Hauptrunde der Handball-EM : Debakel gegen Spanien: Krachendes EM-Aus für deutsche Handballer

Deutschlands Torhüter Andreas Wolff (THW Kiel) ist sichtlich enttäuscht.

Deutschlands Torhüter Andreas Wolff (THW Kiel) ist sichtlich enttäuscht.

Titelverteidiger Deutschland muss gegen Spanien eine Niederlage einstecken und unterliegt im letzten Spiel der Hauptrunde mit 27:31 (13:14).

shz.de von
24. Januar 2018, 20:19 Uhr

Varazdin | Andreas Wolff starrte ins Leere, Julius Kühn und Rune Dahmke saßen mit hängenden Köpfen auf der Bank. Die „Bad Boys“ haben dem Druck nicht standgehalten, die Mission „Titelverteidigung“ ist krachend gescheitert. Bei der Handball-EM in Kroatien hat die deutsche Mannschaft das abschließende Spiel der Hauptrunde gegen Spanien mit 27:31 (13:14) verloren und das Halbfinale verpasst.

 

Während die deutschen Spieler enttäuscht vom Parkett in der Arena Varazdin schlichen, feierten die Spanier ausgelassen ihren Erfolg, der den Sprung unter die besten vier Teams bedeutete. Für den Titelverteidiger ist das Turnier als Fünfter der Hauptrunde hingegen beendet. „Wir haben unsere Ziele nicht erreicht. Dann muss man anerkennen. Spaniens Sieg ist verdient“, sagte Bundestrainer Christian Prokop.

Spaniens Gedeon Guardiole (l) und Viran Morros (r) versuchen Deutschlands Philipp Weber am Wurf zu hindern.
Monika Skolimowska/dpa

Spaniens Gedeon Guardiole (l) und Viran Morros (r) versuchen Deutschlands Philipp Weber am Wurf zu hindern.

 

Dabei erwischte sein Team in einer Neuauflage des EM-Finals von 2016 den besseren Start, führte nach neuen Minuten mit 5:3. Doch die Defensive, an der die Spanier vor zwei Jahren noch zerschellten, stand in der Folge nicht. Drei schnelle Tore brachten die Iberer mit 6:5 nach vorn (13.). Das Abwehrbollwerk um Finn Lemke und Patrick Wiencek im Zentrum bröckelte mehr und mehr. Die Spanier fanden immer wieder ihren bulligen Kreisläufer Julen Aguinagalde. Zudem hielt Torhüter Andreas Wolff zwar solide, der Kieler zeigte aber eben keine Weltklasseleistung wie noch vor zwei Jahren. Bis zum Seitenwechsel hatten die Spanier bereits 14 Mal getroffen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren gelangen ihnen in den 60 Minuten ganze 17 Tore.

Immerhin zeigte sich der Angriff in der ersten Halbzeit verbessert, allen voran Philipp Weber. Der Leipziger brachte endlich seine Qualitäten ein und hebelte die bewegliche Deckung der Spanier immer wieder aus. Mit vier Toren vor der Pause war Weber bester deutscher Angreifer. Mit dem Wiederanpfiff wuchs im deutschen Spiel die Unsicherheit von Minute zu Minute. Nach dem 15:15 (33.) häuften sich Fehler und Fehlwürfe. Zudem misslang die Taktik mit dem siebten Feldspieler, mit der Prokop nach dem 15:19 (38.) für neue Impulse sorgen wollte, völlig. Drei Ballverluste, drei Würfe der Spanier auf das leere deutsche Tor – 15:22 (42.).

„Natürlich muss der Trainer in so einer Phase etwas versuchen. Dass es dann so nach hinten losgeht, ist natürlich bitter“, sagte Lemke. Es drohte ein Debakel. Immer mehr zeigte sich, dass der Matchplan von Prokop nicht aufging. Entweder konnten seine Spieler seine Vorgaben nicht umsetzen – oder es war der verkehrte Plan. Immerhin zeigten das Team Moral, bäumte sich noch einmal auf und ließ den Rückstand nicht weiter anwachsen. Beim 23:28 (54.) ging der Titelverteidiger volles Risiko, öffnete die Deckung und suchte schnelle Abschlüsse. Doch näher als auf 27:30 (60.) kam der (Noch-)Europameister nicht mehr heran.

„Vor zwei Jahren waren wir noch die gefeierten Bad Boys, nun müssen wir vorzeitig nach Hause fahren. Das schmerzt“, sagte Kai Häfner, richtete den Blick dann aber trotzig nach vorn: „Wir werden das Turnier analysieren und die Lehren daraus ziehen. Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass wir bei der Heim-WM 2019 wieder erfolgreich sind.“

Deutschland: Wolff, Heinevetter – Häfner (5), Reichmann (4), Weber (4), Kühn (4), Groetzki (2), Pekeler (2), Wiencek (2), Kohlbacher (2), Gensheimer (2/1), Weinhold, Dahmke, Fäth, Janke, Lemke
Spanien: Perez de Vargas, Corrales – Balaguer (6), Duschebajew (5), Sole (5/5), Aguinagalde (4), Gurbindo (4), Entrerrios (4), Sarmiento (2), Arino (1), Figueras, Rivera, Canellas, Guardiola, Goni Leoz, Morros
  • Schiedsrichter: Pichon/Reveret (Frankreich)
  • Zuschauer: 2000
  • Siebenmeter: 2/1:6/5
  • Zeitstrafen: 2:1
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