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Wechsel zur SG Flensburg-Handewitt : Ahmed Elahmar: Der lässige Typ aus dem Land am Nil

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ägypter erfüllt sich mit dem Wechsel in die Handball-Bundesliga einen Jugendtraum.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 11:38 Uhr

Flensburg | „Moin!“ – das kommt Ahmed Elahmar schon flott über die Lippen, als er gestern Mittag das „Macedonia“ betritt, ein bei den Handballern der SG Flensburg-Handewitt beliebtes Restaurant an der Hafenspitze. „Mein erstes Wort auf Deutsch“, sagt der 31 Jahre alte Ägypter, nun auf Englisch, das in den nächsten Monaten eine wichtige Sprache im Team des Bundesligisten sein wird. Kein Problem, versichern Elahmar und Trainer Ljubomir Vranjes – Handball ist international, und alle SG-Spieler sind des Englischen mehr oder minder mächtig. Dem ersten Eindruck nach wird er auch menschlich zur SG-Familie passen, als lässiger, freundlicher, stets lächelnder Typ ohne Allüren – trotz einer beachtlichen Karriere .

Ahmed Elahmar ist kein grüner Junge. „Er hat die Routine, die ich gesucht habe“, sagt Vranjes über den Linkshänder, der den verletzten Holger Glandorf bis zum Ende dieser Saison vertreten soll. Elahmar absolvierte 236 Länderspiele, erzielte dabei an die 1000 Tore („die Statistiken sind bei uns nicht so genau“), war bei sechs WM-Turnieren und zwei Olympischen Spielen dabei, gewann drei Mal mit drei verschiedenen Vereinen den Asien-Cup, das Pendant zur Champions League, und zwei Mal die Afrikameisterschaft. Mehrfach wurde er als bester Torschütze oder wertvollster Spieler ausgezeichnet.

In der arabischen und asiatischen Handballszene ist der Rückraumspieler äußerst populär. Seit am Freitag der Transfer in die Bundesliga bekannt wurde, rauscht es in den sozialen Netzwerken. Auf der Facebook-Seite der SG häufen sich arabische Kommentare, mehr als 3000 neue Freunde haben sich registriert, und Kairo ist zur drittstärksten Stadt bei den Herkunftsangaben aufgestiegen. Die Fans seines Heimatvereins Al Zamalek wünschen Elahmar das Beste und hoffen, dass der Ägypter auch in der Bundesliga ein Star wird.

Elahmar betritt einen exklusiven Club. Erst drei Spieler aus dem Land am Nil spielten in Europa: Der Kreisläufer Hany El Fakharany war von 2007 bis 2009 bei den Berliner Füchsen engagiert, Spielmacher Hussein Zaky stand bei Ciudad Real unter Vertrag, Torhüter Mohamed Bakir El-Nakib beim PSG-Vorläufer Paris Handball. „Für mich wird ein Traum wahr. Ich wollte schon als Jugendlicher irgendwann in die Bundesliga“, sagt Elahmar, der die SG, ihre Spieler und Vranjes’ Idee vom Handball sehr gut kennt. Nicht erst seit der Club-WM im September, als er mit dem katarischen Verein Al Jaish zweimal gegen den Champions-League-Sieger antrat. „Ich habe schon viele Flensburger bei Länderspielen getroffen“, sagt Elahmar. Viele SG-Partien hat er bei arabischen TV-Sendern gesehen, beim Final4 der Champions League fieberte er mit – als SG-Fan. „Die Flensburger haben als Mannschaft gespielt, nicht als Gruppe von Individualisten. Und sie haben ein großes Herz gezeigt – das war wunderbar, ein wirklich starkes Team.“ Mit Interesse hat er die Auszeiten verfolgt, wenn Vranjes mit der Taktiktafel gearbeitet hat: „Ein bisschen habe ich davon schon verstanden“, sagt Elahmar.

Quasi als Geschenk zu seinem 31. Geburtstag am 27. Januar kam überraschend das Angebot der SG. Diesmal hat er nicht lange überlegt, nachdem er frühere Offerten aus Spanien, Frankreich und eine von den Füchsen ausgeschlagen hatte. Der Ex-Berliner El Fakharany stellte den Kontakt her, als sich Vranjes als WM-Beobachter vor Ort auf Elahmar fixiert hatte.

Der Linkshänder dürfte deutschen Fans besonders im Achtelfinale gegen die DHB-Auswahl aufgefallen sein: pfeilschnell, kampf-und wurfstark, mit einem begnadeten Wackler ausgestattet. „Das brauchen wir, Ahmed ist ein anderer Spielertyp als Johan Jakobsson“, sagt Vranjes. Der Schwede als Distanzschütze, der 1,87 Meter große Elahmar als kompakter „Wühler“ mit besonderen Stärken im Spiel Mann gegen Mann – das ist die Rollenverteilung.

Zum Glück für die SG zeigt sich Elahmars Verein Al Jaish kooperativ. Der Club aus Doha verlangt keine Ablöse und erteilte sofort die Freigabe. „Sie gönnen mir diese Chance und wünschen mir viel Glück“, sagt Elahmar. Nun gilt es, die Spielerlaubnis schon für das Champions-League-Spiel gegen Besiktas Istanbul morgen (19.30 Uhr) in der Flens-Arena sicher zu stellen. IHF, DHB, EHF – alle Verbände sind involviert. „Viel Papierkram, viele Stempel – wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Spätestens bis heute um 24 Uhr müssen die Formalien erledigt sein.

Es werden aufregende Monate für den Ägypter, nicht nur in sportlicher Hinsicht. Seine Frau Samar ist hochschwanger, in sechs Wochen wird das erste Kind der Familie Elahmar erwartet. Möglichst bald nach der Geburt sollen beide nach Flensburg kommen.

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