SG Flensburg-Handewitt : Ein Bierdeckel als Lebensplaner

Ein Treffen auf einem Rastplatz besiegelte die SG-Karriere von Jan Fegter. Heute ist der 43-Jährige als Club-100-Geschäftsführer im Einsatz.

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02. April 2013, 09:30 Uhr

flensburg | Ein paar Notizen auf einem Bierdeckel, verfasst auf einer Autobahn-Raststätte zwischen Flensburger Förde und Wilhelmshaven. So wurde Jan Fegter für die SG Flensburg-Handewitt verpflichtet. Das war 1995. Bis heute ist der große, sympathische Blonde eng mit der SG verbunden - als Geschäftsführer des Club 100.

"Manfred Werner rief an, wir haben uns auf dem Rastplatz getroffen - danach war alles geklärt, ohne Taktik, ohne Spielervermittler", erinnert sich Fegter an die nun 18 Jahre zurück liegende Begegnung mit dem damaligen SG-Manager. "Im Endeffekt hat dieser Bierdeckel mein Leben bis heute geprägt", sagt Jan Fegter. Denn Flensburg und Umgebung sind für "Fege" zum sportlichen, privaten und beruflichen Lebensmittelpunkt geworden. Von 1995 bis 2003 trug der 43-Jährige das SG-Trikot, studierte parallel Jura. In Handewitt wurde das Zuhause von Imke und Jan Fegter gebaut. Beruflich hat sich der Fachanwalt für Immobilien- und Verkehrsrecht in der Flensburger Kanzlei "Hoeck, Schlüter, Vaagt" etabliert, ist dort vor wenigen Monaten zum Notar aufgestiegen. Anzug und Krawatte sind auch das Outfit, das der ehemalige Rückraumspieler heute trägt, wenn er für die SG im Einsatz ist. 160 Mitglieder zählt der Sponsoren-Club, dessen Geschicke Jan Fegter leitet. "Nun bin ich auf der anderen Seite gelandet, kann den Sponsoren etwas von dem zurück geben, was sie mir als Spieler ermöglicht haben." Den Beitrag des großen Förderkreises für die erfolgreiche Entwicklung der SG schätzt Fegter als "unverzichtbar" ein. "Viele Mitglieder sind seit vielen Jahren dabei und echte Enthusiasten - eine solche Verbundenheit getragen von vielen Schultern ist im schnelllebigen Profisportgeschäft etwas ganz Besonderes", sagt Fegter. Diese Treue fördert er zusammen mit dem Vorstand und Beirat des Club 100. "Ein tolles Team - alleine ist die komplexe Aufgabe gar nicht leistbar", sagt der Jurist, dessen regulärer Arbeitstag meist zwölf Stunden zählt. Treue Mitglieder pflegen, Versammlungen und Veranstaltungen organisieren - das zählt zur Pflicht der Club-100-Ehrenarbeit. Die Kür ist das Werben neuer Mitglieder. "An die 200" lautet die ehrgeizige Marschroute. "Da es immer häufiger vorkommt, dass Mitglieder den Club schon nach wenigen Jahren wieder verlassen, wird das schwer", sagt Fegter.

Trotz der Anforderungen im Anzug sieht der ehemalige Nationalspieler schlank und fit aus. Spielt er noch Handball? "Ganz selten, wie zur Verabschiedung von Lars Christiansen." Das sportliche Austoben findet heute auf der Anlage des Glücksburger Tennisclubs statt. Dort kämpft Fegter in der Landesliga um Punkt, Satz und Sieg. "Ohne sportlichen Anreiz geht es nicht. Ich will immer gewinnen - selbst beim Kartenspielen." Tägliche Bewegung an der frischen Luft beschert dem Hundefan zudem ein kecker Zwergschnauzer.

Ein Jahr vor der Deutschen Meisterschaft beendete "Fege" seine SG-Karriere. Bedauert er das? "Klar, doch den ersten und schönsten Titel habe ich mit an die Förde geholt, den Europapokal gegen Kopenhagen. Die ganze Stadt stand Kopf, wir standen auf dem Dach des Deutschen Hauses und eine Menschenmasse davor auf den Straßen - ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke", schwärmt Fegter. Er hat deutlich weniger Geld verdient als die heutigen Profis. "Das ist ok. Dafür gab es weniger Druck und die Chance, neben dem Handball zu studieren. Das funktioniert heute nicht mehr", sagt der Rechtsanwalt, den vor 18 Jahren ein Bierdeckel an die Förde geholt hat.

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