zur Navigation springen

Fussball-Nationalmannschaft : WM-Kader 2014: Wen nominiert Löw?

vom

Spannung vor der Nominierung des deutschen WM-Kaders: Joachim Löw gibt am Donnerstag das vorläufige Aufgebot bekannt. Einige Spieler müssen bangen – auch aus SH und Hamburg. shz.de gibt einen Überblick. Und erinnert an 2006.

Am Donnerstagmittag will Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen WM-Kader bekannt geben. Vermutlich wird er 26 bis 30 Spieler nominieren. Zwar steht das Fundament der Mannschaft, aber einige Spieler – darunter ehemalige Leistungsträger - müssen um ihre Teilnahme bangen. „Es wird Entscheidungen geben, die dem einen oder anderen wehtun werden“, hatte Löw mehrfach angekündigt. Diese Ankündigung ist mehr als eine Floskel. Schließlich mussten gestandene Nationalspieler mit Verletzungen oder Formkrisen kämpfen.

Um wen geht es konkret? Wir werfen einen Blick auf Tor, Abwehr, Mittelfeld und Sturm:

Tor:

Wer das Tor für Deutschland bei der WM hütet, ist klar. Bayerns Manuel Neuer ist die Nummer eins. Sein Stellvertreter wird voraussichtlich Roman Weidenfeller. Der 33-Jährige überzeugt seit Jahren im Tor von Borussia Dortmund (trotz Patzer am Samstag gegen Hoffenheim), sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League. Die WM wird seine erste Teilnahme an einem Turnier.

Spannend ist die Frage nach der Nummer drei. Die einen sind der Überzeugung, dass Marc-André ter Stegen von Borussia Mönchengladbach mitfahren sollte. Bisher fiel er im Dress der Nationalmannschaft aber durch Patzer auf, wie in diesem Spiel gegen die USA 2013:

 

Trotzdem gilt Marc-André ter Stegen dennoch als erfahrener Keeper – mit erst 22 Jahren. Kein Wunder, dass er nächste Saison höchstwahrscheinlich für den FC Barcelona im Tor steht.  

Im Rennen ist auch Hannovers Ron-Robert Zieler, der lange die Nummer drei im deutschen Team inne hatte. Als Ausnahmetorhüter gilt der 25-Jährige allerdings nicht. Dass sein Verein in dieser Saison alles andere als souverän aufgetreten ist und gegen den Abstieg kämpfte, wird die Chance auf eine Nominierung sicherlich nicht erhöhen.

Und dann ist da ja auch noch René Adler vom Hamburger SV. Galt er vor Jahren noch als bester Torwart Deutschlands, hat er sich den meist schlechten Leistungen des gesamten HSV in dieser Saison angeschlossen. Zumindest ist auch er in die Kritik geraten.

In der Saison 2009/10 spielte Adler (links) noch für Leverkusen, Neuer für Schalke. Ob sie sich bei der WM sehen, ist ungewiss.
In der Saison 2009/10 spielte Adler (links) noch für Leverkusen, Neuer für Schalke. Ob sie sich bei der WM sehen, ist ungewiss. Foto: Imago
 

Abwehr:

Gesetzt sind Kapitän Philipp Lahm, Jerome Boateng (beide Bayern), Marcel Schmelzer, Mats Hummels (beide Dortmund) sowie Per Mertesacker (Arsenal London). Gleiches gilt wohl auch für den wieder genesenen Benedikt Höewedes (Schalke). Außerdem führt auch kein Weg an Kevin Großkreutz vorbei (Dortmund). Er ist nicht nur auf der rechten Außenverteidigerposition einsetzbar, sondern auch im Mittelfeld.

Jüngst sorgte der 25-Jährige für Aufsehen wegen eines „Döner-Wurfs“ in Köln. Dort soll er laut Medienberichten von einem Mann angezeigt worden sein, weil er diesem angeblich in der Innenstadt einen Döner ins Gesicht geworfen haben soll. Der Fußballer wehrt sich gegen den Vorwurf einer vorsätzlichen Körperverletzung.

Zurück zum Sport: Was ist mit Heiko Westermann und Marcell Jansen? Die beiden HSV-Spieler sind zurzeit alles andere als Erfolgsgaranten. Zudem war Jansen verletzt, kehrt aber eventuell am Samstag aufs Spielfeld in der Bundesliga zurück. Eine Chance auf eine Nominierung hat er aufgrund mangelnder Alternativen für die linke Abwehrseite. Dort ist Schmelzer wohl gesetzt. Hinter ihm wird es dünn. Das spricht für Jansen. „Der Kontakt zur Nationalmannschaft war immer da“, berichtete er vor Kurzem.

Im Abwehr-Topf sind außerdem Matthias Ginter (Freiburg) sowie Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua). Letzerer hat allerdings nur geringe Chancen, im Kader zu sein. Er war im März überraschend von Löw für das Testspiel gegen Chile nominiert worden.

