„So ist es eine Vollkatastrophe“ : Zweifel am Videobeweis, Kritik an Felix Zwayer

<p>Für Felix Für Zwayer war es nicht der erste unglückliche Auftritt dieser Saison.</p>

Für Felix Für Zwayer war es nicht der erste unglückliche Auftritt dieser Saison.

Nach dem DFB-Pokalfinale steht Felix Zwayer wegen seiner Auslegung des Videobeweises erneut in der Kritik.

shz.de von
21. Mai 2018, 13:58 Uhr

Berlin | Der Wirbel um den versagten Final-Elfmeter für den FC Bayern durch Schiedsrichter Felix Zwayer lässt die Zweifel am Videobeweis schon vor der WM weiter kräftig wachsen. Als einer von 13 Unparteiischen ist der 37-Jährige bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ausgerechnet als Video-Schiedsrichter im Einsatz – und steht vor der Abreise nach Moskau heftig in der Kritik.

„Dann brauchen wir auch keinen Videobeweis, dann können wir es auch lassen. Aber so ist es eine Vollkatastrophe“, zürnte Bayerns Torhüter Sven Ulreich über den ausgebliebenen Strafstoßpfiff Zwayers. Dass dieser in der Nachspielzeit auch nach Studium der Bilder an der Seitenlinie nicht auf Foul von Frankfurts Kevin-Prince Boateng an Javi Martinez erkannte, erleichterte selbst den Sensationssieger. „Ich treffe ihn, wenn er Elfmeter gibt, kann ich mich nicht beschweren“, gestand Boateng nach dem 3:1-Triumph im DFB-Pokalfinale.

<p>Torwart Sven Ulreich (2.v.r.) diskutierte bereits während des Spiels mit Schiedsrichter Felix Zwayer (2.v.l.). </p>
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Torwart Sven Ulreich (2.v.r.) diskutierte bereits während des Spiels mit Schiedsrichter Felix Zwayer (2.v.l.).

 

Dass der Videobeweis die Debatten über Schiedsrichter keinesfalls beendet hat, sondern bis zum Schluss noch anheizte, ist Sinnbild für eine Premierensaison mit vielen korrekt korrigierten Entscheidungen, aber auch Schwierigkeiten. Auf der WM-Bühne steht das technische Hilfsmittel nun vor der ganz großen internationalen Bewährungsprobe. „Den Videobeweis kann man noch deutlicher überdenken, als man es vielleicht eh schon tut“, monierte Nationalspieler Mats Hummels.

Ironischerweise äußerte Zwayer, der wie Bastian Dankert als WM-Videoreferee eingeplant ist und von diesem beim Pokalfinale unterstützt wurde, noch vor wenigen Tagen seine große Erleichterung über die Unterstützung. "Es wird sicher Momente geben, und das ist meine volle Überzeugung, in denen man sehr froh sein wird, einen zweiten Blick oder eine andere Perspektive zu haben, die man auf dem Platz nicht hat", sagte Zwayer in einem Interview, das der DFB verbreitet hatte. „Wenn man mithilfe des Video-Assistenten wichtige Entscheidungen zugunsten des Spiels und der Fairness treffen kann, ist es mehr als positiv.“

Torwart Sven Ulreich (2.v.r.) diskutierte bereits während des Spiels mit Schiedsrichter Felix Zwayer (2.v.l.).
 

Bis Montagmittag äußerten sich weder der Deutsche Fußball-Bund noch der Unparteiische zur viel diskutierten Entscheidung. Für Zwayer war es nicht der erste unglückliche Auftritt dieser Saison. Beim Zweitrundensieg der Bayern gegen RB Leipzig schimpften Ralf Rangnick & Co. massiv über den Berliner. Ende Oktober schaute Zwayer seine fragwürdige Elfmeterentscheidung beim Bundesligaspiel zwischen Wolfsburg und Hoffenheim noch einmal an - und blieb dabei.

<p>Beim Gang in die Halbzeitpause der zweiten Runde des DFB-Pokals versuchte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick (2. v.r) mit Schiedsrichter Zwayer zu diskutieren.</p>
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Beim Gang in die Halbzeitpause der zweiten Runde des DFB-Pokals versuchte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick (2. v.r) mit Schiedsrichter Zwayer zu diskutieren.

 

Wie die Spieler wertete auch Ex-Schiedsrichter Peter Gagelmann den ausgebliebenen Strafstoß im Pokalfinale als Fehler. „Das ist sehr schade, weil er das Spiel mit seinem Team fantastisch geleitet hat. Manchmal hängt man an einer Entscheidung, da sieht man dann alt aus“, sagte Gagelmann bei Sky. Er kritisierte, dass aus seiner Sicht Zwayer nur Zeitlupen- und Stand-Bilder gezeigt worden seien und keine Aufnahmen in Realzeit. Negative Auswirkungen auf den WM-Einsatz sieht Gagelsmann aber nicht: „Jedes Spiel ist ein Lernprozess, das wird ihn natürlich schulen für die WM.“ 

Der Weltverband zeigte sich zuletzt zuversichtlich für die WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli. Vollständige Aufklärung sei dabei auch nicht möglich, betonte Schiedsrichter-Chef Massimo Busacca: „Nur eine Entscheidung bei der nächsten WM ist genug, um zu sagen: Es war gut, dass wir den Videobeweis eingeführt haben. Das Ziel ist nicht, dass wir zu 100 Prozent richtige Entscheidungen erreichen, sondern dass wir einen Skandal verhindern.“

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