Handball-WM : Mit neuem Mut in die WM-Hauptrunde

Am Ende stand es 36:26 für die deutschen Handballer im Spiel gegen Tunesien. Die nächsten Gegner heißen Island, Ungarn und Norwegen.

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22. Januar 2011, 11:06 Uhr

Kristianstad | Manch deutschem Handballer stand wieder ein Lächeln im Gesicht. Sie hatten zwar, wenn auch nur kurzzeitig, in den Abgrund geblickt in der schmucken Kristianstad-Arena. Doch diesmal bewältigten sie eine Krise. Schon eine Viertelstunde vor Schluss, als Kapitän Pascal Hens einen Tempogegenstoß zum 27:17 verwandelte, stand der Einzug in die Hauptrunde der 22. WM in Schweden fest. Am Ende bezwang Deutschland den Afrikameister Tunesien mit 36:26 (15:12). "Ich hatte heute wieder Spaß am Spiel", sagte Brand. "Das Niveau unseres Angriffsspiels hat sich verbessert, ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können."
Das Team von Bundestrainer Heiner Brand startet nun allerdings mit der Hypothek von 0:4-Punkten in die Runde der letzten Zwölf. In Jönköping trifft das Team am Sonnabend auf Island und dann auf Ungarn und Norwegen. "Jetzt wollen wir jedes dieser drei Spiele gewinnen und dann sehen, was dabei heraus kommt", sagte Torwart Johannes Bitter (HSV), der mit 19 Paraden erneut als starker Rückhalt seines Teams agierte. Der Einzug ins Halbfinale ist zwar theoretisch noch denkbar. Das eigentliche Ziel aber heißt Platz sieben und damit die Berechtigung für die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für Olympia 2012. "Natürlich wollen wir das unbedingt erreichen", sagte Hens.
Die Nerven flatterten ein wenig
Die Frage war: Wie hatte das Team die 23:30-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich vom Vortag verarbeitet? "Wir haben wie Männer offene Worte dafür gefunden", berichtete der Kieler Dominik Klein. "Und wir haben die richtige Reaktion gezeigt, wir hatten wieder Spaß am Handball." Es habe ein wenig gedauert, bis man ins Spiel gefunden habe, sagte Michael Kraus (HSV).
Die Nerven flatterten ein wenig, schließlich drohte am letzten Vorrundenspieltag den Männern das gleiche düstere Szenario wie den Frauen im Dezember bei der EM. Auch die Männer standen am Abgrund, weil Ägypten überraschend gegen Bahrain verlor und so mindestens ein Remis erforderlich war: Trotz guten Starts und 6:3-Führung (8.) entglitt ihnen für ein paar Minuten die Partie, als sie sich fünf technische Fehler leisteten. Nun stockte der Angriff, den Kraus erneut nur leidlich strukturierte. Brand, tiefe Sorgenfalten im Gesicht, schaute dem traurigen Treiben recht fassungslos zu. In der 14. Minute, inzwischen hatte der Gummersbacher zur Beruhigung eine Auszeit genommen, schien die Situation zu eskalieren: Brand schrie Kraus an. Und Kraus brüllte zurück, bevor er sich wieder dem Angriff zuwendete.
Nordafrikanern gingen Kräfte und Ideen aus
Da stand es bereits 6:7, und als Heykel Megannem, der erfahrene tunesische Kapitän, seine Klasse aufblitzen ließ, drohte beim 8:10 (17.) gar das Aus. Wenn die deutsche Mannschaft das Spiel danach einigermaßen in Griff bekam, dann lag das an der 6:0-Abwehr, die sich nun steigerte - und an Bitter. Der Torhüter bestätigte seine glänzende Form (Quote in den ersten vier Partien: 48,4 Prozent), als er bis zur Pause mehr als die Hälfte aller Bälle abwehrte. Immer wieder schrie der 2,05 m große Keeper seine Vorderleute nach vorn, motivierte sie, und er kompensierte auch die zwei unnötigen Zeitstrafen, die sich Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen) in dieser Phase leistete.
In Halbzeit machte das Team dann kurzen Prozess mit den Nordafrikanern, denen die Kräfte und Ideen ausgingen. Vor allem Klein, der für Uwe Gensheimer kam, brachte viel Elan ins Spiel. "Wir wissen ja auch, dass wir es können", meinte der Linksaußen. Die deutschen Handballer haben wieder Mut gefasst.

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