Hauptrunde der Handball-EM : Alles oder nichts: DHB-Team vor „Endspiel“ gegen Spanien

Deutschlands Handballer haben einen möglichen Einzug ins EM-Halbfinale nicht mehr in der eigenen Hand.  
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Deutschlands Handballer müssen gewinnen, sonst ist die Mission Titelverteidigung beendet.

Titelverteidiger Deutschland muss am Mittwochabend um jeden Preis gegen Spanien gewinnen. Maximilan Janke ist wieder im Team.

shz.de von
24. Januar 2018, 08:43 Uhr

Varazdin | Tomas Mrkva sei Dank: Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Kroatien ihr erhofftes „Endspiel“ um den Einzug in das Halbfinale. Weil der tschechische Torhüter am Dienstagabend in letzter Sekunde einen Siebenmeter hielt und die Tschechen Mazedonien mit 25:24 bezwangen, kommt es am Mittwochabend (20.30 Uhr/live im ZDF, Liveticker shz.de) für das Team von Bundestrainer Christian Prokop zum großen Showdown mit den punktgleichen Spaniern.

Die Iberer unterlagen am Dienstag im ersten Spiel des Tages überraschend dem WM-Dritten Slowenien mit 26:31. Die DHB-Auswahl benötigt in der Neuauflage des EM-Finales von 2016, das damals sensationell mit 24:17 gewonnen wurde, einen Sieg. Schon bei einem Unentschieden wäre die Mission „Titelverteidigung“ gescheitert. „Wenn wir die Chance auf das Weiterkommen bekommen, gewinnen wir“, versprach DHB-Vizepräsident Bob Hanning noch am Sonntag nach dem unglücklichen 25:26 gegen Dänemark. Nun hat das Team die Chance und muss liefern.

Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausgang schöpft man im deutschen Lager ausgerechnet aus der ersten Niederlage bei diesem Turnier. „So bitter das 25:26 gegen Dänemark auch war“, sagt Bundestrainer Christian Prokop. „das war der Leistungsschritt, der zwingend erforderlich war.“

„In der Vorrunde haben viele Teile im Puzzle gefehlt, gegen Dänemark war es fast komplett“, ergänzt Hanning. Vor allem der Angriff zeigte sich gegen den Olympiasieger stark verbessert. Julius Kühn zündete „sechs kleine Bomben. Ich hoffe, das war der Brustlöser“, so Kühn.

Noch nicht ganz so zufrieden ist Prokop hingegen mit der Spielsteuerung. EM-Debütant Philipp Weber ist auf der zentralen Position im Rückraum bisweilen überfordert. „Da haben wir noch Luft nach oben“, sagt Prokop. Umso bitterer, dass er vor dem vielleicht wichtigsten Spiel seiner noch jungen Karriere als Bundestrainer mit Paul Drux (Meniskusriss) auf seinen zweiten Spielgestalter verzichten muss. Für Drux rückt der Leipziger Maximilan Janke wieder ins Team, der erst am Sonnabend durch Rune Dahmke vom THW Kiel ausgetauscht worden war.

„Wir werden für Paul jetzt den nächsten Schritt machen“, verspricht Weber. „Der Trainer hat sich einen Matchplan zurechtgelegt. Wenn der aufgeht, gewinnen wir.“ Prokop hat sein Team intensiv auf die variable Abwehr des kommenden Gegners, der immer wieder das System wechselt, vorbereitet. Die Spanier hatten den Europameister zuletzt beim 26:24-Testspielsieg Ende Oktober in Magdeburg mit einer sehr offensiven Deckung überrascht. Noch einmal wollen sich die Deutschen nicht überrumpeln lassen.

In der Vorbereitung auf die Partie verzichtete der Bundestrainer bewusst auf einen Blick in die jüngere Vergangenheit: „Das Finale 2016 spielt keine Rolle mehr. Vor zwei Jahren hat sich die Mannschaft aus einer geringen Erwartungshaltung in einen Rausch gespielt und das Turnier mit dem Titel gekrönt. Dieses Mal kämpfen wir ums Halbfinale.“

Der heutige Gegner Spanien
Spanien zählt im Handball seit Jahren zu den Top-Nationen. Der Vize-Europameister stand zwischen 2011 und 2016 bei allen großen Turnieren mit Ausnahme der Olympischen Spiele 2012 mindestens im Halbfinale, einen EM-Titel gab es allerdings noch nie. Ähnlich wie das deutsche Team bestechen die Spanier mit einer kompakten Defensive und einem starken Torhüter-Duo. Bei dieser EM feierte Spanien Kantersiege gegen Tschechien (32:15) und Mazedonien (31:20), gegen Dänemark (22:25) und gestern überraschend gegen Slowenien  (26:31) gab es Pleiten.
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