Kommentar : EM-Aus gegen Spanien: Gebt Christian Prokop Zeit

Christian Prokop steht mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft vor dem Aus.
Christian Prokop und die deutsche Handball-Nationalmannschaft sind bei der Mission Titelverteidigung gescheitert.

Prokop wird aus den Fehlern lernen und die richtigen Schlüsse ziehen. Erst nach der WM 2019 sollte man urteilen, meint Joachim Hobke.

shz.de von
25. Januar 2018, 07:46 Uhr

Wenn ab Freitag um die Medaillen gespielt wird, ist Deutschland nur noch EM-Zuschauer. Es ist bereits der zweite Nackenschlag für den weltgrößten Handball-Verband binnen zwölf Monaten. Nach dem peinlichen Achtelfinal-Aus bei der WM 2017 in Frankreich gegen Katar zählt das deutsche Team nun auch nicht mehr zur Elite Europas. Die Mission „Titelverteidigung“ ist krachend gescheitert, die „Bad Boys“ sind Geschichte. Und die Diskussionen um Christian Prokop beginnen.

Ist der Bundestrainer die Rekordablöse von 500.000 Euro wert, die der Deutsche Handballbund an den SC DHfK Leipzig überweisen musste? Prokop gilt als akribischer Arbeiter, der mit seiner Detailverliebtheit den Spielern auf die Nerven gehen kann. Er ist aber auch ein ausgewiesener Fachmann, der Spieler und Mannschaft entwickeln kann. Das hat er in Leipzig bewiesen. Bei der Nationalmannschaft muss er das noch. Der 39-Jährige hat bei seinem ersten großen Turnier Fehler gemacht. In der Zusammenstellung des Kaders, den er nachträglich modifiziert hat. In der Taktik, die er während des Turniers auf Druck der Mannschaft geändert hat. Im Umgang mit den Spielern, die ihrem Chef nicht immer treu gefolgt sind.

Doch Prokop wird aus diesen Fehlern lernen und die richtigen Schlüsse ziehen. Vorgänger Dagur Sigurdsson wurde nach dem EM-Titel 2016 als der „Heilsbringer“ gefeiert. Bei seinem ersten großen Turnier, der WM 2015 in Katar, kam der Isländer mit dem Team allerdings auch nicht über Platz sieben hinaus. Deshalb sollte eine Beurteilung Prokops Arbeit erst nach der Heim-WM 2019 erfolgen. Wenn Deutschland auch dann bei der Medaillenvergabe wieder nur Zuschauer ist, muss über die Neubesetzung des Trainerpostens nachgedacht werden.

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