Handball-EM 2018 in Kroatien : THW-Star Duvnjak träumt vom ganz großen Wurf

Domagoj Duvnjak feierte erst im Dezember sein Comeback in der Liga. Die Europameisterschaft in seinem Heimatland zu spielen, lässt er sich aber nicht nehmen.

Domagoj Duvnjak feierte erst im Dezember sein Comeback in der Liga. Die Europameisterschaft in seinem Heimatland zu spielen, lässt er sich aber nicht nehmen.

Der Kapitän von THW Kiel will mit Kroatien den EM-Titel im eigenen Land holen. Die Belastung mit bis zu acht Spielen in 17 Tagen ist jedoch extrem hoch.

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11. Januar 2018, 15:14 Uhr

Kiel | Domagoj Duvnjak hat sich gequält. Siebeneinhalb Monate lang, jeden einzelnen Tag. Für den THW Kiel, aber auch für seinen großen Traum. Für die Mission Gold bei der Handball-EM in seiner Heimat Kroatien. „Auf dieses Ereignis fiebern wir alle seit Jahren hin“, sagte der Kapitän des deutschen Handball-Rekordmeisters der Handballwoche vor dem Start der EM am Freitag.

„Der Druck wird riesig sein“, weiß Duvnjak. Das gilt für sein Team, vor allem aber auch für ihn selbst. Der 29 Jahre alte Rückraumspieler ist Kapitän, Gehirn und unangefochtener Anführer des Teams von Trainerfuchs Lino Cervar. Duvnjak trägt eine große Last auf seinen breiten Schultern. In Kroatien „zählt nur das Finale oder zumindest eine Medaille“, sagt er. Die „Kauboji“ („Cowboys“) vor dem hochemotionalen Publikum mit kühlem Kopf zum ersehnten Erfolg zu führen, ist die wohl schwierigste Aufgabe seiner erfolgreichen Karriere.

Die enge Spitze mit Titelverteidiger Deutschland, Handball-Supermacht Frankreich und Olympiasieger Dänemark sowie seine schwierige Vorgeschichte machen die Aufgabe noch kniffliger. „Das wird vielleicht die stärkste Europameisterschaft der Geschichte, weil jeder gegen jeden gewinnen kann“, sagte Duvnjak. Gleich zum Auftakt könnte der Druck für die Gastgeber und ihren Star kaum größer sein. Am Freitag wartet als erster Gegner vor 12.500 handballverrückten Fans in Split ausgerechnet der Erzrivale Serbien. „Bereits das erste Spiel wird nicht einfach, weil das ein richtiges Derby für uns ist“, betont Duvnjak.

Rückblende: Im vergangenen April 2017 opfert sich Duvnjak für den THW auf, führt die Schwarz-Weißen mit letzter Kraft im DHB-Pokal zum Titelgewinn. Danach zieht er die Notbremse, es geht einfach nicht mehr. Die malade Patellasehne im linken Knie lässt die aufreibende und aufopferungsvolle Spielweise des Ex-Welthandballers nicht mehr zu, eine Operation ist unumgänglich. Am 18. April legt sich „Dule“ unters Messer. Die EM rückt plötzlich in weite Ferne. Die Fans in Kroatien zittern seitdem um ihr Idol, der THW rutscht ohne seinen Topspieler in eine Krise. Erst im Dezember, 228 Tage nach dem Eingriff, feiert Duvnjak gegen Hüttenberg sein Comeback, diese Partie und vier weitere in Folge gewinnt Kiel in der Bundesliga seitdem.

Beim THW wird er so behutsam wie möglich aufgebaut, auch wenn er dort schon in dem einen oder anderen Spiel mehr Minuten auf dem Feld verbrachte als zuvor geplant. Die Teilnahme an der EM ist aber alles andere als ungefährlich für Duvnjak, die Belastung mit bis zu acht Spielen in 17 Tagen extrem hoch. „Das Schlaueste wäre es für alle Beteiligten, er würde bei der EM gar nicht spielen“, sagte THW-Coach Alfred Gislason jüngst in Sorge um seinen Leader. Ob es den Isländer wirklich beruhigen kann, wenn Duvnjak sagt, er denke schon, dass er bei der EM auf Grund der langwierigen und gerade erst überstandenen Verletzung weniger zum Einsatz kommen werde? Für Kroatien ist er oft über 60 Minuten gefordert gewesen. Nun aber betont er: „Wir haben zwei bis drei super Spieler auf jeder Position.“ In Igor Karacic und Luka Cindric (beide Vardar Skopje) sieht er neben sich „zwei weitere starke Mittelmänner. Vielleicht werde ich daher mehr in der Abwehr benötigt und kann im Angriff etwas durchschnaufen.“

Dennoch wird er alles geben. Denn Duvnjak hofft auf den ganz großen Wurf, will sich seinen Traum vom ersten internationalen Titel mit dem Nationalteam unbedingt in der Heimat erfüllen. „Wenn wir für Kroatien auflaufen, sind wir voller Herzblut dabei. Und holen wir den Titel, dann verfällt unser Land in einen Partyrausch, den wir nie vergessen werden.“

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