SG Flensburg-Handewitt : Sören Rasmussen: "Wir waren sauer!"

Rasmussen hielt stark. Foto: Dewanger
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Rasmussen hielt stark. Foto: Dewanger

Sören Rasmussen von der SG Flensburg-Handewitt entnervt beim 23:23 im Bundesliga-Duell die Spieler vom HSV Handball. Am Tag danach erklärt er, wie es dazu kam.

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12. April 2013, 09:38 Uhr

Handewitt | Handballtorwart Sören Rasmussen war im Bundesligaspiel der SG Flensburg-Handewitt gegen den HSV Handball der Star. Völlig überraschend spielte er anstelle von Mattias Andersson. Rasmussen, sonst meist nur Ersatzmann, glänzte - er hielt 22 Bälle, darunter drei Siebenmeter. Das Publikum riss er mit seinen Paraden ein ums andere Mal vor Begeisterung von den Sitzplätzen und am Tag danach spricht er über das Spiel, das Torwarttraining in Flensburg, Kopftreffer und Wahlversprechen, die nicht eingehalten werden.

Sören, wie geht es Dir, einen Tag nach dem 23:23 gegen den HSV?
"Ich bin ein bisschen müde. Nach einem Spiel gehen einem immer so viele Sachen durch den Kopf. Und die Kinder fragen morgens nicht, ob Papa schon ausgeschlafen hat. Aber meinem Körper geht es gut."

Die Zuschauer waren überrascht, dass Du gegen Hamburg gespielt hast - wie war das bei Dir?
"Ich war auch überrascht! Ich habe ja gerade erst einen Muskelfaserriss auskuriert, hatte vier Wochen Pause. Freitag, Sonntag und Montag habe ich trainiert - und danach kam die SMS von Ljubo: Du fängst an. Bereite dich gut vor. Ich habe dann noch viel Videos geguckt... Aber so ist das mit Ljubo - man weiß nie! Ich denke, er hatte einfach so ein Gefühl und hat dem Gefühl vertraut. Nach der Pause war das richtig gut für mich, wieder zu spielen. Ich wusste ja nicht, wie gut meine Form ist und wo ich stehe. Jetzt weiß ich, dass ich wieder voll da bin - und für die Mannschaft ist es auch wichtig, dass sie wieder zwei fitte Torhüter hat."

Du hattest einen super Start in das Spiel - gleich die ersten vier Bälle hast Du gehalten. Wie lange hast Du geglaubt, dass ihr zu Null spielen könnt?
(Lacht) "Das habe ich natürlich überhaupt nicht überlegt. Aber ein guter Start hilft immer. Nur, für mich war eine andere Sache wichtiger: Nach den ersten Bällen hatte ich eine schwierige Phase, wo ich ein bisschen untergegangen bin. Ich wollte unbedingt in das Spiel zurück - eine Kopfsache. Ich habe mir in Gedanken selbst einen Schlag in den Nacken gegeben und gesagt, dass ich hundert Prozent geben muss - und dann habe ich einen Gegenstoß gehalten und war wieder richtig drin im Spiel."

Du hast die Zuschauer begeistert - hörst Du die "Rasmussen!", "Rasmussen!" Rufe?
Ich höre die manchmal, nicht immer. Eher nimmt man die Halle insgesamt wahr. Die Zuschauer sind der achte Mann für uns - sie geben uns das Gefühl, unschlagbar zu sein! Wir werden verwöhnt hier in Flensburg - das ist eine Luxussituation."

Wie war bei euch die Stimmung nach dem Spiel?
"Wir waren sauer. Ljubo war sauer. Nur ein Punkt in eigener Halle - das geht nicht! Wir sind in so einer wichtigen Periode der Saison - in der Meisterschaft, im Final Four, in der Championsleague - überall geht es jetzt um alles. Deswegen mussten wir nach dem Spiel alle aufschreiben, was unsere Ziele sind in den wichtigen Spielen jetzt im April. Und wir haben darüber gesprochen, dass wir alle in den nächsten Spielen etwas verbessern können - eine Stunde lang. Das war ja auch kein schönes Spiel, kein gutes Spiel von uns. Wir haben viele Fehler gemacht, ich habe auch Fehler gemacht, wir sind nicht genug gelaufen, haben keine Gegenstöße hinbekommen."

