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Peinlich bis legendär : WM-Songs: Wenn Fußballer singen

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft macht sich heute ohne eigenen WM-Song auf den Weg ins Trainingslager. Das war früher anders. shz.de zeigt die Stimmgewalt von Beckenbauer, Matthäus und Co.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 06:30 Uhr

Die Meinungen gehen auseinander: Für die einen sind die Lieder, die für die deutschen Fußball-Nationalmannschaften zwischen 1974 und 1994 kurz vor den Weltmeisterschaften aufgenommen wurden, schöne Erinnerungen an die Turniere. Für andere handelt es sich um grausame „Werke“ mit schrecklicher Musik und teilweise peinlichen Auftritten von Fußballern, die versuchen (müssen), auf musikalisch zu machen. Meist mussten die Spieler sogar selbst ihre Stimmgewalt unter Beweis stellen. 

Los ging es 1974 mit „Fußball ist unser Leben“, das Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Co. zum Besten gaben. Produziert wurde es von Komponist Jack White. Egal, wie man das Lied beurteilt – Glück hat es auf jeden Fall gebracht. Denn wer wurde 1974 Weltmeister? Richtig: Deutschland. Spätestens dann war klar, dass unsere Jungs nicht nur die Töne treffen, sondern auch das Tor. Und Spaß im Tonstudio hatten sie auch, wie das Video beweist:

1978 schlug dann die Stunde von Udo Jürgens. Mit „Buenos días, Argentina“ entzündete der Schlagerstar nicht nur Fernweh bei den Deutschen, sondern stimmte auch das DFB-Team musikalisch auf die WM in Südamerika ein. Er hatte mehr Erfolg als die Spieler. Zumindest konnten diese den Titel nicht verteidigen. 


Udo Jürgens - Buenos Dias Argentina 1978 - MyVideo

Vier Jahre später ging es für die Fußballer nach Spanien. Auch dort klappte es nicht mit dem Titelgewinn. Im Finale unterlagen Schumacher, Breitner und Rummenigge Italien. Komisch eigentlich. Michael Schanze hatte sie doch zumindest sprachlich mit „Olé España“ bestens vorbereitet.


Michael Schanze - Ole Espana 1982 - MyVideo

1986 durfte der legendäre Peter Alexander ran. Im Video zu „Mexiko, mi amor“ durfte er die DFB-Spieler gesanglich begleiten. Oder war es andersherum? Zumindest beweist sich Torwart Toni Schumacher gleich zu Beginn als leidenschaftlicher Trompeter. Und dann wären da ja noch Lothar Matthäus und Pierre Littbarski, die – ehrlich gesagt – alles andere als lustvoll das Lied mitträllern. Aber jedenfalls sahen sie mit ihren Hüten doch einfach klasse aus. 


Peter Alexander - Mexico mi Amor 1986 - MyVideo

1990: Wer erinnert sich nicht gerne an das Finale gegen Argentinien zurück. 1:0 gewann die Mannschaft um Teamchef Franz Beckenbauer in Rom. Andi Brehme schoss Deutschland per Elfmeter zum bisher letzten WM-Titel. Gänsehaut, wenn die Bilder im Fernsehen gezeigt werden. Und der WM-Song? Der stammte mal wieder von Udo Jürgens. „Wir sind schon auf dem Brenner“ sang auch Lothar Matthäus enthusiastischer mit, als vier Jahre zuvor den Song von Peter Alexander. Vielleicht weil er keinen Hut tragen musste und wusste, dass er ein grandioses Turnier spielen würde.

Der letzte WM-Song der DFB-Geschichte, bei dem die Spieler mehr oder weniger involviert waren, stammt aus dem Jahr 1994. Dieses Mal setzten die Verantwortlichen auf die „Village People“. Warum? Man weiß es nicht. Beim Videodreh zu „Far Away in America“ sorgten Indianer und Polizist aber bei den Spielern rund um Klinsmann und Völler jedenfalls für Stimmung. Die war aber spätestens nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Bulgarien wieder im Keller.   


Village People - Far Away In America - MyVideo

Wenn die Spieler des WM-Kaders 2014 heute die Reise ins Trainingslager nach Südtirol antreten, werden sie ohne eigenen Song im Gepäck unterwegs sein. Wie alle deutschen Mannschaften seit 1998. Irgendwie schade. Aber irgendwie auch nicht.

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