SG Flensburg-Handewitt : Die Angst vor den WM-Folgen

Flensburgs Kreisläufer Johannes Golla (li.) würde sehr gerne bei der WM spielen, sein Kieler Kollege Hendrik Pekeler hat dagegen bereits seinen Verzicht verkündet.
Flensburgs Kreisläufer Johannes Golla (li.) würde sehr gerne bei der WM spielen, sein Kieler Kollege Hendrik Pekeler hat dagegen bereits seinen Verzicht verkündet.

Bis zu zehn SG-Spieler in Ägypten dabei, während auch THW-Profi Niclas Ekberg auf das Turnier verzichtet.

Jannik_Schappert_8449.jpg von
18. Dezember 2020, 18:09 Uhr

Flensburg/Kiel | Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und nun auch Niclas Ekberg. Der Rechtsaußen des THW Kiel verzichtet aus familiären Gründen auf die Teilnahme an der umstrittenen Handball-WM in Ägypten (13.-31. Januar).

Der Schwede ist nach dem deutschen Trio der vierte Kieler, der diese Entscheidung seinem Nationaltrainer mitteilte. „Das nehmen wir hier in Flensburg natürlich zur Kenntnis“, sagte Maik Machulla. Der Trainer der SG Flensburg-Handewitt erwartet eine hohe Belastung für viele seiner Leistungsträger.

Weiterlesen: Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold sagen Teilnahme an Handball-WM ab

Gespräche mit allen Spielern

„Mich macht das gar nicht stutzig“, so SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke zu der Absagenflut beim Nordrivalen. Jede Absage sei ein individueller Entschluss, der auch mit dem Alter der Spieler zu erklären sei. Weinhold (34), Wiencek (31), Ekberg (31) und Pekeler (29) haben bereits viele Titel gewonnen und viele Turniere in den Knochen.

Wir haben mit all unseren Spielern gesprochen, ohne sie zu beeinflussen. Maik Machulla
 

Jede Entscheidung in die eine oder andere Richtung werde respektiert. Während die Liste der Kieler WM-Fahrer kürzer wird, geht die Tendenz in Flensburg dahin, dass es keine Absage eines nominierten Spielers aufgrund der Corona-Situation gibt.

„Bauchweh“ bei der SG

Der Reiz, das eigene Land bei einem sportlichen Großereignis zu vertreten, ist dann doch zu groß, die Aussicht auf eine Medaille zu verlockend. „Das darf man nicht vergessen: Eine WM ist ein riesiges Erlebnis“, sagte Schmäschke. Die Austragung des Turniers sei für ihn mittlerweile „so sicher wie das Amen in der Kirche“. Zudem wollen gerade junge Spieler sich für die Olympischen Spiele empfehlen.

„Mit Bauchweh“, so der Geschäftsführer, werde die SG ihre Profis den Nationalteams überlassen. Nicht ausgeschlossen, dass in Ägypten gleich zehn Flensburger enormen Belastungen ausgesetzt sind: Magnus Röd, Göran Sögard, Torbjörn Bergerud und Magnus Jöndal (alle Norwegen), Lasse Svan, Simon Hald und Mads Mensah (alle Dänemark), Jim Gottfridsson und Hampus Wanne (beide Schweden) sowie Johannes Golla für Deutschland.

Am Montag benennt Bundestrainer Alfred Gislason den endgültigen deutschen Kader, Gollas Nominierung ist durch den Verzicht von Wiencek und Pekeler reine Formsache. Der formstarke Kreisläufer, der erst vor einem Monat sein Comeback nach einem Mittelfußbruch feierte, steht bereit:

Wenn der Bundestrainer mich nominiert, bin ich gerne dabei und freue mich auf das Turnier. Johannes Golla
 

Bei allem Stolz auf die Entwicklung des 23-Jährigen meint Machulla: „Da könnte in Ägypten eine enorme Belastung auf Johannes zukommen. Wir sind besorgt darüber, in welchem körperlichen Zustand er dann heimkehren würde.“

Mehr WM-Spieler als andere Topclubs

Der THW Kiel kann maximal noch sieben Spieler zu dem Turnier entsenden, gleiches trifft auf die Rhein-Neckar Löwen zu. Der SG droht im Vergleich mit der Konkurrenz somit ein Wettbewerbsnachteil, wenn die Terminhatz im Februar in der Bundesliga weitergeht.

Ekberg ist übrigens nicht der einzige Schwede, der Nationaltrainer Glenn Solberg abgesagt hat. Auch die Löwen Lukas Nilsson und Jepser Nielsen, Andreas Nilsson (Veszprem) und Linus Arnesson (Bergischer HC) lassen die WM aus persönlichen Gründen sausen. Schmäschke: „Es werden noch andere Spieler absagen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen