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Michael Knudsen : "Freundschaft ist eine Form von Liebe"

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Michael Knudsen gilt als emotionalster SG-Spieler. Jubel und Tränen zeigt der Modellathlet offen. Auch privat steht der Däne zu seinen Gefühlen.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 06:02 Uhr

handewitt | Gebannt bleibt der Blick von Michael Knudsen haften - an den Toren, dem hellen Boden und den Kabinentüren der alten Halle mit ihren Teppich bezogenen Tribünen. Hier in der Handewitter Wikinghalle begann sie, die mehr als 30 Jahre lange, erfolgreiche Geschichte der heutigen SG Flensburg-Handewitt. Nach Momenten der Stille werden sensible Gedanken des dänischen Kreisläufers, der seit acht Jahren für die SG kämpft, in Worte gegossen: "Du spürst an diesem Ort sofort, was für eine große Tradition, was für eine besondere Geschichte mit der SG verbunden ist. Wie viele Menschen schon seit vielen Jahren hinter diesem Team stehen, sich für unseren Erfolg engagieren, ohne einen Euro dafür haben zu wollen. Das müssen wir uns viel öfter bewusst machen, das ist etwas ganz Besonderes. In anderen Clubs kaufen sich Millionäre eine Mannschaft zusammen, das wäre nichts für mich. Hier ist alles so lange und gut gewachsen, es ist ein Privileg, ein Teil davon zu sein."

Die großen Schlachten der SG werden in Handewitt schon lange nicht mehr geschlagen. Heute spielen hier die zweite Mannschaft und viele Nachwuchsteams der SG, auch der neunjährige Sohn von Michael Knudsen . "Und er fühlt sich dabei wie ein Großer", sagt der stolze Vater. Nicht nur für den Größten der drei kleinen Knudsens sind die Halle und Handewitt das Zuhause. Seit acht Jahren wohnt der 100 Kilo schwere Modellathlet nur wenige Ecken von der Hölle Nord entfernt. "Es ist hier perfekt für uns. In Deutschland mit dieser anspruchsvollen Liga, aber mit dänischen Schulen und Kindergärten."

Dass im Hause Knudsen Dänisch gesprochen wird, ist kaum zu glauben, denn der 34-Jährige spricht und schreibt fast perfekt Deutsch. Dabei ist er nicht wie andere Spieler nur kurz hinter der Grenze, mit Deutsch als Zweitsprache, aufgewachsen. Das 250 Kilometer entfernte Hobro ist die Geburtsstadt des Profis, der von Fernsehzuschauern mehrfach zum attraktivsten Spieler der dänischen Nationalmannschaft gewählt wurde. Drei berühmte Söhne werden auf der Homepage über Hobro genannt, alle kommen aus dem Sport, Knudsen zählt dazu.

Hobro heißt Brücke. Eine Brücke nach Flensburg lässt sich leicht schlagen. Beide Städte sind nordisch geprägt, rund um einen Fjord gebettet - und Handball verrückt. "In Dänemark hat dieser Sport noch einen viel höheren Stellenwert als in Flensburg. Dort können Nationalspieler nicht einkaufen oder ins Kino gehen, dann hängt gleich eine Traube an Leuten um uns herum." Als Mensch und Spieler lebt Knudsen Emotionen wie wohl kein anderer im SG-Team. "Gefühle sind wichtig, gute Freundschaft ist für auch eine Form von Liebe", sagt Knudsen.

Mit in die Höhe gerissenen Armen schreit er nach Erfolgen mit Urgewalt seine Freude heraus. Nach bitteren Niederlagen fließen leise Tränen, für die sich der gestandene Profi nicht schämt. "Ich muss die Gefühle rauslassen, um mich voll konzentrieren zu können, denn ich will immer gewinnen, ich will keine zweiten Plätze, dafür lebe ich", betont Knudsen.

Der kompromisslose Ehrgeiz des Dänen wird im Elternhaus geweckt - von der älteren Schwester und dem älteren Bruder. "Wir haben als Kinder überall Handball gespielt, sogar in der Küche", erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. Der größte Ansporn ist für ihn, wenn jemand sagt: Das schaffst du nicht. So war es auch, als jemand zu dem damaligen Rückraumspieler sagte, er könne nicht am Kreis spielen. Gleichzeitig suchte der Trainer der dänischen Junioren-Nationalmannschaft einen Kreisläufer - so wurde Knudsens Position besiegelt. "Ich weiß, wie Rückraumspieler ticken, da ich selbst einer war."

Unten in der Halle probt eine Klasse den Hochsprung. Mehrere Schüler tragen SG-Trikots, einer das mit Knudsens Nummer - der 77. Längst hat der Junge sein Idol entdeckt, kommt auf die Tribüne, bekommt ein Autogramm und strahlt. Auch für den SG-Profi ein kostbarer Moment. "Die vielen Spiele und Aufgaben - leider bleibt viel zu wenig Zeit, um einzelne Siege für sich und mit den Fans zu genießen."

Was kommt nach dem Handball? "Er ist seit 20 Jahren mein Leben, aber ich weiß, dass es in paar Jahren anders sein wird." Natürlich will Knudsen seinem Sport verbunden bleiben. Beim Verlassen der Hölle Nord schaut er zurück ins Foyer - und sagt leise: "Aber vielleicht ist es besser, sich erstmal eine Zeit ganz von dem zu distanzieren, das man so sehr liebt."

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