Mittelfeld:

Die Nominierung der Bayern-Stars Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Thomas Müller und Mario Götze ist genauso sicher wie die von Marco Reus (Dortmund), Julian Draxler (Schalke), Lukas Podolski, Mesut Özil (beide Arsenal London) sowie André Schürrle (Chelsea London).

London calling: Mesut Ozil und Lukas Podolski (rechts) spielen gemeinsam bei Arsenal.
London calling: Mesut Ozil und Lukas Podolski (rechts) spielen gemeinsam bei Arsenal. Foto: Gerry Penny
 

Chancen haben auch Lars Bender (Leverkusen) sowie sein aus Kiel stammender Team-Kollege Sidney Sam, der allerdings lange verletzt war. Auch Augsburgs Andre Hahn darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung machen. Als chancenlos gilt hingegen Defensiv-Spezialist İlkay Gündoğan (Dortmund) – er hat sich von seiner langwierigen Verletzung noch nicht erholt. Gut könnte es hingegen für Madrids Sami Khedira ausgehen. Der 27-Jährige hat sich von seinem Kreuzbandriss erholt und könnte zur WM wieder fit werden. Ihm fehlt allerdings die Spielpraxis.  

Sturm:

Mario Gomez (Florenz) und Miro Klose (Lazio Rom) sind zwei der größten Sorgenkinder vom Bundestrainer. „Für mich ist es wichtig, wieder in Topform zu kommen, noch fehlt mir die Kraft für 90 Minuten“, erklärte Klose. Knapp einen Monat nach seiner Zerrung im Oberschenkel scheint der Angreifer zwar rechtzeitig zur Bekanntgabe des vorläufigen deutschen WM-Kaders wieder fit zu werden. Aber Spielpraxis bringt auch er nicht mit.

Gleiches gilt für Mario Gomez. Der Stürmer trainierte am Montag individuell und nicht mit der Mannschaft vom AC Florenz. Wann der Angreifer wieder komplett ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ist weiter unklar. Sowohl er als auch Klose zählen dennoch wahrscheinlich zum vorläufigen Aufgebot.

Was wird aus Mario Gomez (links) und Miro Klose. Die Stürmer fielen diese Saison oft durch Verletzungen aus.
Was wird aus Mario Gomez (links) und Miro Klose. Die Stürmer fielen diese Saison oft durch Verletzungen aus. Foto: dpa
 

Neben Adler, Westermann und Jansen könnte ein weiterer HSV-Spieler mit auf den WM-Zug aufspringen. Der von Hertha BSC Berlin ausgeliehene Pierre-Michel Lasogga überzeugte als einer der wenigen Hamburger im Abstiegskampf. Auch er hatte mit einer Verletzung zu kämpfen, kann am Samstag im Abstiegskrimi gegen Mainz wohl auflaufen.

Nicht unwahrscheinlich ist eine Nominierung von Kevin Volland (Hoffenheim). Der 21-Jährige hätte nach Ansicht vieler eine Chance im Nationaltrikot verdient.

Auch der aus Reinbek stammende Max Kruse (Mönchengladbach) kann sich berechtigte Hoffnungen machen, im Kader zu stehen. Zwar zeigte seine Formkurve zu Beginn der Rückrunde nach unten, mittlerweile – und wohl rechtzeitig zur Nominierung – konnte der 26-Jährige wieder mit Toren auf sich aufmerksam machen.

Max Kruse von Borussia Mönchengladbach - hier im Duell mit Heiko Westermann vom HSV - kommt aus Reinnbek im Kreis Stormarn.
Max Kruse von Borussia Mönchengladbach - hier im Duell mit Heiko Westermann vom HSV - kommt aus Reinnbek im Kreis Stormarn. Foto: dpa
 

Dass es bei der Nominierung für den WM-Kader immer wieder Überraschungen geben kann, beweist ein Blick in die junge Vergangenheit. Das war schon bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006 so, als Löw noch Assistent von Jürgen Klinsmann war und das Duo mit David Odonkor verblüffte. Die Entscheidung erwies sich als richtig, wie diese Szene aus dem Vorrundenspiel gegen Polen in Erinnerung ruft:

 

Auch vor zwei Jahren wusste der Bundestrainer zu überraschen: Für die EM 2012 nominierte er nicht drei, sondern vier Torhüter. Der Gladbacher Marc-André ter Stegen durfte die etablierten Kollegen herausfordern. Schalke-Talent Julian Draxler war der andere Kader-Neuling. Beide schafften es nicht ins endgültige EM-Aufgebot. Zur gestrichenen Prominenz zählte unter anderem Simon Rolfes.

Wer letztendlich mit nach Brasilien fliegt, entscheidet sich erst am 2. Juni, wenn Joachim Löw der Fifa den endgültigen 23-Mann-Kader mitteilen muss. Zuvor wird er erneut – wie vor der Bekanntgabe des vorläufigen Kaders am Donnerstag – einigen Spielern eine Absage erteilen müssen.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 15:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen