Abschied mit Triumph : So endet die Zeit von SG-Spieler Rasmus Lauge in Flensburg

Nach der Titelverteidigung am Sonntag heißt es nun: Tschüss, Rasmus!

Nach der Titelverteidigung am Sonntag heißt es nun: Tschüss, Rasmus!

Bevor der Däne bei Telekom Veszprem anfängt, wagt unser Reporter einen kleinen Karriere-Rückblick.

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11. Juni 2019, 15:52 Uhr

Da flackert es wieder auf, dieses Leuchten in den tiefbraunen Augen von Rasmus Lauge. Deutscher Meister 2019 mit der SG Flensburg-Handewitt, den Titel verteidigt, nach einer fast perfekten Bundesligasaison – welch ein Glücksgefühl! Und das vorläufige Happy-End einer langen Geschichte, die 2004 ihren Anfang nahm, als der damals 13 Jahre junge Rasmus ebenfalls mit leuchtenden Augen vor dem heimischen Fernseher im dänischen Bjerringbro saß und beim Anblick seiner für die SG spielenden Idole Joachim Boldsen und Lars Christiansen den Entschluss fasste: „Ich will einer der besten Handballer der Welt werden. Da will ich auch mal hin.“

Überragende Spielintelligenz und hohe Qualität

Große Träume eines kleinen Steppkes, der diese mit riesiger Euphorie und unbändigem Ehrgeiz Realität werden ließ. Heute ist der 27-jährige Däne zu einem der besten Ballwerfer dieses Planeten herangereift. Als tragende Säule des Flensburger Clubs. Ausgestattet mit einer überragenden Spielintelligenz und hoher Eins-gegen-Eins-Qualität. Mit- und Gegenspieler sind voll des Lobes und sprechen voller Respekt über ihn, den „kompletten Handballer“, den Spieler, dessen Spiel „unheimlich schwer zu lesen ist“ – und über einen „tollen Menschen“, der auch schon mal als „perfekter Schwiegersohn“ verulkt wird.

Apropos perfekt. So kann man getrost die Saison des 1,96 Meter großen Rückraumspielers bezeichnen, der selbst sagt: „Es ist die beste Spielzeit meiner Karriere.“ Erst die emotionale Krönung seiner Dänen zum Weltmeister im Januar,  jetzt die triumphale Thronbesteigung in der Bundesliga. Mit ihm als absoluten Anführer. Im Basketball würde man den passionierten NBA-Fan als „Go-to-guy“ charakterisieren, als derjenige Spieler einer Mannschaft, der in der Offensive in entscheidenden Spielsituationen die Verantwortung erhält und nicht selten zum Matchwinner avanciert.

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Das traf auf Lauge in dieser Saison häufig zu. Die logische Konsequenz: die Auszeichnung zum „MVP“ der Bundesligasaison.

Einen besseren Abschluss seiner vier Jahre in Flensburg, die 2015 nach einem unbefriedigenden zweijährigen Intermezzo beim THW Kiel begannen, konnte sich der Däne („Hier habe ich die Leidenschaft gefunden, die ich gesucht habe“) nicht vorstellen. Vier aufregende Jahre, mit den absoluten Höhepunkten „Deutsche Meisterschaft 2018 und 2019“ – und mit dem Tiefpunkt „Meniskusriss 2016“ nach einem bösen Foul in Kielce, verbunden mit dem Aus in der Champions League, der Finalpleite im DHB-Pokal und dem Olympia-Aus für Rio de Janeiro, wo er tatenlos den Goldrausch seiner Dänen mitansehen musste.

Lauge ist dankbar für das Happy-End:

Traumhaft, dass ich mich jetzt so verabschieden kann. Rasmus Lauge
 

Der Däne wird nun demnächst zusammen mit Ehefrau Sabrina, Tochter Freja und Hund Carlo seine Zelte in Ungarn aufschlagen und für den diesjährigen Champions-League-Finalisten Telekom Veszprem auf Titeljagd gehen.

Ziele: Champions-League-Gewinn und Olympia-Gold

Die Gründe für diesen Tapetenwechsel, der zunächst große Enttäuschung bei den SG-Fans hervorrief, hat er frühzeitig und ausführlich kommuniziert. Die da wären: Die hohe Belastung in der Bundesliga („Ich muss meinen Körper schützen“), mehr gemeinsame Zeit mit Tochter und Frau, ein attraktives Salär und die bessere Perspektive, seine verbleibenden großen sportlichen Ziele zu erreichen: den Gewinn der Champions League und Olympia-Gold in Tokio 2020.

Manager Dierk Schmäschke lobt den 27-Jährigen bei der Verabschiedung:

Rasmus, du hast die SG von der ersten Minute an geliebt und gelebt. Und bis zum Schluss alles für sie gegeben. Dierk Schmäschke, Manager
 

In diesen Dankesworten klang auch die leise Hoffnung auf ein Wiedersehen mit. „Man kann auch ein zweites Mal ja sagen!“

Ein Szenario, dass der Gepriesene nicht ausschließen möchte. Zwar ist sein Wunsch, dass sein letztes Etappenziel Dänemark beziehungsweise sein Heimatclub Bjerringbro-Silkeborg wird, doch ein finaler Umweg über Flensburg sei durchaus denkbar, so Lauge: „Denn die SG steckt ganz tief in meinem Herzen.“

Alle Artikel rund um die Meisterschaft lesen Sie unter www.shz.de/sg.

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