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Polens deutscher Trainer : Michael Biegler: „Es wird eine unvergessliche EM werden“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Polens deutscher Nationalcoach Michael Biegler steht vor dem Höhepunkt seiner langen Trainer-Laufbahn. Was er von der EM erwartet, erzählt er im Interview.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 09:54 Uhr

Herr Biegler, die EM in Polen steht unmittelbar vor der Tür. Als Nationaltrainer des Gastgebers stehen Sie besonders im Fokus. Was dürfen die Handball-Fans erwarten?

Es wird eine unvergessliche EM werden. Und Polen wird ganz sicher ein überragender Gastgeber sein. Unzählige helfende Hände werden sich um die vielen Gäste kümmern. Denn eines ist klar: Die Polen wollen ein tolles Bild abgeben.

Die ganze Nation träumt vom Titelgewinn. Bei aller Vorfreude: Spüren Sie auch Druck?

Die Polen sind ungemein sportbegeistert, es herrscht eine riesige Begeisterung – das ist uneingeschränkt positiv und keinesfalls negativ. Wir haben auf dem Weg zu diesem Turnier mit unserer Mannschaft seit 2012 eine gute Entwicklung genommen und dabei viele Drucksituationen gemeistert. Wir haben uns für die Europameisterschaft in Dänemark qualifiziert, haben die WM-Playoffs gegen Deutschland gewonnen, und die Mannschaft hat bei der WM in Katar vor einem Jahr mit der Bronzemedaille einen Top-Job abgeliefert. Das Team weiß also, wie das funktioniert. Und deshalb verspüre auch ich keinen Druck und freue mich vielmehr auf das Turnier. Die Mannschaft hat bislang überragend mitgezogen und ist über die Jahre sehr, sehr gewachsen.

Sie sind inzwischen seit 30 Jahren Trainer, haben diverse Bundesliga-Mannschaften betreut und waren Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Wird die EM der Höhepunkt ihrer langen Laufbahn?

Für einen Sportler ist das nächste Ziel immer das wichtigste, deswegen ist es schwierig so eine Frage vernünftig zu beantworten. Sicherlich wird man irgendwann nach der Karriere auf dem Liegestuhl liegen und alles noch einmal Revue passieren lassen. Und einige Momente werden dann hervorstechen. Die EM gehört dann vielleicht dazu.

Worauf wird es für Sie und das Team ankommen, wenn 15.000 Fans die Halle in Krakau in einen Hexenkessel verwandeln?

Hexenkessel? Nein, diesen Begriff finde ich aus unserer Sicht unpassend. Die Arena wird sich in einziges Meer in Weiß und Rot verwandeln, das wird die Spieler beflügeln und zu Höchstleistungen anspornen.

Sie trainieren seit Sommer auch den finanziell angeschlagenen HSV Hamburg. Inwieweit belastet Sie die drohende Insolvenz des Clubs?

Gar nicht. Die Situation ist kein Stressfaktor für mich. Ich bin zurzeit voll und ganz in Weiß und Rot getaucht, und da interessiert es mich nicht, was in Hamburg passiert. Ich befinde mich komplett im Tunnel. Mich interessiert, wie es meiner Lebenspartnerin und meiner kleinen Tochter geht – alles andere blende ich aus.

Was trauen Sie der neu formierten deutschen Mannschaft zu?

Deutschland spielt auf der anderen Turnierhälfte, da weiß ich gar nichts drüber und habe in den letzten Monaten auch nichts gesehen. Ehrlich. Wir haben unseren Fokus voll unsere Vorrundengegner und die möglichen Kontrahenten in der Hauptrunde gelegt und deswegen sieben Dossiers angelegt. Für den Rest habe ich keine Zeit, ansonsten würde ich auch irgendwas falsch machen.

Wer ist Ihr EM-Favorit?

Frankreich. Sie sind noch immer sehr hungrig und am weitesten, was die Parameter unseres Sports angehen. Dahinter kommen Spanien, Kroatien und Dänemark. Dann folgen eine Reihe von Nationen, die an guten Tagen – wie wir in Katar – in diese Phalanx einbrechen können.

Zum Abschluss noch eine politische Frage: Zuletzt ist die nationalkonservative Regierung in Warschau in die Schlagzeilen geraten. Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Polen?

Es ist nicht meine Aufgabe, diese Dinge zu kommentieren. Da sollten wir Sportler uns raushalten. Ich kenne mich im Sport aus und bin kein Experte in der Politik.

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