OstseeMan in Glücksburg : "Der härteste Triathlon meiner Karriere"

Einfallsreichtum: Die Verpflegung ist auf den Rahmen geklebt.  Foto: Staudt
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Einfallsreichtum: Die Verpflegung ist auf den Rahmen geklebt. Foto: Staudt

Der 10. OstseeMan in Glücksburg: Die Triathleten Christian Nitschke und Nicole Woysch feiern Favoritensiege. Doch neue Rekorde gab es bei Wind und Wellen nicht.

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09. August 2011, 08:33 Uhr

Glücksburg | Zum runden Geburtstag des OstseeMan-Triathlons in Glücksburg erinnerte das Ambiente zunächst an die allerersten Stunden des Langdistanzrennens an der Förde, das sich binnen eines Jahrzehnts zum größten Triathlonspektakel des Nordens entwickelt hat. Dunkle Wolken, Regenschauer und ungemütliche Winde hatten auch den 95 Startern bei der Premiere zu schaffen gemacht. Anders als im Sommer 2002 mussten die 580 Einzelstarter am Sonntag beim 10. OstseeMan-Triathlon aber nicht bis in den Nachmittag warten, ehe der Himmel aufriss. Bereits während der ersten Disziplin suchte sich die Sonne ihren Weg an den Glücksburger Kurstrand und sorgte passend zum runden Geburtstag des Klassikers für klassisches Schleswig-Holstein-Wetter mit blauem Himmel, aber auch strammem Wind.
Die böigen Lüfte machten den Athleten gleich bei zwei Disziplinen erheblich zu schaffen. Insbesondere das Schwimmen wurde nicht nur für die Gäste aus den Süden, sondern auch für viele hart gesottene Nordlichter zu einer echten Herausforderung. Die mit 19 Grad Wassertemperatur zwar noch recht milde Flensburger Förde wartete mit heftigen Wellen auf, die Kraft und Zeit kosteten. "Die Wellen waren so hoch, dass man die Bojen gar nicht mehr sehen konnte", berichteten die Athleten über ihre Erlebnisse auf den ersten 3,8 Kilometern des insgesamt 226 Kilometer langen Wettkampfs rund um Glücksburg.
"Ich musste mich im Meer zwei Mal übergeben"
Selbst die echten Schwimmspezialisten in den 280 Staffeln hatten Mühe mit dem Wellengang. "Solche Wellen sind wir bei uns nicht gewohnt. Ich habe viel Wasser geschluckt und musste mich im Meer zwei Mal übergeben", erklärte der 18-jährige Till Gurke aus der siegreichen Berliner Staffel "Synergy Pro Training", der im Vorjahr als bester Schwimmer mit einem Bundeswehr-Trio den Staffelstreckenrekord auf 7:44:58 Stunden gedrückt hatte. Dieses Mal benötigte das Schwimm-Ass bei den schweren Bedingungen zehn Minuten länger, ehe es den Zeitmess-Chip an den Radfahrer seines Teams übergab. Der Staffelerfolg der Berliner geriet jedoch nicht in Gefahr.
Nicht viel besser als Gurke erging es auch den Streckenrekordhaltern unter den Einzelstartern, die beide auch erhebliche Mühen in den Ostsee-Wellen hatten und den Kraftverlust aus der ersten Disziplin im weiteren Wettkampfverlauf deutlich spürten. "Ich bin eigentlich erstmal nur froh, dass ich das Schwimmen überlebt habe", erklärte Nicole Woysch, als sie nach 9:43:17 Stunden ihren zweiten Sieg an der Förde feiern durfte. "Die Bedingungen waren mit 2009 überhaupt nicht vergleichbar und der Streckenrekord bereits nach der ersten Disziplin nicht mehr drin", stellte die 35-jährige Saarländerin fest. Nachdem Woysch trotz der Probleme mit dem Wellengang als Erste aus dem Wasser gekommen war, musste sie auf der Radstrecke Dana Wagner vom SV Wolfenbüttel vorbeiziehen lassen. Mit einem starken Marathonlauf fing Woysch die Führende jedoch nach zehn Laufkilometern wieder ein und lief dann einem souveränen Sieg entgegen. "Ich wusste, dass ich den Rückstand auch wieder aufholen kann, aber bei einem Ironman kann man nie sicher sein, ob man selbst ohne Probleme durchkommt", gab die Topathletin Einblick in ihre Gedanken während des Wettkampfs. Nach einem bislang eher holprigen Saisonverlauf war der OstseeMan-Sieg für Woysch genau das passende Erfolgserlebnis, das ihr im Jahr 2011 bislang fehlte. "Der Sieg hier freut mich riesig und tut richtig gut." Vorjahressiegerin Dörte Siebke aus Hamburg wurde in 10:27:41 Stunden Zweite vor Carmen Krebs aus dem bayrischen Karlstadt, die 11:12:50 Stunden benötigte. Einen bärenstarken Wettkampf absolvierte Lokalmatadorin Susanne Kluge-Credo von den TriAs Flensburg, die nach 11:24:48 Stunden als Gesamt-Vierte und beste Schleswig-Holsteinerin ins Ziel kam.
Ausrutschen und Wespenstiche
Auch Männer-Sieger Christian Nitschke zeigte sich überglücklich über seinen zweiten Sieg in Glücksburg, obwohl er den angestrebten neuen Streckenrekord klar verfehlte. "Das Schwimmen war für mich eine Katastrophe, auf dem Rad bin ich auf der nassen Strecke zu Beginn kurz ausgerutscht und dann hat mich auch noch eine Wespe gestochen", berichtete der Rostocker über mehrere kleine und größere Unannehmlichkeiten während des Wettkampfs. Dass er trotz der Widrigkeiten dennoch das Ziel erreichte und seinen lange Zeit sehr hartnäckigen Verfolger Horst Wittmershaus (SC Weyhe/ 8:49:53 Stunden) am Ende auf Distanz halten konnte, erfüllte den 26-jährigen Triathlon-Profi mit Stolz und Freude. "Das war bestimmt der bislang härteste Triathlon meiner Karriere", stellte Nitschke fest. Er und sein Verfolger legten auf den letzten Kilometern sogar kurze Gehpausen ein. "In der letzten Runde war mein Akku einfach leer", bekannte Wittmershaus, der acht Stunden lang stets mit nur wenigen Minuten Rückstand dem Führenden hinterher jagte.
Lars Apitz vom MTV Gelting 08 war als einer der wenigen Athleten mit den rauen Bedingungen in der Förde gut zurecht gekommen und hielt auch auf der windigen Radstrecke ein hohes Tempo durch, ehe ihn auf der Laufstrecke Magenprobleme etwas ausbremsten. Der 42-jährige Routinier rettete in 9:25:59 Stunden aber dennoch als Achter eine Top-Ten-Platzierung ins Ziel. Mit Robert Brehm (TriAs Flensburg/ 18. Gesamt) blieb in 9:58:52 Stunden ein weiterer Nordathlet unter der Zehn-Stunden-Marke.
(shz)

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