Für ein paar Minuten Meister : Wie Schalke 2001 nur skurriler: Titeljubel und Tränen im Iran

Sie jubeln. Wie einst der FC Schalke. Diesmal passiert es im Iran. Aber was passiert, ist noch merkwürdiger, als damals in Gelsenkirchen.

shz.de von
16. Mai 2015, 15:52 Uhr

Diesmal traf es Teraktorsazi Täbris in Nordwestiran. Glückselige Spieler, jubelnde Fans, endlich Meister. Doch das skurrile Geschehen im Jadegar-Imam Stadion erweist sich für Kenner der Fußball-Bundesliga als eine Art Déjà-vu. Wie vor 14 Jahren in Gelsenkirchen, als der FC Schalke 04 für ein paar Minuten die Meisterschaft feierte, tat dies auch Teraktorsazi Täbris. Zu Unrecht. Und die Falschnachricht kam auch noch aus den eigenen Reihen.

Meister der Herzen: Im Jahr 2001 wurde Schalke Vizemeister. Am letzten Spieltag fühlten sich die Schalker für vier Minuten zum achten Mal als deutscher Meister. Ein Freistoßtor von Patrik Andersson, mit dem Bayern München in der Nachspielzeit gegen Hamburg noch ein Unentschieden erreichte, ließ die Träume platzen.

Es ist der letzte Spieltag der iranischen Primärliga. Teraktorsazi Täbris und Naft Teheran treten in Täbris um die Meisterschaft an. Beide brauchen jeweils den Sieg. Trennen sich die Teams unentschieden, könnte Sepahan Isfahan zum großen Profiteur werden. Vor Anpfiff rangiert die Mannschaft auf dem dritten Platz.

Und dann passiert es: Teraktorsazi Täbriz verspielt eine 3:1-Führung und kommt nicht über ein 3:3 gegen Naft Teheran hinaus, Sepahan Isfahan gewinnt währenddessen 2:0. Aber in Täbriz bricht unbändiger Jubel aus. Tausende von Fans stürmen vor Freude aufs Spielfeld und feiern den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte.

Die Millionen TV-Zuschauer, die die beiden Spiele live verfolgen können, trauen ihren Augen nicht. Denn im Fernsehen laufen gleichzeitig Bilder von Meisterschaftsfeiern in Täbris und Isfahan. Nicht mal die TV-Moderatoren wissen, wie sie das kommentieren sollen.

In Täbris ist der Jubel sogar derart stürmisch, dass auch viele Insider für kurze Zeit an der Tabellenkonstellation zweifeln. Aufgeklärt wurde die Verwirrung erst allmählich. Eine noch unbekannte Person auf der Bank von Teraktorsazi hatte in der 87. Minute Trainern und Spielern mitgeteilt, dass es auch in Isfahan zu einem Unentschieden gekommen sei - und damit Täbris den Meistertitel geholt habe. Dementsprechend spielte Teraktorsazi in den letzten Minuten auch auf Zeit, anstatt weiter aufs gegnerische Tor zu stürmen. Nach dem Jubel der Mannschaft glaubten dann auch die Fans, dass ihr Team Meister geworden sei und stürmten aufs Spielfeld. 

Die bittere Erkenntnis, dass alles anders war, kam im Gegensatz zum Schalker Albtraum 2001 erst in der Kabine. In Gelsenkirchen wurde dieser noch auf dem Platz nach einer falschen Information eines Medienvertreters wahr. Im Iran war die Enttäuschung auch diesmal bei den Fans daraufhin riesengroß. Es soll zu Krawallen vor dem Stadion und in der Stadt gekommen sein.

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