Handball-EM : Uwe Gensheimer – Kapitän in der Krise

Deutschlands Uwe Gensheimer (l.) wirft auf das Tor von Sloweniens Urban Lesjak.
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Deutschlands Uwe Gensheimer (l.) wirft auf das Tor von Sloweniens Urban Lesjak.

Nach starkem Turnierauftakt nachgelassen: Linksaußen Uwe Gensheimer fehlen die Leichtigkeit und der Killerinstinkt.

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24. Januar 2018, 08:43 Uhr

Varazdin | Körperpflege, Wellness, ein gemeinsames Abendessen mit dem Team: Uwe Gensheimer genoss den spielfreien Tag in vollen Zügen. „Es hat uns gut getan, mal nicht so viel mit Handball am Hut zu haben“, sagte Gensheimer. Die durchwachsenen EM-Auftritte haben ihre Spuren hinterlassen beim Kapitän der deutschen Handballer.

„Ich weiß, dass ich noch nicht gespielt habe, wie ich es von mir gewohnt bin und es andere von mir gewohnt sind“, sagte Gensheimer im ZDF-Interview: „Das tut ein Stück weit weh, aber ich werde nicht aufgeben, es zu probieren. Auch gegen Spanien.“ Soll sein großer Traum von einem Titel mit der deutschen Nationalmannschaft nicht schon in der Hauptrunde platzen, das weiß Gensheimer, dann muss im „Endspiel ums Halbfinale“ gegen die Iberer am Mittwochabend (20.30 Uhr, Liveticker shz.de) eine Leistungssteigerung her. Auch und vor allem bei ihm.

Kaum Gefahr im Gegenstoß, schwache Wurfausbeute vom Siebenmeterpunkt, Wackler in der Defensive: Die bisherigen Vorstellungen Gensheimers bei der EM geben Rätsel auf. Dem 31-jährigen Starspieler von Paris St. Germain fehlen die Leichtigkeit und der Killerinstinkt, die ihn im Verein seit Jahren auszeichnen. Die Tormaschine stockt. Der Mann mit dem genialen Handgelenk wirkt gehemmt. Nach starkem Turnierauftakt und neun Toren gegen Montenegro zeigte die Formkurve des Königsklassen-Torschützenkönigs in den folgenden Spielen nach unten. Gegen Slowenien verwarf Gensheimer gleich drei (!) Siebenmeter, im Anschluss an die Partie gegen Dänemark (25:26) gab es sogar öffentliche Kritik vom Bundestrainer Christian Prokop, der seinen Kapitän früh gegen den nachnominierten Rune Dahmke ausgewechselt und ihn fast die gesamte Partie auf der Bank schmoren lassen hatte.

Den lahmenden Gegenstoß hat Prokop als eines der Hauptprobleme des deutschen Offensivspiels ausgemacht. Obwohl die Abwehr inzwischen einen überragenden Job macht, fallen bislang kaum leichte Tore. „Gerade beim Tempospiel müssen wir uns deutlich steigern, wenn wir eine Chance haben wollen“, sagte Prokop mit Blick auf die Partie gegen Spanien – eine klare Ansage an Gensheimer.

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