Außenseiter Deutschland setzt auf Teamgeist

Das deutsche WM-Aufgebot, Hinten von links: Teamkoordinator Tom Schneider, Christoph Theuerkauf, Steffen Weinhold, Patrick Wiencek, Oliver Roggisch, Sven-Sören Christophersen, Physiotherapeut Reinhold Roth; Mitte v. l.: Co-Trainer Frank Carstens, Physiotherapeut Peter Gräschus, Kevin Schmidt, Stefan Kneer, Adrian Pfahl, Michael Haaß, Steffen Fäth, Mannschaftsarzt Dr. Marco Kettrukat, Bundestrainer Martin Heuberger; Vorn v. l. Dominik Klein, Martin Strobel, Silvio Heinevetter, Carsten Lichtlein, Patrick Groetzki, Tobias Reichmann. Foto: dpa
Das deutsche WM-Aufgebot, Hinten von links: Teamkoordinator Tom Schneider, Christoph Theuerkauf, Steffen Weinhold, Patrick Wiencek, Oliver Roggisch, Sven-Sören Christophersen, Physiotherapeut Reinhold Roth; Mitte v. l.: Co-Trainer Frank Carstens, Physiotherapeut Peter Gräschus, Kevin Schmidt, Stefan Kneer, Adrian Pfahl, Michael Haaß, Steffen Fäth, Mannschaftsarzt Dr. Marco Kettrukat, Bundestrainer Martin Heuberger; Vorn v. l. Dominik Klein, Martin Strobel, Silvio Heinevetter, Carsten Lichtlein, Patrick Groetzki, Tobias Reichmann. Foto: dpa

Die deutschen Handballer starten am Samstag mit vielen "Frischlingen" gegen Brasilien in die WM in Spanien. Mit Teamgeist wollen sie erfolgreich sein.

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10. Januar 2013, 08:19 Uhr

Barcelona | Große Mannschaften, weiß Bundestrainer Martin Heuberger, "sind nicht von heute auf morgen geboren worden". Daher verbiete es, über Medaillen zu sprechen. Die Mission bei der 23. Handball-WM in Spanien, die für deutsche Nationalmannschaft morgen in Granollers mit der Partie gegen Brasilien (16 Uhr/ARD) beginnt, ist also schwierig. Völlig unwägbar trotz der guten Testpartien gegen Schweden (26:20, 28:28) und Rumänien (35:25), wie sich die sechs WM-Debütanten auch im Wettkampf mit den weiteren Gruppengegnern Tunesien, Argentinien, Montenegro und Frankreich schlagen. "Sicherlich ist es heikel", sagt Horst Bredemeier, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB). "Das Erreichen des Viertelfinales wäre ein Riesenerfolg."
Unmöglich sei nichts, sagt Bredemeier. Der Funktionär zieht einen historischen Vergleich zur WM 1993 in Schweden. Auch damals sei die Mannschaft unerfahren und jung gewesen, habe aber mit ihrem unbekümmerten Spiel die Fachwelt mit einem fünften Platz überrascht. "Das war die Geburtsstunde von Leuten wie Christian Schwarzer und Volker Zerbe", erinnert sich Bredemeier. Doch natürlich ist das Team aus dem Mutterland des Handballs krasser Außenseiter gegen eingespielte Gegner wie Olympiasieger Frankreich, Gastgeber Spanien oder Europameister Dänemark.
Zumal durch die Absage von Holger Glandorf (SG Flensburg-Handewitt) der einzige Rückraumspieler mit Weltklasseformat im Dezember abgesagt hat. Überhaupt hätte ein deutsches Team aus verletzten Profis und solchen, die aus anderen Gründen fehlen, durchaus die Chance auf eine Medaille: Angefangen mit Torhüter Johannes Bitter (HSV Hamburg) über die Flügelspieler Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen, verletzt) und Christian Sprenger (THW Kiel, Rücktritt) bis zu den Rückraumspielern Pascal Hens, Michael Kraus (beide HSV), Lars Kaufmann (Flensburg) und den schon 2008 zurückgetretenen Christian Zeitz (THW Kiel), der zweifellos zu den besten Individualisten der Handballwelt zählt.
So ist mit Kapitän und Abwehrchef Oliver Roggisch (Löwen) nur noch ein Profi übrig geblieben, der 2007 beim WM-Titel im eigenen Land zum Stammpersonal zählte. Die aktuellen Profis haben nun beschlossen, den unübersehbaren Qualitätsverlust mit einer Mischung aus Mannschaftsgeist, Trotz und guter Stimmung zu kompensieren. Sogar Torwart Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), der in seinen Teams oft wie ein Fremdkörper wirkt, entwickelt väterliche Gefühle für die Novizen. "Gerade die älteren Spieler wie Roggisch und Heinevetter haben uns gut aufgenommen", berichtete Linksaußen Kevin Schmidt, neben Steffen Fäth und Tobias Reichmann einer drei Debütanten von der HSG Wetzlar.
"Alle, die neu sind, haben sich gut eingefügt", sagt Michael Haaß (Göppingen), dem als Regisseur und Abwehrspieler eine extrem wichtige Rolle in Spanien zukommt. "Ob man das erste oder 100. Länderspiel macht, spielt keine Rolle, das haben wir den Jungs auch gesagt. Die spielen jede Woche in der Bundesliga, die sind abgebrüht genug." Der 29-Jährige sieht das Team auf einem "sehr guten Weg", und überhaupt sei die Ausgangslage nicht so schlecht. "Wenn man ehrlich ist, erwartet niemand etwas von uns", sagt Haaß. Dass die DHB-Auswahl nicht so unter Druck stehe, könne ein Vorteil sein.
Was für das Team gilt, trifft auf den Trainer freilich nicht zu. Zwar enttäuschte das Team unter Bundestrainer Heuberger bei der EM in Serbien mit dem siebten Platz keineswegs. Doch die ziemlich katastrophalen Auftritte im WM-Playoff in Bosnien-Herzegowina und noch mehr die Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Montenegro haben viel Kredit aufgebraucht. Es hat danach viel Gegrummel gegeben hinter den Kulissen des deutschen Handballs. Ein schlechtes Coaching könnte schon eine heftige Trainerdiskussion heraufbeschwören. Auch deshalb ist für Spannung gesorgt in Spanien.

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