Die Fussball-Kolumne : Zehner-Pakt, Gala-Time, Test-Spiel

Nach dem 1:0-Sieg applaudieren die Hansa-Spieler in Richtung der Fans auf der Tribüne. Rostock durfte erstmals wieder 777 Fans ins Stadion lassen.

Nach dem 1:0-Sieg applaudieren die Hansa-Spieler in Richtung der Fans auf der Tribüne. Rostock durfte erstmals wieder 777 Fans ins Stadion lassen.

In seiner Kolumne schreibt der stellvertretende Chefredakteur Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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21. März 2021, 16:17 Uhr

Als der Bayern-Profi Alphonso Davies nach einer Viertelstunde Rot sah und der Rekordmeister in der Partie gegen die zuletzt so starken Stuttgarter 75 Minuten in Unterzahl vor sich hatte, meinte der gemeine Fußballfreund, jetzt könne es schwer werden für den Titel-Favoriten. Fehleinschätzung. Irrtum. So was von daneben. Den Bayern reichen zehn ambitionierte Profis.

Der Zehner-Pakt spielte den Elfer-Rat des VfB Stuttgart an die berühmte Wand. Eine Konstellation, die es in dieser Form und Klarheit nur recht selten gegeben haben mag. Die Bayern sollten über eine grundsätzliche Reduzierung des spielenden Personals nachdenken. Beträgt doch die jährliche Ersparnis eines Profis dieser Güte rund zehn Millionen Euro. Der FC Bayern kann es zu zehnt besser als andere Mannschaften, die mit 13 Akteuren auflaufen. Wenn die Statuten dies denn zulassen würden. Es ist nur schwer vorstellbar, dass diese Münchner ihre Trophäensammlung in dieser Geister-Saison nicht um die Meisterschale erweitern. Verständlich, dass der FC Bayern den Vertrag mit Trainer Hansi Flick nicht vorzeitig auflösen möchte. Da ist aber das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen.

Absage von Ralf Rangnick

Das meinen auch Teile des Schalker Aufsichtsrats, die in der Absage von Ralf Rangnick noch einen positiven Aspekt suchen und meinen, ihn zu finden. Es ist nicht zu glauben, mit welcher Blauäugigkeit auf Schalke agiert wird. Aufsichtsratschef Jens Buchta gibt dem FC Schalke 04 offenbar den Rest. Man hätte Clemens Tönnies nicht vom Hof jagen sollen.

Ja, dieser HSV steigt auf. Wohin? In die erste Bundesliga, ins Oberhaus des deutschen Fußballs. Eben jene Liga, in die der Hamburger SV gehört, wie nicht nur die Fans des Traditionsvereins meinen. Und wehe, jemand ist nicht dieser Meinung, diesem Menschen droht Ungemach. Fakt ist, dass der HSV – wie in den letzten beiden Begegnungen in Bochum und gegen Heidenheim zu sehen war – sich gefestigt hat, in der Abwehr kaum noch bröckelt, im Aufbau sehenswert agiert und vorn bei der Aufgabe des Toreschießens auch ohne Simon Terodde bestens aufgestellt ist. Insofern stehen die Zeichen auf Aufstieg.

Was Hamburgs Sportchef Michael Mutzel aus dem Konzept bringt. Auf die Frage des Sky-Reporters, wie es denn mit der Personalpolitik in der nächsten Saison aussehe, wusste der Funktionär nur die Antwort, dass er auf eine solche Frage nicht vorbereitet sei. Mutzel fehlt noch das erstklassige Format.

Zuschauer in Rostock

Es war sozusagen ein Testspiel. Ein Versuch für den deutschen Profi-Fußball. Zur Drittliga-Partie zwischen Hansa Rostock und dem Halleschen SC (1:0) waren 777 Augenzeugen zugelassen. Voraussetzung war ein Schnelltest an den Stadiontoren. Der unbürokratisch und auch mutig agierende Bürgermeister Claus Ruhe Madsen hatte sich dafür stark gemacht. Madsen, in Dänemark aufgewachsen und nebenbei auch Unternehmer, der vom Möbelgeschäft etwas versteht, steht dem Sport sehr nah und hält von überzogener Bürokratie gar nichts. Eine Ausnahme auf dem Markt der Verwaltungschefs, die in der Regel defensiv agieren.

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