2. Bundesliga : Ausstand mit Anstand: HSV gewinnt gegen MSV Duisburg

HSV-Trainer Hannes Wolf gibt bei dem Spiel im Volksparkstadion seine Abschiedsvorstellung. Die Hamburger gewinnen 3:0.

shz.de von
19. Mai 2019, 19:20 Uhr

Das Bild zum Schluss sagte vieles aus. Die Profis des Hamburger SV trauten sich nach dem Abpfiff beim 3:0 (1:0)-Sieg über Absteiger MSV Duisburg nur bis zur Strafraumgrenze vor die HSV-Fantribüne. Unsicher standen sie da, schauten verlegen auf den Rasen, wussten nicht, ob sie klatschen oder den Fans zuwinken sollten, wussten nicht, ob sie wegen des verpassten Aufstiegs aus der Zweiten Fußball-Bundesliga ausgepfiffen und beschimpft werden.

Die Trainercrew um den scheidenden „Chef“ Hannes Wolf hielt noch größeren Sicherheitsabstand. Sie blieb an der Mittellinie stehen. Nur nicht provozieren, schienen sie sich zu sagen.

Hamburgs Spieler stehen mit Abstand vor den Fans auf dem Platz.
dpa

Hamburgs Spieler stehen mit Abstand vor den Fans auf dem Platz.

 

Der für den Aufstiegskampf wertlose Sieg am Sonntag hatte zumindest für ein versöhnliches Ende gesorgt: Nach acht Spielen ohne Erfolg wieder ein dreifacher Punktgewinn. Das Team hatte Wolf erhört, der einen Ausstand mit Anstand gefordert hatte. „Auch wenn es das nicht wieder gut macht, wie es in den letzten Wochen gelaufen ist, war es heute ein versöhnlicher Abschluss vor den tollen Fans“, meinte der 38-Jährige nach seinem letzten Arbeitstag.

Eine Woche zuvor hatten die Hanseaten mit dem 1:4 beim SC Paderborn auch die letzte Chance auf die sofortige Rückkehr in die Bundesliga verspielt. So beenden die Hamburger ihre Premieren-Saison in Liga Zwei als Vierte - nur einen Punkt hinter Union Berlin auf Relegationsplatz drei und dem Tabellenzweiten und direkten Aufsteiger SC Paderborn.

Weiterlesen: HSV verpasst Wiederaufstieg – Paderborn träumt vom Durchmarsch

Fiete Arp geht zum FC Bayern München

Arp verlässt den HSV nach der Saison.
dpa

Arp verlässt den HSV nach der Saison.

 

Ein versöhnlicher Abschied nach neun Jahren von seinem Herzens-Verein gelang auch Fiete Arp. Der in dieser Saison äußerst glücklose Jungstürmer erzielte im letzten Saisonspiel sein einziges Tor. Danach kullerten die Tränen. „Da muss man seinen Gefühlen mal freien Lauf lassen. Das Tor ist ein kleiner Trost und war für den Moment einfach wichtig“, meinte der 19 Jahre alte Profi und verkündete seinen Abgang:

Ich gehe zu Bayern München. Es ist für alle Beteiligten die besten Lösung. Fiete Arp, Stürmer

Arp konnte selbst entscheiden, ob er schon in diesem Sommer oder erst im nächsten nach München wechselt. Er zog die schnelle Trennung vom HSV vor.

Douglas Santos kündigt HSV-Abschied an

Auch Douglas Santos wird gehen. „Ich muss jetzt meine Richtung finden. Für mich ist jetzt Schluss“, sagte der Brasilianer.„Ich wollte dem Verein mehr geben. Ein bisschen hat gefehlt.“ Der 25-Jährige, der noch einen Vertrag bis Juni 2021 besitzt, ist einer der wenigen Profis im HSV-Kader, die richtig Geld in die Kasse der klammen Hamburger für den notwendigen Umbruch bringen kann.

Auf große Abschiedszeremonien hatten die HSV-Verantwortlichen vor und nach dem Spiel verzichtet. Auch aus Furcht vor der negativen Reaktion der Fans. Bei der Nennung des Namens von Hannes Wolf, dessen Abschied am Freitag offiziell bestätigt worden war, gab es nur wenige Pfiffe.

Insgesamt blieb es aber unter den offiziell 51.147 Zuschauern friedlich. Dazu trugen auch die Tore von Leo Lacroix (15.), Manuel Wintzheimer (49.) und des lange nicht berücksichtigten Arp (64.) bei. „Wir hatten heute nicht die Ausgangslage, die wir uns erhofft hatten“, sagte Keeper Tom Nickel. „Aber wir wollten das Spiel gegen Duisburg unbedingt für die Fans gewinnen, die uns wie auch in der ganzen Saison wieder so außergewöhnlich unterstützt haben.“

Die jungen Spieler zeigten ihr Können

Wolf setzte bei seinem Abschiedsspiel nach nur sieben Monaten vor allem auf die Jugend. Mit 22,6 Jahren im Schnitt schickte er das jüngste HSV-Team in ein Pflichtspiel. Sieben Mann waren zwischen 18 und 21. „Wir wollten mit den ganzen jungen Leuten auf dem Platz noch einmal ein gutes Spiel machen“, sagte er.

„Das ist uns gelungen. Ich freue mich für alle Jungs, die heute eine gute Leistung gezeigt haben.“ Unter anderen hatte er in Pierre-Michel Lasogga und Hee-Chan Hwang zu Beginn Spieler auf der Bank gelassen, die als Abgänge feststehen.

Hamburgs Leo Lacroix feiert sein Tor zum 1:0 gegen Duisburg.
dpa

Hamburgs Leo Lacroix feiert sein Tor zum 1:0 gegen Duisburg.

 

Kapitän Aaron Hunt fehlte verletzt, ebenso Leihgabe Orel Mangala, der zum VfB Stuttgart zurückkehrt. Torhüter Julian Pollersbeck, der ebenfalls als möglicher Abgang gehandelt wird, war wegen eines noch nicht auskurierten Infekts nicht dabei.

Die Hamburger waren dennoch durchgehend spielbestimmend und erarbeiteten sich zahlreiche Torchancen. So durfte der HSV die Saison in Ruhe auslaufen lassen – und sich noch einmal ärgern beim Blick auf die Ergebnisse der Aufstiegskonkurrenten aus Paderborn und Berlin.

Weiterlesen: HSV und Hannes Wolf gehen getrennte Wege

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