Handball-Bundesliga : SG gegen THW: Erster Knüller der Handballsaison

Benjamin Buric ist neu bei der SG Flensburg-Handewitt.
Voller Vorfreude auf das Derby: Flensburgs neuer Torhüter Benjamin Buric.

Im Spitzenspiel der Bundesliga treffen am Samstag die SG Flensburg-Handewitt und der THW Kiel aufeinander.

shz.de von
07. September 2018, 11:26 Uhr

Flensburg | Titelverteidiger gegen Titelfavorit, amtierender Meister gegen Rekordmeister, Blau-weiß-rot gegen Schwarz-weiß: Die Pulswerte bei Spielern und Anhängern steigen von Tag zu Tag an beim Gedanken an das 98. Nordderby zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel, das am Samstag (18.10 Uhr/live in der ARD) angepfiffen wird und den ersten Höhepunkt der noch jungen Saison in der Handball-Bundesliga bildet.

„Das ist die Mutter aller Derbys. Ich freue mich, diese jetzt wieder aktiv mitgestalten zu können“, sagt THW-Heimkehrer Hendrik Pekeler mit leuchteten Augen. Der 27-jährige Nationalspieler tituliert das Duell als „erste richtige Standortbestimmung“. Flensburg sei ein ganz anderes Kaliber als Ludwigshafen und Lemgo, als man zwar gewonnen, aber – wie der Kieler Kreisläufer betont – „nicht restlos überzeugt habe“. Wobei das nicht auf seine Leistung zutrifft, denn die stimmte – nicht allein wegen seiner zehn Tore gegen den TBV.

„Es ist ein 50:50-Spiel“

„Man hat gegen Lemgo gesehen, wie wichtig Hendrik in Abwehr und Angriff ist“, sagt Trainer Alfred Gislason über seinen Neuzugang. „Er ist eine überragende Verstärkung. Gerade auf der Drei im Innenblock, die zuletzt eine unsere Problempositionen war.“

Pekeler weiß aus seiner Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen genau, was ihn in der Flens-Arena morgen erwartet: „Es ist ein 50:50-Spiel.“ Wichtig sei: „Wenn es einmal nicht so gut läuft, musst du kühlen Kopf bewahren, weil die Halle einen extremen Druck ausübt.“

Hendrik Pekeler (r.) gastiert mit dem THW Kiel in der Flens-Arena.
Imago/Eibner
Hendrik Pekeler (r.), gastiert mit dem THW Kiel in der Flens-Arena
 

Auf eben diesen „Rambazamba“ in der Arena hofft einer, der Pekeler das Leben auf dem Spielfeld schwer machen will: Benjamin Buric. Für den neuen Torhüter der SG ist es das erste Derby – und ein Spiel, in das man noch motivierter als gewöhnlich hineingeht. „Gegen den THW zu gewinnen, bringt richtig Spaß.“ Der bosnisch-herzegowinische Nationaltorhüter weiß, wovon er spricht. Gilt er doch als THW-Experte, wie die Bilanz aus seiner Zeit bei der HSG Wetzlar beweist: Drei von vier Spielen gegen Kiel gewann er mit dem Underdog – dank famoser Vorstellungen des 27-Jährigen zwischen den Pfosten. „Könnte sein, dass mich der ein oder andere THW-Spieler im Kopf hat“, sagt Buric augenzwinkernd.

Am Samstag ab 18.10 Uhr: SG Flensburg-Handewitt gegen THW Kiel im Liveticker

Zwar hat sich SG-Trainer Maik Machulla noch nicht auf eine klare Nummer eins festgelegt, doch spricht vieles dafür, dass nicht Torbjörn Bergerud, sondern Buric dank seiner größeren Bundesligaerfahrung und den Leistungen in den beiden Spielen gegen Göppingen und Berlin im Flensburger Tor beginnen wird. „Benjamin hat die Nase leicht vorn“, gesteht Machulla, der auch um die Bedeutung dieser Position weiß. Die vergangenen Derbys hat zumeist das Team gewonnen, das das Torhüterduell zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

Buric jedenfalls ist guten Mutes. Seit seinem Wechsel in den hohen Norden im Sommer läuft alles sehr gut. Auch das Zusammenspiel mit der Abwehr werde stetig besser, ein besonderes Lob  richtet er an Abwehrchef Tobias Karlsson. „Ich muss mich ja nur um die eine Hälfte meines Tores kümmern, den Rest erledigt Tobbe.“ Übrigens: Beim ersten Kräftemessen beider Erzrivalen – dem Flens-Cup in Neumünster Anfang August – fehlte Karlsson verletzungsbedingt. So leicht wie damals beim 31:22 wird es der THW Samstag wohl nicht haben.

Offene Rechnungen auf beiden Seiten

Die beiden SH-Teams haben dabei mehr als nur eine Rechnung mit dem jeweils anderen offen. Im November siegte der THW in der Gruppenphase der Champions League mit 33:30, wenige Tage später überrannten die Zebras die SG in der Hölle Nord bei einem 35:27. Im Gegenzug dazu holten sich die Flensburger in der Kieler Halle ein Unentschieden in der Königsklasse ab und siegten in der Bundesliga. Das Spiel war in der vergangenen Saison ein wichtiges auf dem Weg zum zweiten Titel der Flensburger.

In der Gesamtwertung haben die Kieler die Nase vorne. In den bisherigen 97 Derbys ist die SG 34 Mal als Sieger vom Feld gegangen, 58 Mal gewannen die Kieler. Das Torverhältnis liegt bei 2569:2687.

Trotz des perfekten 6:0-Punkte-Start des Titelverteidigers sieht Machulla auch in diesem Match die Kieler vorne. „Kiel ist Topfavorit auf den Titel. Die werden mit allem kommen, was sie haben. Wir werden dagegen halten und uns nicht verstecken.“ Für letzteres hat die SG auch keinen Grund. Die ersten Partien der neuen Spielzeit haben bereits bewiesen, dass trotz des personellen Umbruchs im Sommer mit den Flensburgern zu rechnen ist. Um es mit den Worten vom SG-Trainer zu sagen: Seine Mannschaft ist die „größte Wundertüte der Liga“.

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