Gestern standest Du im Zentrum des Geschehens, sonst bist Du häufig nur oder viel auf der Bank. Wie ist diese Situation für dich?
"Ich war das in Dänemark bis vor knapp drei Jahren anders gewohnt. Denn in Aalborg habe ich immer gespielt. So ist es schwieriger in einen Rhythmus zu kommen, insgesamt ist die Situation eine Herausforderung. Das Training wird besonders wichtig, um die eigene Stärke zu halten. Ich glaube aber, dass ich das gut kann. Ich gehe immer mit einem Plan zum Training: Was will ich heute verbessern? Was will ich insgesamt in dieser Woche verbessern? Mir hilft es zusätzlich, wenn ich kurze Einsätze bekomme. Auch wenn es nur die letzten Minuten in einem Spiel sind, das schon längst entschieden ist. Und grundsätzlich ist es so, dass bei uns jeder seinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen will, egal ob er viel spielt oder wenig. Das macht diese Mannschaft aus - jeder gibt in seiner Rolle alles."

Apropos Rolle: Hast Du ein Amt in der Mannschaft?
"Ja, ich bin Wäschewart. Zusammen mit Mattias Andersson. Ein harter Job - wir müssen nach jedem Training und nach jedem Spiel die Kleidung zur Wäscherei bringen. Aber immerhin sind wir zu zweit. Vorher war ich übrigens Partywart - aber ich habe verdient, das nicht mehr zu sein."

Wie kommts?
(grinst) "Die Manschaft hat mich wegen meines Wahlversprechens gewählt: Ich habe gesagt, dass ich mit Bryan Robson, dem Manager von Manchester, telefoniere und wir alle zusammen ein Spiel von Manchester United im Old Trafford-Stadion angucken werden. Das hat gezogen. Aber am Ende war es wie mit anderen Wahlversprechen auch - ich habe überhaupt nichts gemacht.

Eine Frage von einem SG Inside-Facebook-Fan war: Wie steckst Du Kopftreffer weg?
"Oh, das ist ein Problem bei mir - ich bekomme leicht eine Gehirnerschütterung. In Dänemark bin ich mal wochenlang ausgefallen, nachdem ich einen Ball an den Kopf bekommen habe. Da hat es richtig ding-dong gemacht in meinem Kopf. Aber ich habe deswegen keine Angst. Ein Handballtorwart und Angst - das passt nicht zusammen. Und wenn ich mir einen Spieler aussuchen dürfte, von dem ich garantiert nie einen Ball an den Kopf bekomme: Petar Djordjic. Das ist der Schlimmste - ich kenne keinen, der so hart schießen kann.

Apropos: Wie geht die Mannschaft mit seinem Wechsel nach Hamburg um?
"Es ist schade, dass er geht. Petar passt gut hier rein. Aber er wird wohl ein gutes Angebot bekommen haben. Das ist okay, wir sind Profis und man muss auf sich selber gucken. Aber wir machen auch Jokes, mit Dollarzeichen und so. Und die Reaktionen im Publikum finde ich auch okay - sie zeigen doch, dass das alles den Fans nicht egal ist!"

Mattias Andersson spielt schon lange auf hohem Niveau, Du hältst häufig stark bei deinen Kurzeinsätzen und warst gestern überragend. Was ist das Geheimnis? Wie sieht euer Training aus?
"Manchmal machen wir Torwarttrainig mit Jan Holpert. Aber nicht oft. Ljubo macht auch manchmal Torwarttraining mit uns - aber ich mache am liebsten selber Torwarttraining. Ich habe immer Ideen, was ich brauche. Dazu kommt, dass Mattias und ich routinierte Torwarte sind. Wir müssen nicht mehr so viel Neues lernen."

Stichwort Routine: Wie lange bleibst Du denn noch in Flensburg?
"Mein Vertrag läuft noch bis zum Ende der nächsten Saison. Ich bin dann 38 und die SG hat mir schon gesagt, dass es dann nicht mehr weitergeht. Ich dürfte sogar nach dieser Saison gehen, wenn ich ein gutes Angebot bekomme. Ich entscheide das aus dem Bauch. Ich habe auch in der Vergangenheit schon mehrfach gute Angebote ausgeschlagen. Im Moment glaube ich, dass ich bleibe - Flensburg ist eine Luxusstelle und in Handewitt wohne ich mit meiner Frau und unseren zwei Kindern superschön - kurzum: Ich habe noch keinen Plan!"

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