit gemischt, aber nur wenige Titel gewonnen. War es dennoch eine erfolgreiche Zeit? „Auf jeden Fall, hier gibt es ein so gutes Team, das sich toll entwickelt. Ein viel größerer Gewinn als Titel ist für mich, dass ich nun ein Teil einer so großen, traditionsreichen Handball-Euphorie bin“, sagt Knudsen, der besonders die Unterstützung der Fans lobt. „In anderen Hallen wird es leise, wenn das eigene Team zurück liegt, bei uns wird es laut, die SG-Fans sind immer da, wenn wir sie brauchen“, sagt der Kämpfer am Kreis.

Es wird sich einiges verändern, wenn er demnächst das Trikot von Bjerringbro-Silkeborg trägt. Eine ganz andere Situation, eine ganz andere Liga, dennoch hat Knudsen viel vor. „Silkeborg hat viele gute junge Spieler, hinter dem Verein steht eine hohe Wirtschaftskraft, mein Ziel lautet Champions-League, ich bin bereit für noch viele große Aufgaben“, sagt Mister 100 Prozent. Auch die Umstellung für die Familie wird einschneidend. „Für meine drei Kinder ist Handewitt ihr Zuhause. Sie müssen nun in neue Schulen, Kindergärten, neue Freunde finden.“ Schon wegen der vielen Freunde, die alle Knudsens in ihrer SG-Zeit gefunden haben, will die Familie oft zu Besuch kommen. Doch dafür hat Michael Knudsen noch keinen Gedanken, noch hat er sich mit Umzug und Wohnungssuche nicht befasst. Alle Aufmerksamkeit gilt dem Champions-League-Final-Four, dem Halbfinale gegen Barcelona. „Ein Riesengeschenk, anders als beim Pokal in Hamburg bin ich topfit und freue mich mit jedem Tag mehr auf dieses Wochenende“, sagt ein strahlender Michael Knudsen. Wenn nach viel Pech für die SG jetzt einmal fast alles stimmt, könnte es noch eine große Fete in Flensburg geben.

Danach wird sich der Däne um den Umzug kümmern. „Wir suchen ein schönes, familiäres Dorf in der Nähe von Silkeborg, eigentlich so etwas wie Handewitt.“ Was ist, wenn es künftig nicht so läuft wie geplant? „Dann kommen wir zurück. Wir überlegen, für immer im SG-Land zu bleiben, wir sind alle glücklich hier. Vielleicht liegt auch meine berufliche Zukunft in ein paar Jahren in anderer Funktion in Flensburg“, verrät Knudsen. Was nimmt er für immer mit aus seinen neun SG-Jahren? „Den Jubel in der Flens-Arena, und viele gute Freunde. Freundschaft ist für mich auch eine Form von Liebe.“

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erstellt am 27.Mai.2014 | 09:44 Uhr

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