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SG Flensburg-Handewitt : Nach Pokal-Drama: Schwerstarbeit für neuen Co-Trainer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Maik Machulla muss mit Ljubomir Vranjes die Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt nach dem Pokal-Drama wieder aufrichten.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 07:04 Uhr

Flensburg | Intensiver kann eine Achterbahn der Gefühle kaum sein. Riesengroß ist vor kurzem die Freude, die Maik Machulla empfindet, als er seine Unterschrift unter den Vertrag setzt, der ihn in den kommenden Jahren offiziell den Platz als Co-Trainers an der Seite von Ljubomir Vranjes sichert. Welch’ schwere Verantwortung in diesem Job steckt, muss der 37-Jährige nach der dramatischen Niederlage der SG beim Finale des Final4 in Hamburg gegen die Berliner Füchse erfahren. „Als Spieler musst du sehen, wie du selbst mit so einem Schock fertig wirst. Als Trainer siehst du das Ganze. Meine eigene Betroffenheit ist nicht wichtig. Es kommt darauf an, die Spieler schnell aus dem tiefen Loch heraus zu holen“, sagt Machulla gestern Morgen, nach einer kurzen Nacht, ganz in der Nähe seines Hauses, im Manfred-Werner-Stadion in Weiche. „Es tut gut, jetzt nicht in einem Café, sondern auf einer Sportanlage zu sein, denn Sport ist nun mal unser Leben“, sagt der zweifache Vater.

Erst um 2 Uhr früh verließen die letzten Spieler das Teamtreffen nach dem Pokal-Drama. Bewusst gab es Sonntag Abend nicht wie bei den Pokal-Niederlagen in den vergangenen Jahren einen Empfang mit den Fans in der SG-Lounge. Dafür tat es diesmal zu weh. Denn verloren wurde nicht gegen einen THW Kiel, der einfach besser war, „sondern gegen Berliner, die ganz klar schlagbar waren“, sagt Maik Machulla. Die Chance dafür wurde durch Fehler auf jeder Position verspielt. Die brutale Enttäuschung darüber zeigt jeder Spieler anders – von fassungslosen Blicken, die starr und leer auf dem Boden kleben, bis zu Wutausbrüchen, bei denen gegen Getränkekisten und Torpfosten getreten wird. „Eigentlich wollte jeder nur noch für sich sein“, beschreibt Machulla die Stimmung, als der SG-Bus am Sonntag gegen 18.30 Uhr die Stätte der bitteren Niederlage verlässt. Doch während der Fahrt ändert sich die Stimmung, wird ein geschützter Raum gebucht, in dem die Mannschaft ganz für sich sein, allen Frust, allen Gedanken freien Lauf lassen kann. Vielleicht kein Zufall, dass dieser Raum mitten in Handewitt liegt und über Jahrzehnte von großer Bedeutung für die SG war. „Es tat gut, zusammen zu sein. Besonders die, die alleine leben, die keine Kinder haben, wollten Ljubo, unser Kapitän und ich nicht alleine lassen“, sagt Maik Machulla.

Gut tat auch die Zeit, die die Mannschaft gestern – mit leichter Bewegung – miteinander verbrachte. „Ein solches Drama braucht lange, um verarbeitet zu werden. Wir hoffen aber, dass das Team nun wieder den Blick nach vorne richten kann“, sagt der neue Co-Trainer, der ab Sommer an seiner A-Lizenz arbeiten wird und sich besonders auf die Zusammenarbeit mit den jungen Spielern freut. Neben Torhüter Christopfer Rudeck stehen zwei von ihnen auf der Schwelle zum Profiteam. Lukas Blohme und Michael Nicolaisen werden nach ihren Schulabschlüssen im Sommer die komplette Saison-Vorbereitung mit der Ersten absolvieren. „Und auch für mich wird es der erste Saisonstart als Trainer sein“, sagt Machulla. Wie wird die Aufgaben-Teilung mit Vranjes sein? „Das hängt davon ab, wie viele Spiele wir pro Woche haben. Je mehr es sind, desto stärker werde ich Ljubo in allen möglichen Bereichen den Rücken frei halten.“ Trainer und Co-Trainer betonen, wie froh sie sind, künftig ein Team zu sein. Auch in diesen Tagen, in denen sie zusammen ihre Spieler aufbauen, sich unter vier Augen auch gegenseitig neue Zuversicht schenken.

„Die jungen Spieler, die erstmals in einem großen Endspiel standen, haben einen Teil ihrer Unbekümmertheit verloren. Schwere Niederlagen sind für die spielerische und persönliche Entwicklung leider unverzichtbar“, sagt Machulla. Dafür hätten die Youngster den Vorteil, dass sie noch einige Chancen haben, Titel zu gewinnen. Das ist für die gesamte SG auch in dieser Saison noch möglich. Ostermontag kann im Spiel gegen Skopje die Tür zum Final Four der Champions-League aufgestoßen werden.

Für den neuen Co-Trainer steht fest, dass er als Spieler keine Triumphe mehr feiern wird. Durch mehrere Handicaps ist der gebürtige Greifswalder langsam und über wenige Kurzeinsätze nach 17 Jahren aus der Profispieler-Karriere geglitten, ohne Schlusspunkt, ohne Abschiedsspiel. „Für mich ist das ok. Ich habe mit sehr guten Teams Erfolge gefeiert, obwohl ich eher ein harter Arbeiter als ein begnadetes Talent war.“ Jetzt als Trainer ein Teil der SG zu sein, „ist für mich und meine Familie ein Traum, auch in diesen schweren Tagen.“

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