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SG Flensburg-Handewitt : Johan Jakobsson: Mit Nero auf neuen Wegen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dank seines Labradors lernt Johan Jakobsson Land und Leute schneller kennen – und kann schlechte Spiele leichter abhaken.

Handewitt | Nero ist als Erster an der Tür. Wenige Augenblicke später wird diese von Johan Jakobsson geöffnet. „Nero, sitz!“ sagt der neue Schwede im Rückraum der SG Flensburg-Handewitt. Der schwarze Labrador mit seidig glänzendem Fell sitzt aufs Wort. Zeit für eine herzliche Begrüßung des Hausherren, danach das Kommando: „Nero, komm!“, worauf eine noch herzlichere Hundebegrüßung folgt. Auf dem Tisch stehen frischer Kuchen und schwedischer Holunderblütensaft, es duftet nach Kaffee.

„Ein Hund tut immer gut, besonders nach einem Spiel, das nicht so gut gelaufen ist“, sagt der Profi, der schon nach wenigen Monaten sehr gut Deutsch spricht, obwohl er noch nie in Deutschland gelebt hat. „Ich habe zum Glück kein großes Problem mit Sprachen“, sagt der schwedische Nationalspieler, der im Sommer von Aalborg an die Flensburger Förde wechselte. Er verteilt den Kuchen, Nero bekommt eine große Mohrrübe. Jakobsson nennt den zweijährigen Rüden in seinem Steckbrief als wichtigstes Hobby. „Ein Hund bewirkt so viel Gutes, er hat es verdient, dass man ihm viel Zeit widmet“, sagt der Schwede, der mit Freundin Caroline das Handewitter Haus bezogen hat, in dem zuvor die SG-Handballgrößen Michael Knudsen und Christian Berge wohnten.

Auf große Fußstapfen – die von Steffen Weinhold – trifft der 27-Jährige auch in der Mannschaft. Im Training zeigt das Kraftpaket mit einem der härtesten Würfe in der Liga, was in ihm steckt. Gerne würde Johan Jakobsson das auch häufiger auf dem Spielfeld tun, „um Holger Glandorf besser zu entlasten, um diesen tollen Fans zu zeigen, was ich kann. Ich muss Geduld haben, aber das ist nicht immer leicht“, sagt der Linkshänder.

Nero legt seufzend den Kopf auf den Schoß seines Herrchens, schaut ihm in die Augen, als wenn er jedes Wort verstanden hätte. „Das tut er auch, er kann schon perfekt Deutsch“, sagt Jakobsson. Seine Gedanken gehen zurück aufs Spielfeld. „Wenn ich lange auf der Bank gesessen habe und dann für fünf oder zehn Minuten reinkomme, bin ich oft zu heiß. Daran muss ich arbeiten. Es tut gut, zu wissen, dass der Trainer mich dabei unterstützt und voll hinter mir steht“, sagt Jakobsson, der mit seinen 27 Jahren, mehreren Titeln und Medaillen der erfahrenste Neuzugang der SG ist. Auch deshalb möchte er gerne, möglichst bald mehr Verantwortung auf dem Spielfeld übernehmen.

Geduld muss Jakobsson auch immer wieder im Privatleben von sich einfordern. „Land, Liga, Leute – alles ist neu. Ich würde mich gerne in der Region besser auskennen, viele Namen und Geschichten von Fans und Sponsoren der SG-Familie wissen“, sagt Jakobsson. Doch dafür braucht es Zeit.

Auch für dieses Ziel ist Nero eine große Hilfe. „Auf den Touren mit ihm habe ich die Nachbarn ganz schnell kennen gelernt. Durch Nero war ich auch schon in Solitüde und Holnis – er geht dort so gerne ins Wasser“, schwärmt das Herrchen, das mit seinem Hund auch bald mal nach Sylt möchte, denn „die Strände dort sollen wunderschön sein.“ Natürlich haben auch die schwedischen Spieler, besonders der Freund und Kapitän Tobias Karlsson großen Anteil daran, dass sich Jakobsson in seiner neuen Heimat mit jedem Tag heimischer fühlen kann.

Geboren und aufgewachsen ist der Spanien-Fan in Göteborg. Ein Schul-Turnier und sein Vater – ein erfolgreicher Spieler und Trainer – legten im Alter von neun Jahren den Grundstein für seinen heutigen Beruf. Jakobsson schloss in Göteborg auch ein fünfjährige Studium der Produkt-Entwicklung erfolgreich ab.

Ein Handballprofi als Akademiker – das ist eine große Ausnahme. „Das wäre in der Bundesliga mit den vielen weiten Auswärtsfahrten nicht möglich, schon in Schweden musste ich dafür sehr gut planen, aber das mache ich gerne“, sagt Jakobsson. Heute plant er die Besuche von Freunden und Familie, denn die sind nicht mehr in der Nähe, können nicht mehr schnell vorbei kommen. „Daher bin ich sehr froh, dass meine Freundin mit nach Deutschland gekommen ist – und mit Nero ist ein guter Freund immer da“, sagt Jakobsson. Der bestens trainierte Labrador wedelt mit dem Schwanz und trägt in der Schnauze die Leine zu seinem Herrchen. Gleich geht es raus, in den Wald, zur nächsten Laufeinheit.

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erstellt am 14.Okt.2014 | 07:38 Uhr

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